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13.08.2013

15:57 Uhr

Deutschland

Konjunkturdaten drücken auf Bund-Future

Deutsche Bundanleihen verlieren an Wert. Grund dafür sind Konjunktursignale aus Deutschland, die besser ausfielen, als zuvor erwartet. Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren rentieren bei 1,77 Prozent.

Die Konjunkturdaten Deutschlands und der Eurozone sind stärker ausgefallen als erwartet – das drückt den Wert der deutschen Bundesanleihen. dpa

Die Konjunkturdaten Deutschlands und der Eurozone sind stärker ausgefallen als erwartet – das drückt den Wert der deutschen Bundesanleihen.

FrankfurtAnzeichen für eine Erholung der Konjunktur dies- und jenseits des Atlantiks haben die Anleger am Dienstag wieder mutiger werden lassen. Somit standen am Rentenmarkt deutsche und US-Staatsanleihen auf den Verkaufszetteln. Dies drückte den Bund-Future um 1,14 Punkte auf ein Sechs-Wochen-Tief von 141,09 Zählern. Entsprechend zog die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen auf 1,793 Prozent von 1,694 Prozent an. So hoch hat die Bundesanleihe zuletzt Ende Juni rentiert. Auch die Renditen der entsprechenden US-Anleihen zogen auf 2,695 von 2,605 Prozent am Vorabend an.

Auslöser der Verkäufe war zunächst der unerwartet starke Anstieg des ZEW-Konjunkturindex. Börsianer erklärten, dass mit den besseren Daten aus der Euro-Zone auch weitere Zinssenkungen im Währungsraum etwas unwahrscheinlicher würden. "Den zunehmenden Konjunkturoptimismus halten wir für gerechtfertigt", erklärte Postbank-Analyst Heinrich Bayer. Die Daten seien ein weiteres Indiz für eine sich abzeichnende konjunkturelle Erholung in Deutschland aber auch der Euro-Zone, stimmt NordLB-Analyst Mario Gruppe zu. "Die Krise ist damit noch nicht vorbei - allerdings mehren sich die Anzeichen, dass die Talsohle durchschritten ist." Die Anleger trauten sich somit wieder, italienische und spanische Staatsanleihen zu kaufen, erklärten Händler. Entsprechend gaben die Renditen beider Länder nach.

Welche Waffen die EZB noch in ihrem Arsenal hat

Ein noch niedrigerer Leitzins

Der Spielraum der EZB beim Leitzins ist inzwischen sehr eng. Er liegt bei 0,15 Prozent. Damit ist das Ende der Fahnenstange praktisch erreicht.

Negativer Einlagezins

Banken können Geld bei der EZB parken, wofür sie in normalen Zeiten Zinsen bekommen. Damit sie das nicht tun, sondern das Geld als Kredite an die Wirtschaft weiterreichen, hat die Zentralbank diese Anlageform unattraktiv gemacht, indem sie den Zinssatz auf null gedrückt hat. Jetzt könnte die EZB noch einen Schritt weitergehen und negative Zinsen einführen.

Ende der Neutralisierung früherer Wertpapierkäufe

Zwischen 2010 und 2012 kaufte die EZB zur Stützung von Griechenland, Irland, Portugal, Italien und Spanien für mehr als 200 Milliarden Euro deren Staatsanleihen. Derzeit schöpft die EZB die Liquidität wieder ab, indem sie den Banken anbietet, in gleicher Höhe Geld bei ihr anzulegen. Die EZB könnte dieses Prozedere abschaffen - was entsprechend dem Restwert der Anleihen etwa 170 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln bringen würde.

Geringere Mindestreserve

Die Banken müssen zur Sicherheit Geld bei der EZB hinterlegen. Diese sogenannten Mindestreserven summieren sich auf etwa 100 Milliarden Euro. Würde die EZB die Anforderungen lockern und beispielsweise nur noch die Hälfte als Sicherheit verlangen, hätten die Banken zusätzlich 50 Milliarden Euro zur Verfügung. Dieses Geld könnten sie als Kredite ausreichen.

Kreditvergabe fördern auf britische Art

Der niedrigste Leitzins nützt nichts, wenn die Banken keine Kredite vergeben. Nach der jüngsten EZB-Umfrage klagt jedes neunte kleine und mittelgroße Unternehmen der Euro-Zone darüber, keinen Zugang zu Bank-Krediten zu haben. Mit einem Trick nach britischem Vorbild könnte die EZB das ändern. Dort können sich Banken für jedes Pfund, das sie kleinen und mittleren Unternehmen zur Verfügung stellen, zehn Pfund zu Vorzugskonditionen bei der Bank of England leihen.

Geringere Sicherheiten

Wenn Banken Geld von der EZB haben wollten, mussten sie bis 2007 Wertpapiere mit Top-Bonität als Sicherheit hinterlegen. Die Anforderungen hat sie seither mehrfach gesenkt - und könnte es weiter tun, um die Institute bei Kasse zu halten. Denn das ist die Voraussetzung für neue Kredite. Die Währungshüter könnten beispielsweise Aktien oder US-Staatsanleihen akzeptieren.

Liquidität für Förderbanken

Die Europäische Investitionsbank (EIB) kann am ehesten die kleineren und mittleren Unternehmen mit Geld versorgen. Seit 2009 kann sich die EIB bei der EZB Geld leihen, um es anschließend weiterzureichen. Die Währungshüter könnten solche Förderbanken mit zusätzlicher Liquidität ausstatten.

Langfristiger Ausblick

Die Kreditzinsen in vielen Krisenstaaten sind noch immer recht hoch. Um sie zu drücken, könnte die EZB nach amerikanischem Vorbild eine lange Niedrigzinsphase ankündigen. Die Federal Reserve hat erklärt, ihren Leitzins bis mindestens Mitte 2015 auf extrem niedrigem Niveau zu halten. Ringt sich die EZB zu einer ähnlichen Aussage durch, könnte dies die Zinsen im längeren Laufzeitbereich drücken.

Eine weitere "Dicke Bertha"

Die EZB hat Ende 2011 und Anfang 2012 die Banken mit zwei dicken Geldsalven von jeweils gut 500 Milliarden Euro geflutet. Draghi hatte diese in Anlehnung an ein deutsches Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg als "Dicke Bertha" bezeichnet. Sie wirkten: Inzwischen zahlen viele Banken bereits wieder schrittweise das Geld zurück, das sie sich damals bei der EZB geliehen haben. Eine Kreditklemme in vielen Südländern gibt es trotzdem, weil dort die Nachfrage der Unternehmen wegen der Krise sehr gering ist und die Banken Geld horten - zum Teil aus Angst, zum Teil wegen der steigenden Kapitalanforderungen der Regulierer. Ob sich die EZB eines Tages dazu durchringt, wie die Bank von England den Banken Geld nur unter der Bedingung zu geben, dass sie es als Kredit an Firmen weiterreicht, bleibt abzuwarten. Das Experiment auf der Insel war nur mäßig erfolgreich. Denn die Notenbank kann Unternehmen nicht befehlen, Kredite zu nehmen und zu investieren.

Wertpapierkäufe

Sollte die Krise wieder eskalieren, bliebe der EZB noch der massenhafte Ankauf von Wertpapieren - beispielsweise von Staatsanleihen oder Bankanleihen. Im Sommer 2012 - auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise - hatte Draghi versprochen, die EZB werde bei Bedarf und unter klar definierten Bedingungen Staatsanleihen von Problemländern kaufen - notfalls in unbegrenzter Höhe. Vor allem hierzulande hat dieses Versprechen der EZB Ärger eingehandelt. Sogar das Bundesverfassungsgericht beschäftigt sich damit, weil die EZB im Fall der Fälle das Verbot der Staatsfinanzierung aus Sicht ihrer Kritiker wohl brechen würde. Bis dato musste Draghi jedoch nicht eine Staatsanleihe kaufen.

Der Anstieg des Einzelhandelsumsatzes im Juli in den USA wurde ebenfalls positiv aufgenommen. Zwar war der Umsatz insgesamt mit 0,2 Prozent nicht ganz so stark wie mit 0,3 Prozent erwartet gestiegen. Doch ohne Auto kletterte der Einzelhandelsumsatz um 0,5 Prozent und damit stärker als mit 0,4 Prozent gedacht. Zudem revidierte das Handelsministerium die Gesamt-Statistik (mit und ohne Autos) für den Juni nach oben.

Damit scheint der Beginn vom Ende der ultralockeren Geldpolitik in den USA laut Händlern wieder etwas näher gerückt. Der Euro rutschte auf 1,3260 Dollar von zuvor knapp 1,33 Dollar ab. Zum Yen stieg der Dollar auf 98,11 Yen von 96,89 Yen am Vorabend.





Von

rtr

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