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30.10.2015

13:26 Uhr

Dieselgate und Finanzierung

Profi-Anleger bestrafen Volkswagen

Volkswagen sammelt häufig Geld an den Kapitalmärkten für seine Finanzsparte ein. Jetzt hat der Konzern zum ersten Mal seit dem Beginn des Emissionsskandal die Märkte angezapft. Und musste mehr zahlen als die Konkurrenz.

Über Verbriefungen beschafft sich Volkswagen regelmäßig Geld für seine Finanzsparte. AFP

Rallyefahrzeug

Über Verbriefungen beschafft sich Volkswagen regelmäßig Geld für seine Finanzsparte.

FrankfurtZum ersten Mal seit Bekanntwerden vom Skandal um manipulierte Abgaswerte in den USA hat sich Volkswagen an den Kapitalmarkt gewagt. Über verbriefte Wertpapiere (Asset Backed Securities – ABS) holte sich die VW-Tochter Volkswagen Financial Services knapp 860 Millionen Euro. Das Papier war gefragt, aber dafür muss VW den Investoren im Vergleich zur Konkurrenz auch einiges bieten. Die mit den besten Bonitätsnoten ausgestattete Risikoklasse der Verbriefung, die den Löwenanteil der Transaktion ausmacht, verzinst sich mit gut einem halben Prozent. Die voraussichtliche Laufzeit der ABS liegt bei gut einem Jahr.

Die Zinsen bei Verbriefungen sind stets variabel und bieten eine Aufschlag zum Interbankensatz Euribor. Der einmonatige Euribor liegt aktuell bei minus 0,1 Prozent. Der Aufschlag der VW ABS beträgt 0,62 Prozentpunkte über Euribor. Einen so hohen Zuschlag musste VW für eine Verbriefung seit dem Jahr 2011 nicht mehr bezahlen. Bei ABS von anderen Auto-Konzernen liegt der Aufschlag bei 0,4 Prozentpunkten. „Der Preis ist schockierend“, sagt Ruben Van Leuwen, Analyst bei der niederländischen Rabobank.

ABS sind Anleihen, bei denen Unternehmen Forderungen aus ihrer Bilanz ausgliedern und als Sicherheit für Anleihen hinterlegen. Sie werden in verschiedenen Risikoklassen aufgelegt. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 ist diese Art der Refinanzierung eingebrochen. Viele Investoren haben sich aus dem Markt zurückgezogen, weil sie mit Verbriefungen, die mit schwachen US-Hypothekenkrediten unterlegt waren, die dann reihenweise ausfielen, Schiffbruch erlitten. In Europa sind jedoch nur sehr wenige ABS tatsächlich ausgefallen. Von daher verlangen Investoren prinzipiell für Verbriefungen nur niedrige Risikoaufschläge. Verbriefungen sind somit für Unternehmen die günstigste Art, um an Geld zu kommen.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

VW galt im Markt  bislang als absoluter Premiumanbieter mit sehr transparent strukturierten Verbriefungen, der nur sehr wenig Rendite bieten musste. Bei einer ganz ähnlich strukturierten Transaktion wie jetzt kam VW im April mit einem Aufschlag von nur 0,2 Prozentpunkten davon. VW hat insgesamt ABS im Umfang von 23 Milliarden Euro ausstehen und ist damit der größte ABS-Anbieter in Deutschland. Auch die aktuelle Transaktion trägt das Gütesiegel von der deutschen Verbriefungsinitiative TSI.

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