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15.07.2013

20:04 Uhr

EFSF-Abstufung

Fitch entzieht Euro-Rettungsfonds die Topbonität

Erst stufte Fitch die Bonität Frankreichs herab, nun folgt die Abstufung des europäischen Rettungsfonds: Statt „AAA“ steht der EFSF nun bei „AA+“. Die Auswirkungen auf den Rettungsschirm ESM sind noch unklar.

Die Ratingagentur Fitch erschüttert die Finanzmärkte. dpa

Die Ratingagentur Fitch erschüttert die Finanzmärkte.

LondonDie Ratingagentur Fitch hat dem europäischen Rettungsfonds EFSF die Topbonität aberkannt. Die Note sinke von bisher „AAA“ auf „AA+“, teilte Fitch am Montag in London mit. Die Herabstufung kommt wenig überraschend, da Fitch am Freitag Frankreich die Bestnote aberkannt hatte. Hinter dem Krisenfonds stünden die unwiderrufbaren und bedingungslosen Garantien der Euro-Staaten, von denen Frankreich ein besonders hohes Gewicht habe, schreibt Fitch. Frankreich ist neben Deutschland der wichtigste Gläubiger des EFSF. Der Ausblick für das Rating ist stabil. Es droht also zunächst keine weitere Herabstufung.

Ratingsystem

Die gängigen Ratings

Die Ratingagenturen verwenden für die Bewertung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten Buchstabencodes. Die Skala beginnt bei Standard & Poor's und Fitch mit der Bestnote AAA (englisch: „Triple A“). Es folgen AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C. Auch Moody's nutzt diese Buchstabencodes, schreibt sie aber anders (Aaa, Aa, A, Baa, Ba, B usw.)

Die Verfeinerung der Stufen

Die Stufen können auch noch feiner unterteilt werden. Moody's verwendet dafür Ziffern, Fitch nutzt Plus- und Minuszeichen. Eine mögliche Änderung des Ratings kündigen die Agenturen in aller Regel über den Ausblick „positiv“, „stabil“ und „negativ“ an.

Unterschiede zwischen Fitch und Moody's

Ab BB+ (Fitch und Standard & Poor's) oder Ba (Moody's) beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: Junk) genannt wird. Diese Marke gilt für Investoren als deutliches Warnsignal, dass sie Gefahr laufen, ihr Geld zu verlieren. Am Ende der Skala steht mit D der Ausfall, also die Pleite eines Schuldners.

„Ramsch-Niveau“

Wenn ein Land oder ein Unternehmen in den spekulativen Bereich abrutscht, wird es für den Schuldner oft teurer, sich neues Geld am Kapitalmarkt zu besorgen. Investmentfonds sind nämlich häufig verpflichtet, nur Papiere von Schuldnern oberhalb des Ramsch-Niveaus („Investmentgrade“) im Depot zu halten, und müssen dann solche Titel verkaufen, was die Kurse unter Druck setzt. Auch generell können Abwertungen negative Folgen für die Refinanzierung haben - dies ist aber kein Automatismus.

Der EFSF hat eine Kreditkapazität von maximal 440 Milliarden. Seit dem 1. Juli 2013 ist der EFSF jedoch nicht mehr für für Finanzierung von neuen Programmen zuständig. Der neue Rettungsfonds ESM soll Kredite von bis zu 500 Milliarden Euro vergeben können. Dazu wurde er im Gegensatz zum EFSF nicht nur mit einem Garantierahmen von 620 Milliarden Euro sondern auch mit Bareinlagen im Gesamtwert von 80 Milliarden Euro ausgestattet. Zum ESM äußerte sich Fitch aktuell nicht. Der ESM wurde bis zuletzt von Fitch mit der Bestnote „AAA“ bewertet.

Von

dpa

Kommentare (31)

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Nostradamus

15.07.2013, 21:05 Uhr

EFSF und ESM werde sehr bald auf Ramschniveau heruntergeprügelt! Das ist so amtlich, wie das Amen in der Kirche!

Rechner

15.07.2013, 21:27 Uhr

O-Ton Handelsblatt
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Der neue Rettungsfonds ESM soll Kredite von bis zu 500 Milliarden Euro vergeben können. Dazu wurde er im Gegensatz zum EFSF nicht nur mit Garantien sondern auch mit Bareinlagen im Gesamtwert von 700 Milliarden Euro ausgestattet.
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Soso - Bareinlagen von 700 Milliarden um 500 Milliarden ausleihen zu können.

Selbst jemandem der zum ersten Mal in seinem Leben vom ESM gehört hat hätte doch aufgefallen müssen, daß dafür 500 Milliarden auf jeden Fall ausreichend wären.

...

Offensichtlich wird die Handelsblattredaktion mehr und mehr von Wirtschaftslaien betrieben.

...

Und wie sieht's tatsächlich aus?

"Upon payment of the final tranche, the ESM will have a paid-in capital of €80 billion"

http://www.esm.europa.eu/press/releases/20130501%20Euro%20area%20Member%20States%20transfer%20third%20tranche%20of%20paid-in%20capital%20to%20ESM.htm

...

Also 80 Mrd anstatt 700 Mrd.

Wovon momentan 48 Mrd eingezahlt sind.

...

Auf 700 Mrd kommt man, wenn man die GarantieRAHMEN und die Bareinlagen zusammenzählt.

Was insofern unsinnig ist, als für Darlehen von maximal 500 Milliarden natürlich nie 700 Milliarden an Garantien und Barmitteln einstehen müssen.

Im Endausbau hat der ESM 80 Mrd Barkapitaleinlage, und Garantierahmen von 620 Mrd.

Für den Darlehensrahmen von 500 Mrd wären aber nur Garantien von 420 Mrd erforderlich.

Die "Überdeckung" mit Garantien von 47,6% soll eben den Fall von Zahlungsunfähigkeit von Garantoren abdecken.

Kreditoren des ESM hätten dann Ausfälle zu befürchten, wenn mehr als kapitalanteilsgewichtete 32,3% der Garantoren ausfallen würden.

Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und Zypern stellen 19% der Garantien.

Erst wenn alle diese Länder UND Italien, Frankreich oder Deutschland zahlungsunfähig würden könnte es dazu kommen.

Account gelöscht!

15.07.2013, 21:30 Uhr

Ist Ihr Name Nostradummus? Passt wie die Faust aufs Auge.

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