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21.03.2013

15:35 Uhr

Drohende Staatspleite

Zypern sorgt für Inflation bei russischen Kreditausfallswaps

Die drohende Zypern-Pleite treibt die Preise für russische Kreditausfallversicherungen. Grund dafür sind die rund 31 Milliarden Dollar, die Russen bei Zyperns Banken geparkt haben – darunter sind viele Staatspapiere.

Die drohende Zypern-Pleite treibt die Preise für russische Kreditausfallswaps . dpa

Die drohende Zypern-Pleite treibt die Preise für russische Kreditausfallswaps .

Absicherungen gegen einen Zahlungsausfall bei russischen Staatsanleihen sind so teuer wie seit vier Monaten nicht mehr. Die Ungewissheit im Zusammenhang mit Zypern lässt Investoren um Milliarden-Beträge bangen.

Die Kreditausfallswaps für fünf Jahre stiegen seit dem 15. März um 17 Basispunkte auf 157 Basispunkte. Der Aufschlag gegenüber Kreditausfallabsicherungen für polnische Staatsanleihen weitete sich auf 70 Basispunkte aus - die größte Differenz seit 2009, wie Daten von Bloomberg zeigen. Und die Rendite der russischen Dollar-Bonds mit Fälligkeit 2030 erhöhte sich am Donnerstag den vierten Tag in Folge.

“Der Anstieg bei den russischen Kreditausfallswaps steht zweifellos in Zusammenhang mit der Krise um Zypern”, schrieb Ivan Guminov, Vermögensverwalter bei Ronin Trust in Moskau am Mittwoch per E-Mail. “Natürlich nehmen die Risiken zu. Wenn Zypern auf unkontrollierte Weise Pleite geht, dann wird eine erhebliche Zahl russischer Emittenten leiden - vor allem die Banken.”

Die gebrochenen Versprechen der Euro-Retter

Keine Finanzhilfe für Griechenland

„Hilfe steht nicht auf der Tagesordnung, denn Griechenland sagt selbst, dass es im Augenblick keine Hilfe braucht."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21. März 2010

Ende April beantragt Griechenland offiziell Finanzhilfe, im Mai beschließen die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) das erste Griechenlandpaket.

Keine dauerhaften Rettungsschirme

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 24. Juli 2010

Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (ESFS) ist zwar zeitlich befristet, aber die Euro-Finanzminister einigen sich Anfang 2012 auf den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Kein griechischer Schuldenschnitt

„Ich werde langsam müde, diese Gerüchte immer wieder zu dementieren."
Griechenlands früherer Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am 18. April 2011

Im Oktober beschließen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone einen Schuldenschnitt für Griechenland: Private Gläubiger und Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen.

Das Volumen der Rettungsschirme

„Wir haben jetzt ein Land unter dem Schirm, das ist Irland. Und damit ist das Volumen noch weit davon entfernt, ausgeschöpft zu sein."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. Januar 2011

Im April 2011 stellt Portugal Antrag auf Hilfe. Es wird klar, dass die bisher hinterlegten Bürgschaften nicht ausreichen, um die Kredite zu den gewünschten Zinskonditionen zu beschaffen. Im Juni beschließt die Euro-Zone, den EFSF auf 780 Milliarden Euro aufzustocken, durch den sogenannten Hebel wird das Volumen im Oktober auf mehr als 1000 Milliarden Euro erhöht.

Keine Haftungsunion

„Eine gesamtschuldnerische Haftung wird es nicht geben, solange ich lebe."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26. Juni 2012

Im Oktober 2012 schlägt die Troika aus EU, EZB und IWF den Finanzministern der Euro-Zone einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor: Auch die öffentlichen Gläubiger sollen Athen nun einen Teil ihrer Forderungen erlassen. Damit würde die Rettung Griechenlands erstmals die deutschen Steuerzahler wirklich Geld kosten. Schäuble lehnt ab und schlägt vor, Griechenland mehr Zeit zu geben.

Die Spareinlagen sind sicher

Die Europäische Union garantiert, dass Ersparnisse bis zu 100.000 Euro innerhalb der Währungsunion sicher sind.

Im Fall Zyperns war die Politik kurz davor, gegen ihre eigenen Zusagen zu verstoßen. Zunächst war geplant, Kleinsparer an der Bankenrettung zu beteiligen. Nach empörten Protesten wurde die Zwangsabgabe überarbeitet. Nun müssen nur noch zyprische Sparer mit einem Vermögen über 100.000 Euro haften.

Nur ein Einzelfall?

„Zypern war nun ein ganz besonderer Fall, das wusste jeder.“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 28. März 2013

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte zuvor in Interviews die Einbeziehung von wohlhabenden Kunden zyprischer Banken in die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als richtungsweisend hingestellt. Er bezeichnete sie als „Blaupause“ für andere Länder, relativierte die Aussagen dann später wieder.

Russische Banken und Unternehmen hielten Ende 2012 rund 31 Milliarden Dollar als Einlagen auf Konten bei zyprischen Banken oder ihren eigenen Niederlassungen. Das geht aus einem Bericht von Moody's Investors Service vom 13. März hervor. Darüber hinaus hatten russischen Banken Kredite im Volumen von weiteren 29 Milliarden Dollar an Unternehmen russischen Ursprungs in Zypern vergeben.

Moody's zufolge ist VTB Group, Russlands zweitgrößte Bank, mit den meisten Risiken im Zusammenhang mit Zypern behaftet. Der erste stellvertretende Vorstandsvorsitzende Vasily Titov hatte am Mittwoch in Moskau vor Journalisten gesagt, direkte Verluste seien wahrscheinlich “unbedeutend”.

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Während die Banken in den USA ihre Wiederauferstehung feiern, enttäuscht hierzulande die Deutsche Bank mit dem Ergebnis für das zweite Quartal die Anleger. Die Papiere der wichtigsten Finanzinstitute im Überblick.

Die Rendite der Dollar-Bonds von VTB mit Fälligkeit 2022 ist in dieser Woche bis Mittwoch um 28 Basispunkte auf 6,27 Prozent gestiegen - der höchste Wert seit dem 11. November, wie Daten von Bloomberg zeigen.

Yakov Yakovlev, Credit-Analyst bei OAO Gazprombank in Moskau, wies darauf hin, dass sich nicht nur die russischen sondern auch die Kreditausfallswaps anderer Schwellenländer verteuert haben. Denn Zypern habe für eine risikoadverse Stimmung gesorgt.

Kommentare (2)

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aktionaer

21.03.2013, 15:50 Uhr

wow, hätte ich nicht gedacht

danke HB

wie kann ich dort dran verdeinen?

Mazi

21.03.2013, 18:05 Uhr

Eine neue Runde im Finanzkrieg ist eingeläutet und es wird Geld an der Volatilität nicht an der Sache selbst verdient.

Kaum einer hat Zweifel daran, dass Russland Rohstoffe besitzt, die andere nicht haben.

Aber dennoch ist die Gefahr nicht gering einzuschätzen. Erinnern wir uns an die Krise 1998. Damals hatten die Russen gigantische Lieferverträge mit offenen Preisvereinbarungen. Statt diese, Lieferverträge mit Zahlungsansprüchen wie sonst üblich, mit dem Marktpreis anzugeben, erschienen diese nicht in der Berechnung. Dies vom Marktpreis her nicht abzusichern, Termingeschäfte abzuschließen, war der damalige Fehler.

Anders formuliert:
Wären für die Lieferverpflichtungen der Russen Zahlungsansprüchen gegenüber gestellt worden, hätte es die russische Krise nie gegeben.

Wollte man die deutschen Lieferansprüche aus russischen Rohstofflieferungen mit entsprechenden Zahlungsverpflichtungen versehen, schießt unsere Verschuldung auch immens nach oben.

Sie sehen, die Betrachtungen sind vielfältig. Man wird sich nach der Beruhigung wieder auf etwa gleichem Niveau einpendeln und außer Volatilität war nichts.

Die Idee mit russischen Kreditausfallswaps Geld zu verdienen, ist nicht schlecht, Aber ich glaube, dass das Spiel anders herum gespielt wird.

Warten wir einmal ab welche Finanzminister in der EU noch als solche in die Osterwoche gehen und ob Angela Merkel noch Kanzlerin ist.

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