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27.02.2013

15:07 Uhr

Ein Insider packt aus

Wie ein Drückerkolonne für Aktien

An der Wall Street geht es nicht zimperlich zu. Mit fragwürdigen Methoden werden massenweise Aktien verhökert, während aus Lautsprechern Musik aus „Rocky“ läuft. Ein junger Broker berichtet über seine Erfahrungen.

Die Junior-Broker müssen am Tag rund 500 Anrufe tätigen. Sie haben keinen Computer und müssen stehen. AP/dpa

Die Junior-Broker müssen am Tag rund 500 Anrufe tätigen. Sie haben keinen Computer und müssen stehen.

New YorkEine Annonce im Internet brachte Nicholas Gwiazda an die Wall Street. Das Angebot: ein Posten als Junior-Broker bei John Thomas Financial. Nach einem Bewerbungsgespräch im September und einem Rundgang über die Marmorböden in den Büros der Firma, gleich gegenüber der New York Stock Exchange (NYSE), bekam der 24-Jährige die Stelle. Als Lohn stellte man ihm hunderttausende Dollar pro Jahr in Aussicht. Davon sollte der junge Mann allerdings nicht viel sehen.

Was sich wie ein Traumjob an der Wall Street anhörte, stellte sich in der Praxis eher als Drückerkolonne für Wertpapiere heraus. Gwiazda erhielt ein Telefon. Ihm wurde gesagt, er solle wildfremde Leute im ganzen Land anrufen und ihnen erklären, ein Senior-Broker werde sich in Kürze mit einer guten Investmentidee melden.

„Ganz ehrlich, das war nichts anderes als ein besseres Call-Center“, erinnert sich Gwiazda, der seinen Arbeitsplatz schon nach drei Monaten wieder verlor.

Die besten Börsenfilme

Rang 1

Wall Street I

Hauptdarsteller: Charlie Sheen und Michael Douglas
Jahr: 1987
Der Klassiker der Börsenfilme, in dem der Wall-Street-Guru Gordon Gekko seinem Jünger beibringt, dass es immer „nur um die Kohle geht“. Ein Film der die Gier kritisiert - und ein bisschen vergöttert.

Rang 2

Wolf of Wall Street

Hauptdarsteller: Leonardo Di Caprio
Jahr: 2014
Aufstieg und Fall des Börsenmaklers Jordan Belfort. Mit krummen Börsengeschäften und Geldwäsche wird Belfort in den 1990er-Jahren zum Millionär. Er feiert eine einzige Orgie mit Parties, Sex und Drogen. Doch die Ermittler sind ihm auf der Spur. Basiert (weitgehend) auf wahren Begebenheiten. Regie führte Martin Scorsese.

Rang 3

High Speed Money

Hauptdarsteller: Ewan McGregor und Anna Friel
Jahr: 1999
Ein Film über die Pleite der Barings Bank und die Rolle, die die Börsengeschäfte des Nick Leeson dabei spielten. Basierend auf einer wahren Geschichte und dem Buch von Nick Leeson.

Rang 4

Margin Call – Der große Crash

Hauptdarsteller: Kevin Spacey und Paul Bettany
Jahr: 2011
Ein Mitarbeiter einer Großbank entdeckt eine Menge fauler Papiere bei seiner Bank. Damit die Bank nicht pleitegeht, müssen die „faulen Eier“ schnell das Nest verlassen - egal um welchen Preis.

Rang 5

American Psycho

Hauptdarsteller: Christian Bale und Justin Theroux
Jahr: 2000
Der Investmentbanker Patrick Bateman möchte zur Elite gehören. Nichts ist ihm wichtiger als materieller Reichtum. Doch er hat ein Problem: In seinen Depressionen tötet er wahllos Obdachlose und Prostituierte - denkt er.

Rang 6

Die Glücksritter

Hauptdarsteller: Dan Aykroyd und Eddie Murphy
Jahr: 1983
Die steinreichen und exzentrischen Gebrüder Duke, beides Warentermin-Börsenmakler, schließen eine Wette ab und wollen sehen, ob Erfolg angeboren ist. Dazu tauschen sie ihren Vorstandsvorsitzenden gegen einen Bettler ein. Doch der Bettler hat auch ein Wörtchen mitzureden.

Rang 7

Inside Job

Hauptdarsteller: Matt Damon (Erzähler im engl. Original)
Jahr: 2010
Ein Dokumentarfilm über die Finanzkrise 2007. Der Film bekam 2011 einen Oskar für den besten Dokumentarfilm. Der Name des Films verrät dabei schon, worum es geht: Inside Job ist die englische Bezeichnung für den Fall, wenn ein Insider seinem Unternehmen schadet.

Rang 8

Das Geld anderer Leute

Hauptdarsteller: Danny DeVito und Gregory Peck
Jahr: 1991
Eine Filmkomödie, in der der „Liquidator“ Konkurrenten aufkauft und ausschlachtet. Doch an einem Fall hat er besonders zu knabbern, denn er verliebt sich in die feindliche Anwältin. Schlüsselszene ist die Aktionärsversammlung der Firma, die übernommen werden soll.

Rang 9

Let’s make Money

Regie: Erwin Wagenhofer
Jahr: 2008
Dokumentarfilm über das System der Finanzwirtschaft - und wie man sein Geld für sich arbeiten lassen kann.

Rang 10

Enron – The smartest guys in the room

Hauptdarsteller: Peter Coyote (Erzähler)
Jahr: 2005
Ein Dokumentarfilm über eine der größten Firmenpleiten der USA. Eine Geschichte über Bilanzbetrug und geheime Machenschaften.

Rang 11

Wall Street 2

Hauptdarsteller: Michael Douglas und Shia LaBeouf
Jahr: 2010
Die Fortsetzung des Klassikers „Wall Street“. Gordon Gekko tritt wieder auf den Plan, nur etwas älter. Schließlich hat er die letzten 23 Jahre im Gefängnis verbracht.

Rang 12

Risiko - Der schnellste Weg zum Reichtum

Hauptdarsteller: Giovanni Ribisi und Vin Diesel
Jahr: 2000
Um bei seinem Vater Eindruck zu schinden, übernimmt Seth Davis eine Stelle aus Börsenmakler. Dort erfährt er, dass die hohen Gewinne der Firma mit illegalen Methoden erwirtschaftet werden.

Rang 13

Kapitalismus – eine Liebesgeschichte

Regie: Michael Moore
Jahr: 2009
Dokumentarfilm des USA-Kritikers Michael Moore. Ganz im Stile Moores wird hier kein Blatt vor den Mund genommen und die USA mit dem alten Rom verglichen: Brot und Spiele, damit das Volk ruhig bleibt und die Finanzmachenschaften der Elite nicht mitbekommt.

Rang 14

The Bank

Hauptdarsteller: David Wenham und Anthony LaPaglia
Jahr: 2001
Der Chef einer Bank wird auf einen Mathematiker aufmerksam, der mit Hilfe einer Software die Börsentrends vorhersagen kann. Die beiden schließen ein Bündnis der Gier, das nicht lange halten kann.

John Thomas Financial ist kein unbekannter Name. Die Firma, gegründet 2007 von Anastasios „Tommy“ Belesis,  beschäftigt ein Heer von rund 200 Brokern in einem sogenannten „Boiler Room“. Dort stehen Trainees mitunter 14 Stunden pro Tag und bellen auswendig gelernte Verkaufsmaschen ins Telefon, teils für 300 Dollar pro Woche. Belesis ist in den USA zu einer medialen Persönlichkeit geworden, etwa mit Auftritten im Wirtschafts-TV, Empfehlungen von Promis und einer Rolle in dem Film „Wall Street: Money Never Sleeps“.

Doch nun steht Belesis eher ungewollt im Rampenlicht: Die Aufsichtsbehörde Financial Industry Regulatory Authority teilte ihm im vergangenen Monat mit, dass sie womöglich ein Disziplinarverfahren gegen ihn einleiten wird. Er soll den Preis einer Aktie künstlich nach oben getrieben haben.

Die „New York Post“ schrieb, dass das FBI bereits mehrere Ex-Mitarbeiter interviewt hat. Robert Bursky, ein Anwalt der Firma, erklärte, das Unternehmen sei sauber. Es gebe keine Hinweise auf eine FBI-Untersuchung.

Kommentare (6)

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Callcenteragent

27.02.2013, 15:23 Uhr

„Ganz ehrlich, das war nichts anderes als ein besseres Call-Center“, erinnert sich Gwiazda, der seinen Arbeitsplatz schon nach drei Monaten wieder verlor.

Warum _besseres_ Callcenter??

abc

27.02.2013, 15:59 Uhr

Zitat: Die Junior-Broker müssen am Tag rund 500 Anrufe tätigen

Halte ich für zweifelhaft. Ein Arbeittag mit 8 Stunden hat nur 480 Minuten. Und selbst wenn die 16 Stunden am Tag, 2 Minuten für ein Telefonat sind zu wenig.

Account gelöscht!

27.02.2013, 21:22 Uhr

Der Bericht schildert doch nur die Funktionsweise der Finanzbranche. Junge "Drücker" werden mit sehr hohen "Einkommensmöglichkeiten" geködert und machen dann die Drecksarbeit und leben unterhalb des Hartz IV Niveaus. Bis sie eben wieder hin schmeissen.

Schlimm finde ich, dass sie den ganzen Tag Red Bull trinken müssen. Das ist wiederwärtig.

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