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14.01.2005

06:38 Uhr

Wenn US-Fondsmanager Bill Miller spricht, dann horcht die Investorengemeinde auf. Bill Miller, Manager des 16 Mrd. Dollar schweren Legg Mason Value Trust, hat es mit diesem Fonds 14 mal in Serie geschafft, den breit gefassten US-Aktienindex S&P 500 zu schlagen. In dieser Zeit hat er das Vermögen seiner Kunden um 830 Prozent vermehrt. In einem Interview mit dem Wall Street Journal hat er dieser Tage den Online-Händler Amazon als einen Favoriten in seinem Portfolio genannt. Prompt stieg der Kurs der Aktie an jenem Tag um mehr als drei Prozent.

Miller wird ein gutes Gespür für Unternehmen mit Zukunft nachgesagt. Mit dem Geschäftsmodell des Online-Händlers begründet er denn auch seine Wahl. Amazon schaffe es, riesige Einnahmeströme zu erzeugen, schaffe systematisch den Eintritt in neue Produkt-Kategorien und Regionen. Und als Niedrigpreis-Anbieter erziele Amazon eine hervorragende Kundenzufriedenheit. Auch sei Amazon kein typischer Einzelhändler – das Unternehmenskonzept sei eher mit dem eines Direktvertriebs zu vergleichen, wie es auch der Computerhersteller Dell für sich entwickelt habe.

Viel zu sehr blickten Anleger auf glanzvolle Namen wie Ebay oder Google. Amazon werde dabei übersehen, sagt Miller. Tatsächlich hat Amazon, gemessen an der astronomischen Bewertung etwa von Google, einen einigermaßen akzeptablen Preis. Der Börsenwert beträgt mit rund 17 Mrd. Dollar das 2,8-fache des Umsatzes von 2003. Dagegen hat Google mit einem Marktwert von 53 Mrd. Dollar bereits das 36-fache seines Jahresumsatzes erreicht. Der Online-Flohmarkt Ebay steht mit einem Kapitalwert von 71 Mrd. Dollar bei dem 32-fachen seines Umsatzes.

Keine Frage: Für reine Wertinvestoren ist die Amazon-Aktie nichts. „Diese Aktie erscheint bei uns überhaupt nicht auf dem Radarschirm“, sagt der Düsseldorfer Vermögensverwalter und Wertinvestor Frank Lingohr, der mit seinem Systematic BB-Invest Fonds ebenfalls den Index geschlagen hat und mit einer Wertentwicklung von 13,5 Prozent im Jahr 2004zu einem der Topinvestoren Deutschlands zählt.

Ein Schnäppchen ist Amazon aber auch für wachstumsorientierte Investoren nicht. Nach einer Kursrally von 27 Prozent innerhalb der vergangenen zwei Monate sei das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 32, bezogen auf die geschätzten Gewinne von 2005, sei schon bedenklich hoch, warnt Analyst Lanny Baker von der Citigroup, die Amazon kürzlich auf „Verkaufen“ herabgestuft hat. Ihr Argument, Amazon könne der allgemeinen Expansion des Internet-Handels sogar hinterherhinken leuchtet ein. Besonders rasch ist im Heimatmarkt USA in jüngster Zeit der direkte Online-Handel mit Kaufhäusern und Ladenketten gewachsen. Sie dürften sich eine höhere Rate des auf 20 Prozent geschätzten Gesamt- Wachstums im E-Commerce sichern und Amazon auf Plus von nur noch 15 bis 18 Prozent drücken. Um im Geschäft zu bleiben, muss Amazon obendrein mehr Geld für Werbung und Investitionen ausgeben, was die Kosten treibt. Das Kursziel von 40 Dollar, das Baker setzt, klingt realistischer als die „Mitfünfziger“- Marke, die Miller erwartet.

Kein Zweifel, Amazon ist und bleibt eine Erfolgsstory. Mit weltweit 80 Millionen Kunden ist der Händler Marktführer im Internet. Längst hat er es geschafft, sich neben dem Buchhandel auch zum führenden Online-Musikladen, Videohändler und Spielwarengeschäft zu etablieren. Nur die Aktie ist nur schon ziemlich teuer. Anleger sollten sich daher nicht von der Meinung eines Stars blenden lassen – zumal auch ein Bill Miller nicht nur Glückssträhnen hat. Mit seinem Investment in Energiewerte Anfang 2004 hat er danebengegriffen. Und wäre nicht die Rally von Werten wie Amazon kurz vor Jahresschluss gewesen, hätte ihn der S&P 500 diesmal geschlagen.

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