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28.01.2004

07:12 Uhr

Die unkonventionellen Methoden von BB Biotech

Normal ist anders

VonChristian Schnell

Normalerweise schütten Unternehmen dann eine Dividende an ihre Aktionäre aus, wenn das abgelaufene Jahr gut gelaufen ist. Nicht so BB Biotech. Die Schweizer Beteiligungsgesellschaft schüttet künftig dann eine Dividende aus, wenn es für die eigene Aktie längst nicht so gut aussieht, wie es eigentlich sollte.

FRANKFURT. Kopfschüttelndes Unverständnis ist trotzdem nicht angebracht. Schließlich hat das zweitgrößte TecDax-Unternehmen nach T-Online seit Anfang des Jahres 2000 ein ernstes Problem: Der Börsenwert seiner Beteiligungen unterscheidet sich krass vom Wert der eigenen Aktien.

Was sich in den Neunzigern jahrelang in einer Bandbreite zwischen fünf Prozent und zehn Prozent darüber oder darunter abspielte, eskalierte in der Boomphase des Neuen Marktes. Plötzlich lag der Börsenwert der BB Biotech-Aktie beinahe 50 Prozent über dem der Beteiligungen. Umgekehrt waren es im ersten Quartal des abgelaufenen Jahres rund 30 Prozent weniger. Die dauerhafte Rückkehr in eine Range unter zehn Prozent ist deshalb spätestens seither erklärtes Ziel. Schließlich schreckte das Discount-Problem konservative Großanleger wie Pensionsfonds ab.

Die sollen aber nun gerade geködert werden. Dafür wurde ein ausgeklügeltes Modell entworfen, wie es bislang in der Beteiligungsbranche neu ist. Das geht wie folgt: Beträgt der durchschnittliche Abschlag zwischen dem Börsenwert der BB Biotech-Aktien und dem Wert der Beteiligungen innerhalb eines Jahres fünf bis zehn Prozent, so werden künftig ein Prozent davon an die Aktionäre ausgezahlt. Bei einer Differenz von zehn bis 15 Prozent steigert sich diese Summe auf zwei Prozent, bis 20 Prozent sind es drei Prozent und darüber vier Prozent. Für das abgelaufene Jahr soll so bereits eine Dividende von drei Prozent ausgezahlt werden, was derzeit 1,60 Euro wäre und einer Dividendenrendite von etwa 3,8 Prozent entspräche. Vorausgesetzt die Generalversammlung – so heißen Hauptversammlungen in der Schweiz – stimmt dem zu.



Damit befände sich BB Biotech ganz weit oben in der Rangliste der Dividendenzahler. Hier zu Lande locken Namen wie Eon oder RWE derzeit „nur“ mit 3,3 Prozent. Der Krösus ist die IKB mit 4,15 Prozent.

Die Ansage an die konservative Klientel ist klar: „Bei einem deutlichen Discount bekommt ihr immer noch eine satte Dividende. Sollte sich der Discount verringern, profitiert ihr vom gestiegenen Aktienkurs und seit auf eine hohe Dividende nicht mehr angewiesen.“ Um die günstige Entwicklung des eigenen Aktienkurses zu unterstützen, bedient sich BB Biotech noch eines weiteren Tricks. Bis zu zehn Prozent der ausstehenden Aktien sollen zurückgekauft und vernichtet werden. Die Aussage ist auch klar: Weniger Angebot führt bei gleicher Nachfrage zu steigenden Kursen.

Die Frage ist nun, ob es dem Management damit gelingt, das leidige Thema Discount langfristig wieder in vernünftige Bahnen zu lenken. Denn das versucht BB Biotech bereits zum zweiten Mal. Dem ersten Anlauf im Herbst 2003 war kein Erfolg beschieden. Da sollten Discount- Arbitrageure – Investoren, die bei unterbewerteten Titeln einsteigen – für die Aktie gewonnen werden. Die Arbitrageure stiegen zwar bei einer Unterbewertung von 20 bis 30 Prozent ein, verabschiedeten sich aber bei 14 Prozent wieder. Der Effekt, den sie auslösten, war bestenfalls kurzfristig. Gewonnen haben am Ende nur sie. Die BB Biotech-Aktie wies zuletzt wieder einen Discount von 18 Prozent auf.

Nun wird also langfristig gedacht. Das Management beweist damit, dass es ihm ernst ist, das leidige Discount-Problem zu beseitigen. Ob es gelingt, könne die Anleger unter www.bellevue.ch verfolgen.

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