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17.07.2012

16:26 Uhr

EFSF-Anleihe

Das Kunststück, Anleger zur Kasse zu bitten

Der europäische Krisenfonds EFSF bringt kurzfristige Schuldverschreibungen auf den Markt. Die Papiere sind bei den Investoren sind so gefragt, dass diese sogar draufzahlen, um ihr Geld dem EFSF zu geben.

Der Euro-Krisenfonds EFSF erzielt eine negative Rendite von 0,0113 Prozent. dapd

Der Euro-Krisenfonds EFSF erzielt eine negative Rendite von 0,0113 Prozent.

Frankfurt/ MainDer Negativzins-Club im Euroraum erhält Zulauf: Nach Deutschland, den Niederlanden und Frankreich konnte Dienstag erstmals auch der Krisenfonds EFSF Geld mit der Ausgabe neuer kurzfristiger Schuldverschreibungen verdienen. Auch Belgien gesellte sich zu der Gruppe der Länder, die auf Minusrenditen für ihre kurzfristigen Schulden kommen. Das heißt Anleger zahlen drauf, um Belgiens Staatshaushalt kurzfristig finanzieren zu dürfen. Euro-Krisenländer wie Spanien und Italien müssen dagegen weiter hohe Zinsen zahlen.
Als Grund für die starke Nachfrage nach Papieren bonitätsstarker staatlicher Schuldner gilt die Kombination aus Niedrigzinspolitik und üppiger Liquiditätsversorgung durch die Europäische Zentralbank (EZB). Sie erschwert Banken und Großanlegern die Suche nach Parkplätzen für überschüssige Mittel und drückt so die Renditen. Auch Spanien und Italien kamen zuletzt günstiger an frische Mittel - Experten sehen die Lage trotzdem weiter kritisch.

So viel kostet Europa

Rettungsfonds EFSM

Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

Geplanter ESM

Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Der EFSF erzielte bei der Auktion eines sechsmonatigen Geldmarktpapiers eine negative Rendite von 0,0113 Prozent, wie die deutsche Bundesbank in Frankfurt mitteilte. Insgesamt drängten Anleger der Luxemburger Zweckgesellschaft 1,49 Milliarden Euro auf. Der EFSF finanziert im Auftrag der Euro-Gemeinschaft die Anpassungsprogramme in den Krisenländern unter dem Rettungsschirm.
Zuvor hatte sich auch Belgien im kurzen Laufzeitbereich zu negativen Zinsen frisches Geld bei Investoren besorgt. Bei einer Versteigerung von Geldmarktpapieren mit dreimonatiger Laufzeit lag die Rendite mit 0,016 Prozent im Minus, teilte die belgische Schuldenagentur mit. Insgesamt sammelte Belgien bei der Auktion am Dienstag wie geplant drei Milliarden Euro ein. Allerdings kamen auch zwölfmonatige Papiere unter den Hammer, bei denen die Rendite mit 0,04 Prozent noch leicht im positiven Bereich lag.

Der Instrumentenkasten der EZB

Die EZB soll's richten

Wieder einmal blicken alle in der Euro-Schuldenkrise gebannt nach Frankfurt: die Europäische Zentralbank (EZB) soll es im schlimmsten Fall richten, mit ihrem Waffenarsenal intervenieren und so die Märkte beruhigen.

Die Mittel der EZB

Zwar streiten sich Fachleute und auch die Notenbanker darüber, wie effektiv, nachhaltig und sinnvoll weitere Eingriffe der Geldpolitik sein könnten. Fest steht aber: die EZB verfügt als einzige Institution über einen gut gefüllten und theoretisch sofort verfügbaren Instrumentenkasten, um angeschlagenen Banken unter die Arme zu greifen, Institute im Falle eines Bank-Runs mit neuem Geld zu schützen und durch ihre Finanz-Feuerkraft wenigsten für eine begrenzte Zeit wieder für Ruhe an den Börsen zu sorgen.

Liquiditätssalven für das Finanzsystem

Vor dem Wahlsonntag in Athen verdichten sich die Hinweise, dass die großen Notenbanken der Welt gemeinsame Sache machen und die Märkte mit Geld fluten könnten. Eine solche konzertierte Aktion der Zentralbanken gab es schon einmal - Anfang Oktober 2008, kurz nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers, als weltweit die Finanzströme zu versiegen drohten.
In der aktuellen Krise rund um die Überschuldung Griechenlands und anderer südeuropäischer Länder hat bislang nur die britische Notenbank angekündigt, dass sie gemeinsam mit dem Finanzminister in London ihren Bankensektor zum Schutz vor aus Griechenland überschwappenden Problemen mit 100 Milliarden Pfund fluten will. Am Freitag sorgte die Aussicht auf eine gemeinsame Intervention der Zentralbanken zunächst für bessere Stimmung an den Märkten.

Senkung des Leitzinses unter 0,75 Prozent

Aktuell steht der Leitzins der EZB bei 0,75 Prozent. Die Notenbank kann natürlich jederzeit an dieser in normalen Zeiten wichtigsten Stellschraube drehen. Es wäre ein historischer Schritt: Noch nie seit Bestehen der Währungsunion lag der Schlüsselzins für die Versorgung des Finanzsystems mit frischer Liquidität niedriger.
Allerdings nimmt der Spielraum der EZB mit jeder weiteren Leitzinssenkung ab - schließlich rückt damit die Nulllinie unausweichlich immer näher. Fachleute erwarten, dass die Zentralbank mit weiteren Zinssenkungen so lange wartet wie nur möglich, um für den Fall echter Verwerfungen an den Finanzmärkten, wie sie etwa bei einem Austritt der Griechen aus der Euro-Zone drohen würden, noch Munition zu haben.

Absenken des Einlagezinssatzes auf Null

Um den Geldmarkt wiederzubeleben und die Banken zu ermuntern mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf zu geben, könnte die EZB den sogenannten Einlagezinssatz auf null Prozent kappen. Dieser Zins liegt aktuell bei 0,25 Prozent. Das bedeutet, dass Banken, die keiner anderen Bank mehr trauen, immerhin noch Geld dafür bekommen, wenn sie überschüssige Liquidität bei der EZB parken. Bei einem Einlagezinssatz von einem Prozent entfiele der Anreiz dies zu tun. Doch ob die Banken der EZB den Gefallen tun oder das Geld dann lieber horten, ist fraglich. Aktuell parken sie jedenfalls knapp 800 Milliarden Euro in Frankfurt.

Weitere Langfrist-Refinanzierung der Banken

Im Dezember und im Februar ist es der EZB gelungen, mit zwei jeweils drei Jahre laufenden Refinanzierungsgeschäften die Gemüter der Banker wenigstens für eine Zeit lang zu beruhigen. Damals sicherten sich die Geldhäuser insgesamt rund eine Billion Euro bei der Zentralbank zum Billigtarif von nur einem Prozent.
Einige Experten glauben, dass weitere langlaufende Geschäfte dieser Art das durch die Unsicherheit über die Zukunft der Euro-Zone untergrabene Vertrauen wieder zurückbringen könnten. Die Banken, die sich um den Jahreswechsel bei der EZB bedient haben, sind allerdings ohnehin bis mindestens Ende 2014 abgesichert. Außerdem kann jede Bank darüber hinaus bei den wöchentlichen Hauptrefinanzierungsgeschäften der Notenbank aus dem Vollen schöpfen.

Weitere Erleichterungen für das Bankensystem

Damit den Banken die Sicherheiten nicht ausgehen, die diese als Pfand bei den Refinanzierungsgeschäften mit der Notenbank stellen müssen, kann die EZB weitere Erleichterungen bei den Anforderungen beschließen. Sie kann dabei auch selektiv nach Ländern vorgehen, um gezielter zu helfen. Allerdings sind Erleichterungen bei den Sicherheiten immer auch ein Politikum, weil dadurch die Risiken steigen, die die Zentralbank durch die Refinanzierung in ihrer Bilanz ansammelt. Im Fall der Fälle müssten diese von den Steuerzahlern der Mitgliedsländer getragen werden.

Erneuter Start der Staatsanleihenkäufe

Die EZB hat seit Mai 2010 Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Länder für mehr als 200 Milliarden Euro gekauft. Das im Fachjargon SMP (Securities Markets Programme) genannte Programm ist wegen seiner möglichen Nebenwirkungen in Deutschland und einigen anderen nord- und mitteleuropäischen Ländern umstritten. Es ruht derzeit, kann allerdings jederzeit wieder vom EZB-Rat in Kraft gesetzt werden.
Ob es allerdings noch seine erhofften positiven Wirkungen am Bondmarkt entfalten kann, ist unklar. Wegen der Erfahrungen bei der Umschuldung Griechenlands im Frühjahr dürften wenige private Investoren wie Banken oder Versicherungen der EZB folgen und wieder in den Markt gehen, weil sie fürchten, dass die Zentralbank erneut einen Sonderstatus als Gläubiger durchsetzen könnte, wie sie es im Fall Griechenland getan hat.

Zusätzlicher Kauf anderer Wertpapiere

Theoretisch kann die EZB neben Staatsanleihen auch andere Arten von Wertpapieren kaufen und auf diese Weise Geld schaffen: zum Beispiel Bankschuldverschreibungen, Aktien und Unternehmensanleihen. Während der Ankauf von Bank Bonds eine durchaus denkbare Möglichkeit wäre, Liquidität bei den Banken zu schaffen, scheinen andere Wege wenig erfolgversprechend. So könnte die EZB wohl schlecht erklären, warum sie etwa Aktien von Banken kauft, nicht aber von Auto- oder Chemiekonzernen. Oder sie setzt sich dem Verdacht aus, der einen Bank mehr Aktien abzukaufen als anderen oder zum Beispiel spanische Institute deutschen oder österreichischen Banken vorzuziehen.

Weitere Reduzierung der Mindestreserveanforderung

Theoretisch kann die EZB auch ihre Anforderungen an die Mindestreserve der Banken, die diese bei ihr halten müssen, absenken. Sie hat dies um den Jahreswechsel bereits getan und den Satz ihrer gesamten Einlagen, den jede Geschäftsbank bei ihr parken muss, von zwei auf ein Prozent halbiert. Dadurch hatte sie damals eine Summe von rund 100 Milliarden Euro für die Banken freigemacht. Ein solcher Schritt würde es für Banken in Südeuropa, die wohl am ehesten unter einer Kapitalflucht leiden würden, leichter machen, Mittel flüssig zu halten.

Das Kunststück, Anleger zur Kasse zu bitten, um den eigenen Staatshaushalt finanzieren zu lassen, hatte in der Vorwoche bereits Frankreich vollbracht. Deutschland und den Niederlanden gelingt dies schon länger. Um deutsche Papiere reißt sich der Markt sogar so sehr, dass der Bund derzeit für bis zu zwei Jahre keine Zinsen bieten muss.

Kommentare (5)

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Blankstein

17.07.2012, 18:49 Uhr

m Augenblick wird Finland gerade von Spanien bestochen , damit Finland doch noch den 100 Milliarden für Spaniens Banken zustimmt . Die spanische Presse informiert heute , dass Spanien direkte Zahlungen/Garantien im Gegenzuge leisten will , damit das Geld trotzdem fliesst. http://www.eleconomista.es/economia/noticias/4124541/07/12/Finlandia-y-Espana-acuerdo-sobre-las-garantias-del-rescate-segun-un-parlamentario.html
Man fragt sich dann natürlich : ist der Rest Europas zu blöd ?
Hier betreibt Spanien hinter den Kulissen mal wieder eigenbröderische Bestechung , die letztendlich zu Lasten der anderen gehen kann . Also wo bleiben die Garantien für die anderen Länder ? Bedrohlich finde ich diese Haltung , die nur zur Uneinigkeit innerhalb der EU führen kann , wenn hinter den Kulissen klare Linien aufgeweicht werden .
Wie sieht es denn letztendlich mit den Garantien für Deutschland aus , wenn Finland sie in dieser Art und Weise bekommt ? ...was für ein Sauladen ist die EU eigentlich .

Edelzwicker

17.07.2012, 18:59 Uhr

Um deutsche Papiere reißt sich der Markt sogar so sehr, dass der Bund derzeit für bis zu zwei Jahre keine Zinsen bieten muss.
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Keine Zinsen? Ist das nicht unmoralisch?


hasstnicht

17.07.2012, 19:25 Uhr

Eine gute Show für Dumme. Wo kommt das Geld her? Ist das überhaupt Geld? :) Ich lach mich zu tode. Naja bei negativ Zinsen können wir der Bevölkerung gut verkaufen das wir für jeden Misst haften und dabei ja noch was "verdienen". You are a stupid man's idiot! Wenn man hier nichts weiter als Manipulation der Anleihemärkte für politische Zwecke sieht.

Viele Grüße
Angelsachsien

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