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17.04.2015

15:37 Uhr

Dollar-Mangel

Staat beschneidet Venezolanern die Urlaubskasse

Venezuelas Regierung macht die Urlaubsausgaben ihrer Landsleute zur Staatssache. Wer ins Ausland reisen möchte, darf demnach nicht mehr als 700 Dollar auf seiner Kreditkarte haben. Gläubiger freuen sich über den Schritt.

Die Lage des Staates Venezuela ist verzweifelt. Um die knappen Devisenreserven beisammen zu halten, müssen die Bürger nun selbst im Urlaub den Gürtel enger schnallen. dpa

Venezuela

Die Lage des Staates Venezuela ist verzweifelt. Um die knappen Devisenreserven beisammen zu halten, müssen die Bürger nun selbst im Urlaub den Gürtel enger schnallen.

In den Urlaub zu fahren bedeutet für die meisten wohl, sich etwas zu gönnen. Wieviel Geld dabei den Besitzer wechselt, ist Privatsache. Nicht so in Venezuela. Dort ist die Urlaubskasse der Bürger sehr wohl Angelegenheit des Staates. Nach Angaben des Finanzministeriums dürfen venezolanische Bürger, die in bestimmte Länder reisen, ihre Kreditkarten nun nur noch bis zu einem Höchstbetrag von 700 Dollar nutzen. Zuvor hatte die Grenze bei 2500 Dollar gelegen.

Die Entscheidung hat zum Ziel, dem chronischen Dollar-Mangel in Venezuela entgegenzuwirken. Denn nachdem der Ölpreis seit Juni um mehr als 50 Prozent gefallen ist und das Land in einer Rezession feststeckt, versucht Präsident Nicolás Maduro verzweifelt, die Finanzen seines Landes zu stärken und damit letztlich einen Zahlungsausfall zu verhindern. Die Begrenzung der im Ausland verwendeten Urlaubsgelder spart dem Staat nach Berechnungen von Barclays rund 2,8 Milliarden Dollar.

Risiken und Nebenwirkungen von Hochzins-Anleihen

Was passiert, wenn Zinsen niedrig bleiben

Hochzinspapiere erscheinen relativ attraktiv, da finanzstarke Emittenten nur extrem niedrige Zinsen zahlen. Gerade schwach beleumundete Schuldner sind auf steigende Preise für ihre Produkte angewiesen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Signalisieren die Niedrigzinsen gar eine Phase fallender Preise (Deflation), steigt das Pleiterisiko erheblich.

Was tun wenn die Zinsen niedrig bleiben

Unternehmensanleihen im Rahmen der Streuung des Depots beimischen. Deutet sich eine Phase fallender Güterpreise an, sollten Anleger ihre Hochzinsanleihen verkaufen und keine Neuengagements eingehen.

Was passiert wenn die Zinsen steigen

Bei steigenden Zinsen bieten Hochzinspapiere und Schrottbonds etwas Schutz vor sehr hohen Kursverlusten, weil sie einen relativ hohen Kupon bieten. Allerdings kommen lang laufende Papiere spätestens dann unter Druck, wenn sich neue Papiere gut beleumundeter Schuldner im Zins den Kupons alter Schrottbonds deutlich annähern.

Was tun wenn die Zinsen steigen

Papiere mit einer Bonität knapp unterhalb der Investitionsklasse mit einer Laufzeit bis zu rund vier Jahren sind attraktiv. Allgemeine Konjunktur- und Branchenprobleme oder individuelle Fehlgriffe des Managements bedrohen Hochzinsbonds generell.

Fazit

In Phasen halbwegs erträglicher Konjunktur und fallender Zinsen sind Hochzinsbonds gut geeignet. Diese Kombination dürfte es aber in den kommenden Jahren kaum noch geben.

Was die Urlauber ärgert, freut die Investoren. „Was hier am Wichtigsten ist, ist die Signalwirkung”, erklärt etwa Francisco Ghersi von Knossos Asset Management. „Sie werden alles tun, um ihre Zahlungen zu leisten.”

Wie viel die Reisenden ausgeben dürfen, ist genau geregelt. Sie können die 700- Dollar-Autorisierung für Reisen in Länder wie die USA, Aruba, Belize, Kolumbien und Mexiko nutzen. Für Trips zu anderen Zielen, etwa nach Argentinien oder Bolivien, gilt eine Grenze von 1500 Dollar. Und wer nach Afrika, Asien, Europa oder Ozeanien fährt, kann 2000 Dollar ausgeben.

Barclays-Analysten zufolge wird Venezuela damit für Auslandsreisen pro Jahr wahrscheinlich weniger als eine Milliarde Dollar vorhalten müssen, verglichen mit 3,8 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Die Ersparnis sei „eine nicht zu vernachlässigende Summe, die notwendige Entlastung für Venezuelas knappen Cashflow bringen könnte”, schrieben sie.

Das Geld braucht das Land dringend, um seine Schulden zu bedienen. Venezuela muss im Oktober und November insgesamt 5,2 Milliarden Dollar auf Anleihen zahlen - darunter auch solche, die vom staatlichen Ölkonzern Petroleos de Venezuela begeben worden sind. Unterm Strich verfügt das Land über Devisenreserven von 20,2 Milliarden Dollar. In den Jahren 2016 und 2017 werden 20,3 Milliarden Dollar an Zahlungen fällig, rechnet JP Morgan Chase vor.

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Russland, Ukraine, Argentinien – Krisen gibt es wahrlich genug. Die schlechtesten Bonds der Welt kommen jedoch aus Venezuela. Die Rating-Agentur Moody's warnt jetzt sogar vor einer Staatspleite.

Die Ersparnis, die über die Urlauber eingeholt wird, könnte sich als ein Tropfen auf dem heißen Stein erweisen. Denn das Risiko, dass Venezuela das Geld für Zahlungen an Bonds- Gläubiger ausgeht, bleibt bestehen, warnt Risa Grais-Targow von Eurasia Group. Eine stark anziehende Inflation und die wirtschaftlichen Belastungen würden die Unterstützung für Präsident Maduro schwinden lassen. „Zwar werden die Schritte der Regierung helfen, ein Kreditereignis in 2015 zu vermeiden, aber es bleibt ein signifikantes Risiko für 2016” - und das mit einer Wahrscheinlichkeit von über 60 Prozent.

Laut Jane Brauer, Strategin bei Bank of America, könnte der Druck auf Venezuelas Bonds weiter nachlassen, falls es dem Land gelingt, eine Einigung mit Jamaika zu Zahlungen für Öllieferungen zu erzielen oder Zentralbank-Gold in Barmittel zu tauschen - Maßnahmen, die die Fähigkeit des Landes stärken würden, seine Schulden zu begleichen.

Francisco Ghersi verweist zudem auf Spekulationen, dass Venezuela die Laufzeiten von Anleihen nach hinten schieben könnte, indem Papiere mit kürzeren Laufzeiten in Bonds mit späterer Fälligkeit getauscht werden. Gerüchte über solche Schritten hätten bereits venezolanische Kurzläufer beflügelt. „Das Risiko eines Zahlungsausfall würde auf kurze Sicht signifikant, wovon die gesamte Kurve profitieren würde”, so der Analyst.

Kommentare (1)

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Herr Peter Spiegel

17.04.2015, 16:18 Uhr

Ein Blick in die europäische Zukunft, 700 Dollar scheint mir allerdings etwas hoch
für EU-Verhältnisse. Die Venezolaner haben Öl aber wir ?

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