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18.06.2012

16:23 Uhr

Dirk Müller im Interview

„Der Euro ist die falsche Währung“

VonJörg Hackhausen

ExklusivGriechenland wird aus dem Euro austreten. Davon ist Dirk Müller, bekannt als „Mister Dax“, überzeugt. Im Interview erklärt er, warum die meisten Länder mit dem Euro überfordert sind und wie es mit der Währung weitergeht.

Dirk Müller, der ehemalige Börsenmakler wurde bekannt als "Mister Dax". Heute schreibt er Bücher, hält Seminare und tritt in Talkshows auf. Bert Bostelmanm für Handelsblatt

Dirk Müller, der ehemalige Börsenmakler wurde bekannt als "Mister Dax". Heute schreibt er Bücher, hält Seminare und tritt in Talkshows auf.

Herr Müller, nach der Wahl in Griechenland geht es an den Börsen aufwärts. Warum sind die Investoren erleichtert?

In der vergangenen Woche wurde so viel Panik geschürt. Man hätte meinen können, dass am Sonntag die Welt untergeht. Deshalb hat das Wahlergebnis heute kurzfristig für Erleichterung an den Märkten gesorgt. Allerdings kehrt jetzt schon wieder Ernüchterung ein. Und das ist auch kein Wunder.

 

Was ändert sich durch die Wahl?

Gar nichts. Wir haben die gleichen unfähigen Politiker wie vorher. Und es nicht mal sicher, ob die überhaupt eine Koalition bilden können. Und selbst wenn - an den Problemen des Landes ändert sich dadurch nichts. Die Situation in Griechenland ist inzwischen so verfahren. Die Wirtschaft ist total im Keller. Die Finanzlage ist viel dramatischer, als noch vor zwei Monaten zu befürchten war.

 

Wird Griechenland im Euro bleiben?

Griechenland wird austreten. Aus wirtschaftlicher Sicht bleibt gar nichts anders übrig. Das wissen auch die Verantwortlichen. Ich bin mir gar nicht sicher, ob Merkel so glücklich über den Ausgang der Wahl ist. Vielleicht wäre sie glücklicher gewesen mit einem Wahlsieg der Linken und dem unmittelbaren Austritt aus dem Euro. Dann hätte man sagen können: Wir haben es endlich hinter uns. Stattdessen geht das Geeiere jetzt noch ein paar Wochen und Monate weiter. Am Ende kommt sowieso der Austritt.

Stimmen zur Griechenland-Wahl

Guido Westerwelle, Außenminister

„Die Reformen müssen jetzt ohne Abstriche weitergeführt werden. Die Vereinbarungen stehen nicht zu Disposition. Europa kann nicht nur an zu wenig, sondern auch an zu viel Solidarität scheitern.“

Mario Monti, italienischer Staatspräsident

„Der Sieg der konservativen Neuen Demokratie ist für die Zukunft Europas und der Eurozone gut. Jetzt müsse aber schnell eine Regierung gebildet werden.“

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank

„Der Euro wird überleben, weil die politischen und wirtschaftlichen Eliten von seiner Weiterexistenz abhängen. Aber vermutlich wird Griechenland der Währungsunion in fünf Jahren nicht mehr angehören. Die verbliebene Währungsunion wird zu einer Transfer- und Haftungsunion mutiert sein. Wirtschaftlich schwache Länder, die sich mehrheitlich Reformen verweigern, werden auf Kosten wirtschaftlich stärkerer Länder leben.“

Jürgen Pfister, Chefsvolkswirt der BayernLB

„Griechenland muss nach den bisherigen Troika-Plänen weitere Haushaltskürzungen in Höhe von 11,5 Milliarden Euro beschließen. Angesichts dieser Einschnitte ist allerdings nicht gewährleistet, dass der von der Troika vorgezeichnete Weg erfolgreich fortgesetzt werden kann. Mit dem Wahlsieg der Reformbefürworter ist somit zunächst Zeit gewonnen. Eine erneute Umschuldung der Staatsschuld und/oder ein Austritt aus der Währungsunion sind wohl nur durch anhaltende, umfangreiche Transferzahlungen zu verhindern.“

Heino Ruland, Ruland Research

„Dieses Wahlergebnis ist das Worst-Case-Szenario. Denn dadurch wird ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone nur hinausgezögert. Langfristig wird der Euro zu einer Schwach-Währung, weil es Transfer-Zahlungen geben wird. Für die Aktien wäre dies positiv, denn bei einer Abwertung des Euro steigt die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.“

Jürgen Kurz, Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW)

„Griechenland wird im Euro bleiben. Zum einen wäre ein Ausstieg der Griechen nicht nur für Griechenland eine ökonomische Katastrophe. Zum anderen wäre ein Ausstieg deutlich teurer als der Verbleib der Griechen im Euro. Ich gehe davon aus, dass der Euro aus der aktuellen Krise gestärkt hervorgehen wird. Voraussetzung ist allerdings, dass die Geburtsfehler der Währung endlich beseitigt werden. Hierzu gehört der Aufbau einer gemeinschaftlichen Wirtschafts- und vor allem Finanzpolitik.“

Michael Reuss, Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen

Griechenland hat im Euro keine Chance zu gesunden. Griechenland braucht ein Ventil um wieder wettbewerbsfähig zu werden und das kann in dem Fall, weil der „Point of no return“ bereits überschritten ist, nur noch eine abwertende Währung sein. Aus unserer Sicht wird Griechenland in den nächsten 12 Monaten aus dem Euro ausscheiden. Den Euro wird es in fünf Jahren noch geben, weil er politisch gewollt ist. Er wird aber ein anderes Gesicht haben. Der Euro wird weniger Teilnehmer haben und tendenziell etwas schwächer sein.

Anita Paluch, Gekko Global Markets

Da sich Griechenland nun einem Verbleib in der Euro-Zone verschrieben hat, atmen die Märkte durch, da das Untergangsszenario abgewendet wurde. So sehr der Wahlausgang auch die Furcht vor einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone gedämpft hat, so zurückhaltend ist der Optimismus. Griechenland ist noch nicht über den Berg. Darüber hinaus gibt es neben Griechenland auch noch andere Faktoren, wie die steigenden Finanzierungskosten in Italien und Spanien.

Roger Peeters, Close Brothers Seydler

„In den vergangenen Wochen ist Angela Merkel mehr und mehr zum Feindbild geworden, aber ihr Verlangen nach einer soliden Haushaltspolitik kommt der nächsten Generation in ganz Europa zugute. Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass das Wirtschaftswachstum in Südeuropa in Schwung kommt. Mit dem Wahlergebnis in Griechenland ist eine konstruktive Debatte möglich. Die Märkte dürften optimistisch in die neue Woche starten.“

Manfred J.M Neumann, Ökonom und Währungsexperte

„Dass Griechenland im Euro bleibt ist unrealistisch. Ein wirtschaftlicher Aufstieg ist ohne eine Abwertung um etwa 30 Prozent nicht denkbar. Den Euro wird es auch in zwanzig Jahren noch geben. Allerdings lässt sich nicht von der Hand weisen, dass das eine oder andere südeuropäische Land ebenfalls den Euro verlassen wird. Das würde den Euro nicht schwächen und wäre auch nicht als Scheitern Europas zu werten. Es würde zu realistischeren und damit stabileren Währungsrelationen in Europa führen.“

Alfred Roelli, Chefanlagestratege Pictet

Das Risiko, dass Griechenland den Euro verlässt, bleibt hoch. Die Chance, dass Griechenland in der Euro-Zone verbleibt, schätzen wir etwas höher ein als jene eines Austritts. Den Euro wird es auch in fünf Jahren noch geben. Dies allerdings nur, wenn stärker zentralisiert wird und die Überwachung der Mitglieder intensiviert wird. Wir sind weiterhin der Meinung, dass eine vernünftig aufgesetzte Eurobond-Struktur Teil der Lösung sein wird. Leider wird die Diskussion der Euro-Bonds dogmatisch und ideologisch geführt.

Warum sind Sie da so sicher?

Griechenland ist mit der falschen Währung gesegnet. Mit dem Euro können die Griechen niemals auf eigenen Füßen stehen - egal, was sie machen. Wir können ihnen noch fünfmal die Schulden erlassen, ohne dass sich etwas ändert. Die Währung, mit der die Griechen jetzt bezahlen, ist viel höher, als die Volkswirtschaft verkraften kann. Stellen wir uns vor, wir hätten in Deutschland eine Währung, die von heute auf morgen um 100 Prozent aufwerten würde – unser Export würde zusammenbrechen. Genau das ist in Griechenland passiert.

 

Und das wäre mit der Drachme besser?

Griechenland muss entweder seine Leistungsfähigkeit an die Währung anpassen. Dazu müssten  die Preise und Löhne flächendeckend um die Hälfte sinken – was unmöglich durchsetzbar ist. Oder die Griechen müssen ihre Währung an die Leistungsfähigkeit anpassen. Das heißt: Sie müssen raus aus dem Euro und eine eigene Währung einführen. Diese würde – gemessen an der Leistungsfähigkeit – um 60 Prozent abwerten. Aber zumindest hätte Griechenland dann auf lange Sicht wieder eine Perspektive, international wettbewerbsfähig zu werden.

 

Kommentare (91)

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alles_Mueller_oder_was

18.06.2012, 16:26 Uhr

Wenigstens nicht die Meinung eines größenwahnsinnigen, DEUTSCHEN, ideologievergifteten Politikers. Das tut so gut!

Vigilante

18.06.2012, 16:35 Uhr

Die "Vereinigten Staaten von Europa" wird es nicht geben. Wer will ein Gebilde wie Ex-Jugoslawien? Oder einen gescheiterten Vielvölkerstaat wie die untergegangene USSR? Die Bevölkerungen der europäischen Nationalstaaten wollen das nicht.

Also: Zurück zur EWG. Allerdings sind die Kosten dieses "politischen Projekts" hoch, es ist der deutsche(!) Staatsbankrott.

Die verantwortlichen deutschen Politiker gehören vor Gericht gestellt wegen HOCHVERRAT! Das wird auch kommen, wenn der einfache Deutsche selbst dem kühnsten Lügen, Täuschen und Tricksen der deutschen Schäubles, Trittins, etc. auf die Schliche gekommen ist.

bjarki

18.06.2012, 16:50 Uhr

Herr Mueller bestaetigt, dass es nicht nur ueberhebliche Deutsche gibt, er zeigt auf das am Deutschen Wesen die Welt eher krank wird, als genesen wird. wir haben in Europa ein Akademiker Problem. Praxisferne Technokraten regieren schon lange, viel zu langedie Parlamente. Frage: was macht eine Merkel als Wissenschaftler, im Amte des Bundeskanzlers. Richtig, das meiste grottenfalsch. Sie ist nicht besser als ein LKW Fahrer, der morgen Ihren Airbus zum erstenmal nach Lanzarote fliegt. Mit Ihnen als Passagier. Das muss schiefgehen.

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