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10.10.2014

16:44 Uhr

Einbrüche bei Rocket und Zalando

Europas IPO-Markt kühlt sich ab

2014 hatte so euphorisch angefangen, doch nun kühlt Europas IPO-Markt wieder ab. Aktien, die vor dem Börsengang gefragt waren, sind nach ihrem Debüt in Ungnade gefallen. Andere Unternehmen haben Rückzieher gemacht.

Die Zalando-Aktie war vor dem IPO sehr gefragt, ist danach aber deutlich eingebrochen. dpa

Die Zalando-Aktie war vor dem IPO sehr gefragt, ist danach aber deutlich eingebrochen.

Alles dreht sich um die Bewertung, wie Investoren in europäische Börsengänge in letzter Zeit schmerzlich erfahren mussten. Aktien, die vor dem IPO sehr gefragt waren, sind nach ihrem Debüt in Ungnade gefallen und zum Teil deutlich eingebrochen. Das gilt vor allem für Technologiewerte.

Ein Beispiels sind die beiden deutschen Unternehmen Rocket Internet AG und Zalando SE, deren Börsengänge Anfang dieses Monats mehrfach überzeichnet waren. Beide Aktien notieren mittlerweile mehr als 16 Prozent unterhalb ihres Ausgabepreises – nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Verunsicherung am Aktienmarkt. Sie dürften nicht die einzigen bleiben, die in Mitleidenschaft gezogen werden.

„Wenn wir in die Zukunft schauen, werden wir auf europäischem und weltweitem Niveau wahrscheinlich etwas mehr Volatilität im Markt sehen”, sagt Adam Kostyal, Chef für europäische Listings bei Nasdaq OMX Group Inc.

In den vergangenen zwei Wochen haben bereits die italienische Werbeagentur ItaliaonLine SpA, der schottische Hausbauer Miller Group Ltd. und der französische Unternehmens- Dienstleister Spie SA IPOs abgesagt. Alle nannten die Instabilität am Markt als Grund.

Angesichts der aktuellen geopolitischen Spannungen könnten weitere Unternehmen ihre Vorhaben streichen, sodass das vierte Quartal in deutlichem Gegensatz zu den ersten neun Monaten des Jahres stehen könnte.

Dabei hatte 2014 so euphorisch angefangen: Von Januar bis Ende September sammelten 289 Unternehmen insgesamt 40,3 Mrd. Euro an den europäischen Märkten ein. Das ist fast das Vierfache des Volumens im Vorjahreszeitraum, wie aus einem Bericht von PricewaterhouseCoopers LLP hervorgeht. Für die verbleibenden drei Monate wird mit IPOs über weitere 15 Mrd. Euro gerechnet, verglichen mit 14,8 Mrd. Euro im Vorjahr.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Nach wie vor den Sprung aufs Parkett plant der spanische Flughafenbetreiber Aena Aeropuertos SA, der sich um eine Bewertung von 5 Mrd. Euro bemüht.

„Angesichts des schwächeren wirtschaftlichen Umfelds wäre ich vorsichtig, hohe Bewertungen bei Neuemissionen zu zahlen”, sagt Neil Wilkinson, Fondsmanager für europäische Aktien bei Royal London Asset Management Ltd. „Die Entwicklung einiger der jüngsten IPOs – wie Rocket Internet – nach dem Marktstart scheint solche Bedenken zu rechtfertigen.”

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