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30.06.2011

08:08 Uhr

Drohende Zahlungsunfähigkeit

S&P droht USA mit radikaler Herabstufung von Anleihen

Am 4. August muss die USA Staatsanleihen zurückzahlen. Doch dafür müssen die Amerikaner die Schuldenobergrenze anheben. Sollte der Kongress dies ablehnen, droht die Ratingagentur S&P mit drastischen Konsequenzen.

Am 4. August muss die USA die Staatsanleihen zurückzahlen. Ansonsten wird die Ratingagentur S+P das Land sofort auf „D“ heruntergestuft. Quelle: ap

Am 4. August muss die USA die Staatsanleihen zurückzahlen. Ansonsten wird die Ratingagentur S+P das Land sofort auf „D“ heruntergestuft.

New YorkDie Ratingagentur Standard & Poor's droht den USA im Fall der Zahlungsunfähigkeit mit einer radikalen Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Sollten die USA am 4. August fällig werdende Staatsanleihen nicht zurückzahlen können, würden diese unmittelbar auf „D“ heruntergestuft, sagte S&P-Geschäftsführer John Chambers der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Die Bonitätsnote werde sofort gesenkt, es gebe keine Schonfrist.

Auch andere US-Schuldscheine würden herabgestuft, aber nicht in diesem Ausmaß. S&P hatte die USA im April vor einem Entzug ihrer bisherigen Bonitäts-Höchstnote „AAA“ gewarnt. Chambers betonte, eine Zahlungsunfähigkeit sei aber extrem unwahrscheinlich.

Möglichkeiten im Kampf gegen den Zahlungsausfall

Aussetzen bestimmter Papiere

Seit dem 6. Mai hat das Finanzministerium bereits den Verkauf der sogenannten Slugs - State and Local Government Series Securities - gestoppt. Diese Papiere werden den Bundesstaaten und Kommunen zur Anlage angeboten, erhöhen aber die Schulden des Bundeshaushalts. Wird das Programm gestoppt, erhöht das den Finanzspielraum des Ministeriums. In den vergangenen 20 Jahren wurde das Programm bereits sechs Mal ausgesetzt, damit die USA die Schuldenobergrenze nicht reißen.

Aussetzen von Einmalzahlungen in Rentenfonds

Das Finanzministerium stoppt Einzahlungen in verschiedene Fonds für Pensionen und die Absicherung von Berufsunfähigkeit der Beschäftigten im Staatsdienst. Damit könnte es je nach Dauer zwölf oder 72 Milliarden Dollar freimachen.

Einfrieren eines Investmentfonds

Das Finanzministerium wird ab diesem Montag einen Fonds für Beschäftigte im Staatsdienst, den G-Fonds, auf Eis legen. Die darin enthaltenen Mittel von 130 Milliarden Dollar werden bis auf weiteres nicht mehr neu angelegt. Damit erhöht sich der Spielraum zur Aufnahme neuer Kredite um diesen Betrag.

Anzapfen von Fonds zur Währungsstabilisierung

Die Regierung könnte den selten genutzten 50 Milliarden Dollar schweren Fonds zur Stabilisierung der Währungskurse anzapfen, um die Aufnahme neuer Schulden zu verhindern. Der Fonds wurde in den 1930er Jahren während der Großen Depression

geschaffen.

Verkauf von Vermögenswerten

Die Regierung könnte Teile von Unternehmen verkaufen, die sie im Rahmen des 700 Milliarden Dollar schweren TARP-Programmes gerettet hat. Allerdings hat Finanzminister Timothy Geithner bereits angedeutet, dies sei möglicherweise keine gangbare Lösung, weil der Steuerzahler bei einem Blitz-Verkauf Verluste erleiden könnte.

 

In den USA streiten sich seit Monaten Demokraten und Republikaner über die Anhebung der Schuldengrenze. Die USA hatten Mitte Mai die gesetzlich erlaubte Schuldengrenze von 14,3 Billionen Dollar erreicht und dürfen sich kein frisches Geld mehr leihen. Derzeit kann die US-Regierung ihre Rechnungen nur mit Hilfe von Sondermaßnahmen bezahlen. Das Finanzministerium kann nach eigenen Angaben so jedoch nur noch bis zum 2. August Mittel auftreiben, um Rechnungen zu begleichen. Sollte sich der Kongress nicht auf eine Anhebung der Schuldenobergrenze einigen, droht der Regierung in Washington die Zahlungsunfähigkeit. Experten warnen vor einem Rückfall in die Rezession und gravierenden Folgen für die internationalen Finanzmärkte. Zuletzt hatte sich Präsident Barack Obama als Vermittler zwischen den Konfliktparteien versucht, die kaum Bereitschaft zu Kompromissen erkennen lassen.

S&P hatte im April als erste der drei großen Ratingagenturen das Spitzenrating "AAA" für die USA in Frage gestellt und mit einer Herabstufung gedroht, falls das Land seine Schuldenprobleme nicht entschlossen angehe.

Inzwischen haben sich auch die Konkurrenten Fitch und Moody's kritisch zu den USA geäußert. Der Internationale Währungsfonds (IWF) fordert ebenfalls ein schnelles Handeln. „Natürlich sollte die Schuldenobergrenze schnell angehoben werden, damit ein ernsthafter Schock für die Wirtschaft und die weltweiten Finanzmärkte vermieden werden kann“, erklärte der IWF am Mittwoch in seiner jährlichen Bestandsaufnahme der US-Wirtschaft. Die entscheidende Herausforderung für die amerikanische Politik sei es, den Schuldenstand bis Mitte des Jahrzehnts zu stabilisieren und danach schrittweise zu reduzieren, ohne das Wachstum zu belasten, das noch einige Zeit schwach bleiben dürfte.
Sollten die USA ihr Spitzenrating verlieren, fürchtet der IWF weltweit negative Folgen: „Diese Risiken haben auch bedeutende globale Auswirkungen wegen der zentralen Rolle der US-Staatsanleihen in den weltweiten Finanzmärkten“, warnte der Währungsfonds. Wichtig sei, die Schuldenstandsquote zu stabilisieren und mittelfristig zu senken.

Was die US-Schuldenkrise für die Märkte bedeutet

Sind die USA ein wackliger Schuldner?

Im August 2011 stufte S&P die USA herab und entzog ihnen damit das Top-Rating. Die Zeit des unumstößlichen AAA-Ratings der USA ist damit vorbei. Grund waren mangelnde Aussichten auf einen Abbau der Rekordverschuldung von 15 Billionen Dollar. Eine weitere Herabstufung schlossen S&P nicht aus.

Fitch und Moody's drohen ebenfalls mit einer Herabstufung, sollte keine neue Strategie zum Schuldenabbau folgen.

Warum haben die USA nicht längst ein noch schlechteres Rating?

Die USA sind mit dem Dollar flexibel in der Zins- und Geldpolitik und können Geld drucken, um Dollar-Schulden zu bedienen. Als größte Volkswirtschaft der Welt tragen sie fast ein Viertel zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei. Die Wirtschaft ist wettbewerbsfähig und flexibel. Zudem zahlt die Regierung, bei einer Inflation von drei Prozent und Renditen unter drei Prozent für Anleihen mit Laufzeiten von weniger als zehn Jahren, real aktuell keine Zinsen. "Das steht in krassem Gegensatz, zu der Situation in vielen Euro-Ländern", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der VP Bank.

Wann werden die USA weiter herabgestuft?

Der Verlust des AAA-Ratings war vor einigen Monaten noch die "Billion-Dollar-Frage". Jetzt rätseln Analysten darüber, wann noch eine Stufe weiter abwärts geht. S&P haben eine weitere Herabstufung der USA nicht ausgeschlossen, sollte das Schuldenproblem nicht in den Griff bekommen werden. Behält die US-Regierung den jetzigen uneinigen Kurs bei der Schuldenbekämpfung bei, so werde Fitch spätestens 2013 den USA das Top-Rating entziehen.

Warum sind US-Staatsanleihen kaum unter Druck gekommen?

Weil die Ratings nicht (mehr) das non plus ultra für die Marktteilnehmer bilden. Die Warnungen der Ratingagenturen rücken zwar die problematische US-Verschuldung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, bedeuten für professionelle Anleiheinvestoren "aber nichts, was wir nicht schon ohnehin wussten", sagt William O'Donnel von der Royal Bank of Scotland. Frankreichs Wirtschaftsminister Baroin meinte, man dürfe die Herabstufung nicht überbewerten. Ein nicht namentlich genannter Regierungsvertreter Japans erklärte ebenfalls, dass er weiterhin Vertrauen in die Anleihen der USA habe.

Drohen US-Staatsanleihen längerfristig Probleme?

Ja, wenn die Probleme nicht gelöst werden und die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit weiter senken. Der Ruf der US-Anleihen als weltweiter risikoloser Maßstab für andere Zinspapiere werde dann weiter abbröckeln. "Wenn die USA ihre langfristige Verschuldung nicht in den Griff bekommen, droht ein Vertrauensverlust der Investoren", warnt Thomas Meißner von der DZ Bank. Diese Gefahr gebe es vor allem deshalb, weil die USA fast zur Hälfte im Ausland verschuldet seien und ausländische Investoren schneller nervös würden als einheimische.

Profitieren Bundesanleihen vom Verlust des "AAA"-Ratings der USA?

„Ja“ sagt Andreas Rees, Chefvolkswirt bei der Unicredit, „sie dürften die größten Gewinner sein, unter anderem, weil die Inflation in den USA spürbar anziehen wird.“ Voraussetzung dafür sei allerdings noch, dass Deutschland seine Spitzenbonität behält, was zurzeit der Fall ist.

Wie sind die Aussichten für den Dollar?

Bislang hat die US-Währung wenig reagiert. "Der Dollar profitiert seit mindestens drei Jahren stetig von Krisenszenarien, egal wo die Ursachen der Probleme liegen", erklärt Ralf Umlauf, Analyst bei der Helaba. Das liege vor allem daran, dass in Krisenszenarien viele US-Investoren ihre Anlagen in ausländischen Währungen verkaufen, und das stärke den Dollar.

Gegenüber dem Euro hat der Dollar keinen Wert einbüßen müssen, weil im Rahmen der Schuldenkrise der Euro-Länder der Euro zunehmend unter Druck geraten ist. Im August, dem Monat der Herabstufung der USA, ging es nämlich für den Euro stark abwärts.

Von

rtr

Kommentare (17)

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alexfiftyfour

30.06.2011, 08:37 Uhr

Schade dass die Amis die Schuldengrenze erhöhen werden. Dürfte einen ziemlichen Knall geben, wenn sie es nicht tun würden. Das wäre wie Weihnachten und Neujahr zusammen, nur nicht so spaßig.

Wenn die Welt schon beim kleinen Griechenland gezittert hat, was passiert wohl, wenn die USA zahlungsunfähig werden?

Informant

30.06.2011, 08:41 Uhr

Viel blabla.....
Warum sollte die Schuldengrenze nicht angehoben werden ????
Wird eh nur neues, wertloses Fiat-Money vom FED Privatbankenkartell aus der Luft generiert.....
Allerdings hat die USA einen "Plan B" in der Schublade.
Plötzliche "Umschuldung a´la Chapter 11 "
Da zieht es dann auch den Chinesen die Hosen aus.....

Daniel

30.06.2011, 08:47 Uhr

Ich glaube nicht, dass wir eine Zahlungsunfähigkeit der USA erleben wollen...

Die Ratingagenturen zeigen durch solches Vorgehen allerdings erneut ihre (bei Lehman schon bewiesene) eigene Unsinnigkeit: Was bringt es mir als Anleger, wenn ein Emittent der heute noch AAA ist morgen plötzlich D sein kann ? Das heißt doch nichts anderes, als dass die AAA kompletter Nonsens waren.

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