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19.04.2012

08:08 Uhr

Düstere Prognose

Deutsche Bank warnt vor neuer Krise

Strategen der Deutschen Bank entwerfen ein düsteres Szenario: In der weltweiten Finanzkrise werde das Schlimmste noch kommen, sagen sie. Und zwar dann, wenn die Rettungsmaßnahmen der Zentralbanken auslaufen.

Die Maßnahmen der Notenbanken haben eine Atempause verschafft - das Problem aber nicht gelöst. dpa

Die Maßnahmen der Notenbanken haben eine Atempause verschafft - das Problem aber nicht gelöst.

LondonBei der Deutschen Bank in London sieht man die Zukunft offenbar wenig optimistisch. Die Mittel der Staaten seien erschöpft, die Krise werde wieder aufflammen, heißt es in einer Studie der Bank.
Die Preise für Kreditausfallswaps signalisieren, dass bei mindestens vier oder mehr Staaten Kreditereignisse eintreten werden und sie beispielsweise Umschuldungen durchführen müssen, schreiben die Strategen um Jim Reid und Nick Burns.

Der Markit iTraxx SovX Western Europe Index, der Kreditausfallversicherungen (CDS) auf 15 Staaten umfasst, darunter Spanien und Italien, ist im März um 26 Prozent gestiegen, als die Staatsschuldenkrise wieder aufflammte. „Wenn sich diese impliziten Zahlungsausfälle in etwa als realistisch herausstellen, dann könnten die kommenden fünf Jahre im Hinblick auf Zahlungsausfälle von Unternehmen und Banken schlimmer werden als die fünf vergangenen, relativ ruhigen Jahre“, heißt es weiter. Viel hänge letztendlich davon ab, wie viel Gelddrucken toleriert werden könne.

Kreditausfallversicherungen (CDS)

Was sind Kreditausfallversicherungen?

Mit Credit Default Swaps (CDS) - zu deutsch Kreditausfallversicherungen - können sich Investoren gegen einen möglichen Zahlungsausfall zum Beispiel einer Staatsanleihe oder eines Firmenbonds absichern. Kann der Schuldner nicht zahlen, springt der Versicherer ein. Vorausgesetzt er hat ausreichend dafür vorgesorgt - was nicht immer der Fall ist. 2008 stand der damals größte Emittent solcher Produkte, der US-Versicherungsriese American International Group (AIG), kurz vor der Pleite. Damals ging es um CDS auf den Ausfall hochspekulativer Wertpapiere, die Kredite für den amerikanischen Häusermarkt bündelten. Der Versicherungskonzern konnte die Schadenssummen aus den Ausfällen nur zahlen, weil er vorher vom Staat gerettet wurde.

Wer verdient an den CDS?

Zuerst einmal derjenige, der das Risiko versichert - das kann beispielsweise eine Bank sein. Je schlechter ein Land da steht, desto höher die Summe, die für eine Kreditausfallversicherung gezahlt werden muss. Die Prämien für mögliche Ausfälle Griechenlands oder anderer hoch verschuldeter Euro-Staaten sind deutlich gestiegen. Mit Kreditausfallversicherungen wetten aber auch Zocker auf eine schlechtere Bonität der Schuldner, ohne die entsprechenden Staatsanleihen zu besitzen. Dem schiebt die EU weitgehend einen Riegel vor, weil die Praktiken nach gängiger Meinung den Kursverfall von Staatsanleihen künstlich beschleunigt haben. Prinzipiell sollen sich von November 2012 an nur noch Investoren den Schutz über CDS kaufen können, die entsprechende Staatsanleihen halten.

Warum stehen CDS in der Kritik?

CDS werden nicht an der Börse gehandelt, der Markt gilt als wenig transparent und es gibt bisher keine staatliche Kontrolle über die ausgegebenen Papiere. Welche Investoren wie viele CDS auf Griechenland-Anleihen in ihren Büchern haben, ist kaum zu durchschauen. Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Mählmann von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sieht daher „dringenden Handlungsbedarf“. „CDS sind durchaus sinnvoll. Aber es
muss klar sein, wer welches Risiko trägt. Es darf keinen zweiten AIG-Fall geben“.

Was ist das Risiko?

Viele Finanzhäuser haben ihr Engagement in Griechenland-Anleihen verringert. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sie die Papiere verkauft haben. Das Risiko lässt sich auch durch den Erwerb von CDS minimieren. „Die entscheidende Frage ist daher, wo das Risiko geblieben ist. Die Anleihen sind ja nicht verschwunden. Durch die CDS wurde das Risiko lediglich umverteilt“, sagt Mählmann. Zwar führt der amerikanische Finanzdienstleister
Depository Trust & Clearing Corp (DTCC) ein zentrales Register, das Auskunft über die Volumina der Produkte gibt. „Doch CDS müssen nicht darüber laufen. Es gibt nach wie vor keine richtige Transparenz“, kritisiert Mählmann. (Quelle: dpa)

Die Zahlungsausfallraten hätten sich in den Jahren 2007 bis 2011 innerhalb der historischen Normen gehalten. Grund dafür sei die „beispiellose Intervention“ der europäischen und US- amerikanischen Geldpolitik gewesen, schreiben Reid und Kollegen.

Nun jedoch gäben die Anleihemärkte die Kursgewinne ab, die ihnen die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (LTROs) der Europäische Zentralbank im Volumen von einer Billion Euro und die Operation Twist der Federal Reserve Bank in den USA verschafft hatten.

Die massiven Ausgaben hätten nicht dazu geführt, das Wirtschaftswachstum anzuschieben, meinen die Strategen. „Die LTROs haben uns eine gewisse Atempause verschafft, aber sie haben offenbar das Problem nicht beseitigt", sagte Burns in einem Telefoninterview mit Bloomberg News.

Kommentare (30)

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Zeitenwende

19.04.2012, 08:34 Uhr

Dieser Einschätzung ist uneingeschränkt zuzustimmen.
Unerwähnt bleiben die enormen politischen Risiken, die von Austeritätshaushalten und Inflationsszenarien ausgehen.
Unerwähnt bleibt außerdem, dass auf dem dünnen Eis, auf dem wir in die Zukunft gehen, ein einziger unvorhergesehener marktexterner Krisenfall - eine Naturkatastrophe, eine Pandemie, ein militärisches Ereignis, eine exogene Knappheit an lebens- und/oder produktionsnotwendigen Gütern - und Engpässe in der Energie- und Rohölversorgung völlig ausreichen würden, um eine Weltwirtschaftskrise zu finalisieren, gegen die die Krise am Anfang des 20. Jahrhunderts ein mildes Ereignis war.
Nicht zu erwähnen, dass heute alle Mittel da sind, eine perfekte Diktatur zu installieren.

Account gelöscht!

19.04.2012, 08:50 Uhr

Die Deutsche Bank ist offensichtlich voll in der Hand englicher/amerikanischer Investmentbänker, die sich auch aktiv daran beteiligen eine neue Krise herbeizureden. das bringt zusätzliche Geschäftschancen und zusätzliche Gewinne.
Das Publikum in Deutschland sollte sich von dieser Bank abwenden, weil sie offenkundig nicht mehr deutsche Interessen verfolgt.

Olli

19.04.2012, 08:58 Uhr

Das können Sie ändern:

http://www.stop-esm.org/home

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