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11.01.2005

07:00 Uhr

Ein Ende des Rohstoffhungers Chinas ist nicht in Sicht

Ungebremster Boom

VonMarkus Gärtner

Rohstoff-Bullen angeschnallt: Der China-Express setzt seine Schussfahrt fort. Das Reich der Mitte ist bei fast allen wichtigen Metallen und beim Rohöl in die Spitze der weltweit größten Verbraucher aufgerückt. Und eine Wende ist nicht in Sicht.

VANCOUVER. Zwar müht sich Chinas Regierung, das Turbo-Wachstum der hochgedrehten Konjunktur zu bremsen. Für 2005 sagt sie gleichwohl ein Wirtschaftswachstum von mindestens acht Prozent voraus.

Das riecht nach viel Auftrieb für die Preise praktisch aller industriell genutzter Metalle. Der Chefvolkswirt der Investmentbank Morgan Stanley, Stephen Roach, sieht das auch so. „Die ganze Welt sollte einmal kollektiv und erleichtert durchatmen“, sagt Roach. „Hätte es in China eine harte Landung gegeben, wäre die industrielle Produktion halbiert worden, was zu einer rasanten Talfahrt bei den Rohstoffpreisen geführt hätte.“ Auch bei der Deutsche Bank geht man davon aus, dass den Investoren das erspart bleibt. Das Geldhaus hält in seinem jüngsten Ausblick die positive Einschätzung für Rohstoffe aufrecht. Demnach werden Gold, Aluminium, Zink und Kupfer in diesem Jahr neue mehrjährige Hochs erreichen.

Das wirkt fast wie eine Beruhigungspille, nachdem die Notierungen für Aluminium und Kupfer zu Jahresbeginn zunächst stark unter Druck geraten waren. Auch beim weltweit größten Kupfer-Produzenten Codelco ist der Ausblick positiv. „Der Preis von Kupfer reagiert auf sehr starke und solide Nachfrage, vor allem aus Asien und China“, sagt der Vizepräsident bei Codelco, Juan Villarzu. „So lange die Wirtschaft in China so weiter wächst, und die Volkswirtschaft in Indien ebenfalls, werden wir hohe Preise sehen.“ Das staatliche Informationszentrum der chinesischen Regierung sagt für dieses Jahr einen Anstieg der Stahlnachfrage von acht Prozent vorher. Und Chinas Regierung ist dafür bekannt, dass ihre Prognosen in der Regel eher vorsichtig ausfallen.

Der Renner unter den Rohstoffen dürfte im laufenden Jahr Kokskohle werden. Manch ein Analyst erwartet, dass sich deren Preis sogar verdoppeln wird, weil China seine meist mit Kohle gefeuerten Kraftwerke alle zwölf Monate im Umfang einer australischen Jahresproduktion erweitert. Etwas ruhiger dürfte es bei Aluminium zugehen, das seine hohen Preise aber verteidigen sollte, weil China, der weltweit größte Produzent des Metalls, die stromhungrige Erzeugung drosselt, um das drastische Energiedefizit im Land zu reduzieren. Bei Kupfer wiederum sorgt der kaum gebremste Bauboom in der Volksrepublik weiterhin für Phantasie. Der weltweit größte Kupfer-Konsument – China verschlingt etwa 20 Prozent des globalen Bedarfs – treibt die Kapazitätsengpässe bei Schmelzanlagen und Raffinerien auf die Spitze. Jede Störung kann zu einer Preiseruption führen.

Auch bei Nickel und Zink wird der China-Faktor stark nachhelfen und dafür sorgen, dass die Notierungen relativ stark bleiben. Zink wird vor allem in der Stahlproduktion nachgefragt. Und China wird die Produktion von galvanisiertem Stahl im kommenden Jahr von fünf auf neun Millionen Tonnen nahezu verdoppeln.

Nicht zuletzt dürfte China auch beim meistbeachteten Rohstoff – dem Öl – für einen anhaltenden Preisboom sorgen. Hier könnte China sogar eine konjunkturelle Beruhigung in den USA zu einem guten Teil abfangen, weil es zum weltweit zweitgrößten Konsumenten des „Schwarzen Goldes“ aufgestiegen ist und seine Importe in diesem Jahr mit 20 Prozent mehr als doppelt so schnell zunehmen wie das gesamtwirtschaftliche Wachstum. China baut seit diesem Jahr eine eigene strategische Reserve auf. Und jede Preissenkung dürfte die Chinesen animieren, die Aufstockung zu beschleunigen.

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