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17.01.2009

10:24 Uhr

Devisen

Noch regiert der Dollar

VonUdo Rettberg

Der Dollar hat deutlich an Attraktivität verloren. Und das obwohl die US-Devise, analog zur politischen und wirtschaftlichen Vormachtstellung der Vereinigten Staaten, noch immer die mit Abstand wichtigste Währung der Welt ist. Dennoch können US-Aktien auch auf dem derzeitigen Niveau ein durchaus interessantes Investment sein.

Für Anleger der Euro-Zone ist der Dollar mit Vorsicht zu genießen. Foto: ap Quelle: ap

Für Anleger der Euro-Zone ist der Dollar mit Vorsicht zu genießen. Foto: ap

FRANKFURT. Fachleute erwarten wegen der aggressiven Geldpolitik der US-Notenbank Fed, dass der Dollar tendenziell schwächer, aber zumindest nicht stärker wird. Denn die Fed hat die Leitzinsen fast auf null gesenkt, was den Dollar als Anlagewährung unattraktiv macht.

Ökonomen schätzen dass sich der Dollarkurs im Verhältnis zum Euro am Ende des Jahres nur wenig geändert haben wird. Sie erwarten einen Dollarkurs zwischen 1,31 und 1,35 Dollar. Derzeit kostet ein Euro 1,31 Dollar. Allerdings dürften die Kursschwankungen anhalten, was viele Anleger abschreckt.

Risikofreudige Investoren könnten in US-Aktien investieren. Denn geht ein Anleger davon aus, dass ihm im Dollar keine Währungsverluste drohen, dann scheinen US-Aktien auf dem derzeitigen Niveau ein durchaus interessantes Investment zu sein. Eine Umfrage des Handelsblatts unter rund 20 Wall-Street-Analysten ergab, dass diese Fachleute im Schnitt für 2009 einen Anstieg des S&P-500-Aktienindex um 9,6 Prozent erwarten. Allerdings kommt dann zum Wechselkurs- das Aktienkursrisiko.

Banken haben das Instrumentarium für Dollar-Investments stark ausgeweitet. Der Anleger kann neben Dollaraktien und -Anleihen auch mit Zertifikaten, Optionen und strukturierten Produkten auf Veränderungen der Devisenkurse setzen. Zudem gibt es Devisen-Indexfonds (ETF). Von 355 000 derivativen Produkten der Börse Stuttgart haben derzeit 9 936 Währungen als Basiswert.

Einfachstes Dollar-Engagement für Anleger aus der Euro-Zone ist die Eröffnung eines Dollarkontos bei der Bank. Derzeit spricht der Zinsunterschied zwischen dem Euro und dem Dollar jedoch gegen ein solches Investment. In den USA liegen die Zinsen deutlich unter denen in Europa. Allerdings ist der Zins nicht die einzige Bestimmungsgröße für den Kurstrend einer Währung. Denn eine alte Börsenregel lautet: „Nur schwache Währungen müssen hohe Zinsen bieten.“

Über Dekaden hinweg wies der Dollar starke Kursfluktuationen auf. Damit sind Risiken, aber auch Chancen verbunden. Und so haben sich Devisen als eigene Anlageklasse etabliert. „Devisen haben eine nur geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen“, sagen die Fachleute der Deutschen Bank. Das Interesse ist auch deshalb so groß, weil der Devisenmarkt der liquideste Finanzmarkt überhaupt ist. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich schätzt den Tagesumsatz am Devisenmarkt auf rund vier Billionen Dollar.

Der Handel findet im Interbankengeschäft an OTC-Märkten (Freiverkehr) rund um die Uhr statt. Neben dem Kassageschäft werden Devisen als Forwards und Swaps auch auf Termin und in der Form von Optionen und Futures an regulierten Terminbörsen gehandelt.

In einigen Ländern gilt die frei konvertible US-Valuta sogar als inoffizielle Zweit- und Nebenwährung. Obwohl ihm diese Rolle durch die Verschiebung der ökonomischen Kräfteverhältnisse durch Euro und chinesischen Yuan streitig gemacht wird, ist der Dollar bei Devisenmarkt- und Zahlungstransaktionen die Orientierungsgröße schlechthin. Trotz weltweit zunehmender Skepsis ist er weiter die wichtigste Reservewährung. Dazu trägt auch bei, dass die meisten Rohstoffe, etwa Öl, am Weltmarkt in Dollar gehandelt werden.

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