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11.01.2008

17:49 Uhr

Deutscher Aktienhandel

Achterbahnfahrt an den Aktienmärkten

Hin- und hergerissen zwischen neuen Nachrichten zur US-Hypothekenkrise und Hoffnungen auf eine Zinssenkung in den USA haben sich die deutschen Aktien am Freitag uneinheitlich entwickelt. Zwar weckten Äußerungen von US-Notenbankchef Bernanke Hoffnung, doch die Händler sind nervös.

Handelssaal der Frankfurter Börse Foto: dpa Quelle: dpa

Handelssaal der Frankfurter Börse Foto: dpa



HB FRANKFURT. Der Dax schloss nahezu unverändert bei 7 717 Punkten. Auf Wochensicht hat der Leitindex damit gut ein Prozent verloren. "Die Stimmung ist sehr wacklig", sagte ein Händler.

Nach Äußerungen von US-Notenbank -Präsident Ben Bernanke am Vorabend setzte eine wachsende Zahl von Anlegern auf sinkende Zinsen in den USA. Erwartet wird, dass die Fed Ende Januar den Leitzins auf 3,75 Prozent senkt. "Das sollte zinsempfindlichen Werten wie Banken und Versicherern helfen", sagte ein Börsianer. Einen Schub erhielten die Finanztitel durch die angekündigte Übernahme des angeschlagenen US-Baufinanzierers Countrywide von der Bank of America. "Darauf handeln einige", sagte ein Börsianer. Am stärksten reagierten die Aktien des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate, die 2,3 Prozent zulegten. Die Anteilsscheine der Commerzbank und der Postbank stiegen jeweils um 1,9 Prozent.

Allerdings stifteten die anhaltende Angst vor einer Rezession in den USA und weitere negative Meldungen aus der Finanzbranche zugleich Misstrauen. "Die Schwierigkeiten, mit denen sich die gesamte Finanzindustrie konfrontiert sieht, sind mit dem Jahreswechsel nicht gelöst", warnte die Schweizer Großbank UBS. Einem Zeitungsbericht zufolge muss die US-Investmentbank Merrill Lynch wegen der Probleme mit Hypothekengeschäften voraussichtlich 15 Milliarden Dollar abschreiben - fast zweimal so viel wie ursprünglich von dem Unternehmen geschätzt.

Vor diesem Hintergrund sehen Börsianer den Markt in einem kritischen Zustand. "Wir haben momentan definitiv einen Crash", sagte ein von ihnen. "Aber es zeigt sich im Index nicht, weil die Kursverluste sehr punktuell sind." Insbesondere Versorger- und Pharmatitel hatten in den vergangen Tagen den Dax gestützt. Zum Wochenschluss gerieten diese als weniger konjunkturanfällig geltenden Werte allerdings unter Verkaufsdruck.

Eon -Aktien verloren 3,1 Prozent, Fresenius Medical Care gaben 0,7 Prozent nach. Händler führten dies darauf zurück, dass angesichts der Erwartung auf sinkende Zinsen Werte wie Finanz- und Industrie-Aktien wieder gefragt seien.

Entsprechend standen an der Spitze der Dax-Gewinner die Titel von MAN mit einem Aufschlag von 3,5 Prozent, gefolgt von Lufthansa und ThyssenKrupp mit einem Plus von 2,9 und 2,8 Prozent. Die zuletzt von den Investoren geschmähten Titel der Fluggesellschaft stiegen, nachdem der Finanzvorstand versichert hatte, das Ergebnisziel für 2007 erreicht zu haben.

Den Umzug der Deutschen Börse von Frankfurt ins benachbarte Eschborn honorierten die Anleger mit Aktienkäufen. Börsianern zufolge wurden die zu erwartende Steuerersparnis und Gewinne aus Immobilienverkäufen positiv aufgenommen. Die Titel schlossen 2,7 Prozent höher.

Erneut trennten sich die Anleger von den Papieren des Chipherstellers Infineon, die 3,1 Prozent verloren. Händlern zufolge lasteten die Herabstufung der europäischen Branche durch Credit Suisse und die Aussagen des Qimonda -Konkurrenten Samsung über einen anhaltenden Preisdruck auf den Papieren. Noch einen Tick schlechter gingen die Henkel -Papiere mit einem Minus von 3,5 Prozent aus dem Handel. Im MDax schossen die Aktien von SGL Carbon knapp zehn Prozent nach oben. Der Wiesbadener Grafitspezialist hat sein Umsatzziel für das laufende Jahr deutlich angehoben.

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