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19.08.2015

15:04 Uhr

Die Fed und die Staatspapiere

Keine Angst vor dem Anleihen-Dilemma

Investoren blicken sorgenvoll auf die USA. Was kommt nach dem Ende des 2,46 Billionen Dollar schweren Anleihen-Programms der Fed? Die erleichternde Antwort: Sie werden von dessen Ende kaum etwas bemerken.

Was passiert mit den Märkten, wenn die Fed sich von ihren gehorteten US-Staatsanleihen trennen würde? Wenig, meinen führende Finanzexperten. ap

Die Angst der Investoren

Was passiert mit den Märkten, wenn die Fed sich von ihren gehorteten US-Staatsanleihen trennen würde? Wenig, meinen führende Finanzexperten.

DüsseldorfIrgendwann, nach dem Beginn der viel diskutierten Zinserhöhungen, will die amerikanische Zentralbank ihre Anleihebestände wieder abbauen. Die Befürchtung vieler Anleger dabei: Mit dem Ende der lockeren Geldpolitik könnten die die Kreditkosten dann schlagartig in die Höhe schnellen.

Im nächsten Jahr werden von der Fed gehaltene Staatsanleihen im Volumen von 216 Milliarden Dollar fällig. Doch selbst wenn die Fed sie nicht durch neue Paiere ersetzt, wird dies die Renditen kaum beeinflussen, wie die Investmentbank JPMorgan errechnete. Dafür hat die Bank die Bewegungen während des Fed-Bondkauf-Programms analysiert.

„Es würde sich nicht auswirken, und das ist neu“, sagt Lou Crandall, Chef-Volkswirt der Analysefirma Wrightson ICAP, die auf Fed-Politik und Staatsanleihen-Finanzierung spezialisiert ist. Es entstünden keine Folgekosten.

Das wäre die jüngste Überraschung in einem Markt, der die besten und schlauesten Köpfe der Wall Street weiter verblüfft. Immer wieder haben sie ein Ende des Bullenmarktes bei den Anleihen vorhergesagt – und lagen damit stets daneben.

Nicht nur für Investoren ist die Höhe der Renditen wichtig, sie ist auch entscheidend für die US-Regierung und die Finanzierung der Staatsverschuldung, die sich seit der Kreditkrise auf 18 Billionen Dollar mehr als verdoppelt hat. Die Auswirkungen sind jedoch bei Regierungen, Unternehmen und Verbrauchern weltweit zu spüren, da amerikanische Staatsanleihen als Benchmark für Billionen Dollar an Verbindlichkeiten rund um den Erdball dienen.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Die Fed beendete ihr - auch unter der Bezeichnung quantitative Lockerung (QE) bekanntes - Anleihen-Kaufprogramm im Oktober 2014. Das Volumen der Bestände wurde jedoch aufrechterhalten, indem die Mittel fälliger Papiere reinvestiert wurden. In den vergangenen fünf Jahren wurden von der Zentralbank allein in US-Staatsanleihen so fast 200 Milliarden Dollar reinvestiert.

Volkswirte rechnen damit, dass die Fed die Leitzinsen vor dem Jahresende anhebt und die Mittel einiger im ersten Halbjahr 2016 fällig werdender Papiere nicht im Bondmarkt reinvestiert. Neben den Staatsanleihen hat die Notenbank auch 1,73 Billionen Dollar an mit Hypotheken unterlegten Wertpapieren aufgekauft und hält mittlerweile Bonds im Volumen von 4,2 Billionen Dollar.

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