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27.01.2011

10:24 Uhr

"Diaspora-Anleihe"

Athen pumpt reiche Griechen im Ausland an

VonGerd Höhler

Finanzminister Giorgos Papakonstantinou legt einen Spezialbond auf, um die Finanznot seines Landes ein wenig zu verringern. Da bei den Einheimischen nichts mehr zu holen ist, wendet sich Papakonstantinou jetzt an die im Ausland lebenden Griechen.

Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou. Quelle: dpa

Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou.

ATHEN . Knapp elf Millionen Menschen leben im hoch verschuldeten, rezessionsgeplagten Griechenland. Bei ihnen ist für den Athener Finanzminister Giorgos Papakonstantinou nach den massiven Steuererhöhungen und Lohnkürzungen des vergangenen Jahres nicht mehr viel zu holen. Papakonstantinou will deshalb jetzt die Auslandsgriechen anpumpen. Sie sollen eine "Diaspora-Anleihe" zeichnen und so helfen, die Finanznöte der Heimat etwas zu lindern.

"Wir werden diese Anleihe in den nächsten Monaten emittieren", bestätigte Finanzminister Papakonstantinou gestern dem Handelsblatt. "Wir glauben, dass wir damit erfolgreich sein werden", sagte der Minister.

Das Konzept, betuchte Auswanderer anzupumpen, ist nicht neu: Israel begibt seit 1951 fast jährlich eine Diaspora-Anleihe und hat damit bisher rund 31 Milliarden Dollar eingesammelt. Indien konnte mit drei solchen Emissionen seit 1991 rund elf Milliarden Dollar aufnehmen.

Geschätzt fünf bis sieben Millionen Griechen leben im Ausland. Während der beiden Weltkriege wanderten Hunderttausende Hellenen nach Amerika und Australien aus. In den 1960er- und 70er-Jahren zog es sie vor allem nach Deutschland. Sie flohen vor Arbeitslosigkeit und Armut. Jetzt sollen die Nachfahren der Auswanderer helfen, die Heimat aus der Schuldenfalle zu befreien. In Deutschland leben etwa 350 000 Griechen, ebenso viele in Kanada. Rund 700 000 Menschen zählt die griechische Gemeinde in Australien, etwa zwei Millionen sind es in den USA. Die meisten sind gut situierte Mittelständler, einige auch Multimilliardäre wie der Immobilienmogul Alex Spanos oder der Finanzmanager John Calamos. An sie richtet sich die geplante Bond-Emission, an ihren Patriotismus appelliert Finanzminister Papakonstantinou. Die Rechnung könnte aufgehen, weil sich Auslandsgriechen auch noch in der zweiten und dritten Generation sehr eng mit der Heimat ihrer Vorfahren verbunden fühlen.

Offen ist noch, zu welchen Konditionen die Papiere begeben werden. Zur Diskussion stehen Anleihen mit Laufzeiten von bis zu drei Jahren, aber auch drei- bis zehnjährige Bonds. Welchen Koupon Papakonstantinou seinen im Ausland lebenden Landsleuten anbieten kann, ist gleichfalls noch nicht entschieden. Deutlich mehr als der gängige Zins für Dollar-Anleihen wird es wohl sein müssen, aber möglichst weniger als jene fünf Prozent, die Griechenland jetzt im Schnitt für die Hilfskredite der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) zahlen muss. Über die Konditionen wird Athen wohl erst entscheiden, wenn die EU ihr Stützungskonzept für die Euro-Krisenstaaten verabschiedet hat. Es könnte auch niedrigere Zinsen für die bereits zugesagten Griechenland-Kredite beinhalten. Überdies muss die staatliche griechische Schuldenagentur PDMA noch die Zustimmung der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC einholen, bevor die Papiere in den USA gehandelt werden dürfen.

Die geplante Anleihe dürfte nach Einschätzung von Athener Finanzkreisen ein Volumen von etwa einer Milliarde Euro haben. Sie ist damit eher ein symbolischer Beitrag zur Refinanzierung, wenn man bedenkt, dass Griechenland in diesem Jahr Kredite von rund 55,2 Milliarden Euro aufnehmen muss.

Davon kommen 40 Milliarden aus dem Griechenland-Hilfspaket der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF), die Athen im April 2010 Kredite von 110 Milliarden Euro zusagten. Die restlichen 15,2 Milliarden will der Finanzminister mit kurz laufenden Geldmarktpapieren aufbringen - und der Diaspora-Anleihe. Damit würde Griechenland erstmals seit einem Jahr wieder mit länger laufenden Schuldtiteln an den Markt zurückkehren - ein wichtiger Schritt. Spätestens 2012 muss der Athener Finanzminister wieder in größerem Umfang Anleihen begeben müssen. Obwohl: Über die Kreditwürdigkeit das Landes wird die Emission der Diaspora-Bonds keine gesicherte Aussage zulassen, weil sie sich vornehmlich an eher emotional motivierte private Anleger und nicht an institutionelle Investoren richtet.

Kommentare (11)

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norbert

27.01.2011, 12:27 Uhr

Ein Auswanderer sieht auch die Mißwirtschaft in seinem Heimatland und ob er diese zu unterstützen bereit ist, hängt davon ab, ob er zwischen Einwohnern und deren Kultur und den Gschaftlhubern in der Regierung unterscheiden kann.
besser, man gibt das Geld den ehrlichen griechischen bürgern, statt den parasitären beamten, Steuerhinterziehern oder großen Vorsitzenden.

Leertasche

27.01.2011, 12:33 Uhr

PAPPERLAPAPP - GRiECHENLAND iST PLEiTE !
Sagen wir es doch beim Namen: Es ist nicht nur das Eingeständnis der definitiven Pleite. Es ist auch bETTELN in der wohl erniedrigensten staatlichen Wahrnehmungsform.
Der bundesbank kann nur geraten werden, sich an solch einem Schabernack nicht zu beteiligen.
Denn im Artikel ist vergessen worden an die nämliche Situation des deutschen wie griechischen Steuerzahlers, will sagen "Normalsterblichen",
wirklich nichts mehr zu holen ist.
Noch ein Rezessionsschrittchen, dann wird das Stolpern zur besinnung rufen.
GOLD GAb iCH FÜR EiSEN, DASS iCH EiN ESEL WAR, KANN iCH bEWEiSEN !

Morchel

27.01.2011, 14:25 Uhr

@ Deutschland pumpt reiche Griechen an. Merkel ist weg. Das ganze Desaster wird offen gelegt von Kohl/Waigel, Steinbrück/Asmussen, Landesbanken/Staatsschulden und wer davon profitiert hat. Aber wir haben doch alles getan, ihr wollte doch Scaden von uns abwenden. Ja Michel warum sind begabte Menschen Fachkräfte leise gegangen.Wir weinen niemanden eine Träne nach. Das ekelhafte hat einen Namen.

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