Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.05.2011

13:44 Uhr

DSW-Studie

Konzerne machen keine klaren Aussagen

VonJörg Hackhausen

Trotz steigender Gewinne und anziehender Konjunktur vermeiden viele Firmen den Blick in die Zukunft. Sehr zum Leidwesen der Anleger, für die Unternehmens-Prognosen ein wichtiges Entscheidungskriterium sind.

BASF-Wasserturm: Die DSW-Studie wirft dem Konzern mangelhafte Transparenz vor. Quelle: dapd

BASF-Wasserturm: Die DSW-Studie wirft dem Konzern mangelhafte Transparenz vor.

FrankfurtWie oft haben Unternehmensbosse diese Floskel bemüht: „Wir fahren auf Sicht.“ Es ist die elegante Variante, zu umschreiben, dass man auch keine Ahnung hat, wie es weitergehen soll. In der Finanzkrise war es noch halbwegs nachvollziehbar, wenn sich Vorstände um klare Ansagen herumdrückten. Spätestens jetzt muss damit Schluss sein. Die Konzerne haben ihre Aktionäre lange genug hingehalten.

Die Gewinne steigen, die Konjunktur zieht an. Das Argument, man könne wegen der unsicheren Zeiten keine Prognose abgeben, zieht nicht mehr. Trotzdem sind viele Unternehmen nach wie vor äußerst vorsichtig, wenn es um Aussagen über die zukünftige Entwicklung der Geschäfte geht. Das zeigt eine Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die DSW hat zusammen mit der Beratungsgesellschaft Kirchhoff Consult die Prognosen der großen deutschen Unternehmen unter die Lupe genommen. Untersucht wurden die Geschäftsberichte 2010. Das Ergebnis fällt unbefriedigend aus: Die Prognosen seien oft wenig aussagekräftig und damit für Anleger größtenteils nutzlos.

Nur wenige Firmen informieren gut

Richtig gut informieren danach nur sieben der 30 Dax-Unternehmen, als herausragend werden etwa Bayer und Fresenius Medical Care genannt. Der Großteil der Firmen aber scheut konkrete Prognosen. Sechs Unternehmen werfen die Anlegerschützer mangelhafte Transparenz vor, und zwar BASF, Beiersdorf, Daimler, Heidelberg-Cement, Lufthansa und Volkswagen.

Auch wenn Prognosen immer mit Unsicherheit behaftet sind – sie sind wichtig für Anleger. Sie helfen, die Chancen eines Unternehmens einzuschätzen. Entscheidend sind sie für die Frage: Kaufe ich eine Aktie, oder lasse ich es lieber bleiben. Es verlangt ja keiner, dass der Gewinn auf den Cent vorhergesagt wird. Auch hat niemand etwas davon, wenn in jedem Quartal neue Zahlen in die Welt gesetzt werden. Aber deshalb jede Aussage über die Zukunft zu scheuen, ist auch keine Alternative.

Einmal im Jahr muss klar gesagt werden, wo es langgeht. Allein schon, um den Vorstand ein Jahr später darauf festnageln zu können. Wenn das Umfeld schwierig ist, kann man das auch so sagen. Der Handelskonzern Metro hat das in diesem Jahr vorgemacht. Das Unternehmen stellt steigende Gewinne in Aussicht, sagt aber auch, dass noch nicht absehbar ist, wie sich die Katastrophe in Japan und die Konflikte im arabischen Raum sowie die Schuldenkrise in Europa auf die Konsumstimmung auswirken werden.

Wenn die Anleger verstehen, was ein Vorstand mit dem Unternehmen vorhat, werden sie das honorieren – auch wenn es mal eine Zeit lang nicht so läuft. Mehr Transparenz schafft Vertrauen.

hackhausen@handelsblatt.com


Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×