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17.10.2013

11:30 Uhr

Einigung im US-Budgetstreit

Die große Party an den Börsen fällt aus

Die Akteure an den weltweiten Finanzmärkten haben erleichtert auf die Einigung im US-Haushaltsstreit reagiert. Doch nur in Fernost stiegen die Aktienkurse, in Europa gaben sie nach. Auch der Dollar erholte sich nur kurz

Börse am Mittag

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DüsseldorfIn letzter Minute haben Demokraten und Republikaner in den USA ihren Haushaltsstreit doch noch mit einem Kompromiss beigelegt. Für die Akteure an den weltweiten Finanzmärkten fällt damit für einige Monate ein großer Unsicherheitsfaktor weg. An den Aktienmärkten wäre nun zwar der Weg für weitere Kursgewinne frei. Doch kurz nach der befreienden Nachricht dominierten erst einmal Gewinnmitnahmen.

Die Einigung war erwartet worden. Die Börsen sind in den letzten Tagen ordentlich gestiegen, und nun nutzen die Anleger die Gelegenheit, ihre Gewinne mitzunehmen, sagte Philippe Gijsels, Analyst bei BNP Paribas Fortis Global Markets.

Der Dax verlor am Donnerstag 0,7 Prozent auf 8783 Zähler, nachdem er zuletzt von einem Rekord zum anderen geklettert war. In den letzten fünf Handelstagen summierte sich das Plus an der Frankfurter Börse auf fast vier Prozent. Der europäische Leitindex Euro Stoxx 50 gab nach seiner jüngsten Rally ebenfalls 0,7 Prozent nach.

So beeinflussen die USA die weltweiten Börsen

Warum steigen die Börsenkurse trotz des US-Haushaltsstreits?

Erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte knackte der Dax in dieser Woche die Marke von 8800 Punkten, auch an anderen Aktienmärkten ging es nach oben. Getrieben wurden die Kurse von der Hoffnung der Anleger, dass im Haushaltspoker in Washington noch eine Lösung gefunden wird. Doch das ist nicht der einzige Grund.

Was bewegt die Börsen sonst noch?

Die Notenbanken fluten die Märkte mit extrem billigem Geld, damit soll die Konjunktur angeregt werden. Die Hoffnung auf Kursgewinne und Dividenden in Zeiten extrem niedriger Zinsen locken Investoren seit Monaten an den Aktienmarkt. „Die Finanzmarktexperten bleiben optimistisch. Ein größerer Einfluss des Streits über die Schuldenobergrenze in den USA ist derzeit nicht sichtbar“, sagt ZEW-Präsident Clemens Fuest. Zudem sorgt der Beginn der Berichtssaison mit guten Zahlen einiger US-Konzerne für Lichtblicke.

Wie lange pumpen die Notenbanken noch billiges Geld in den Markt?

Ein rascher Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ist angesichts der schwachen Konjunktur weder bei der US-Notenbank Fed noch bei der Europäischen Zentralbank wahrscheinlich. Im Gegenteil: Die EZB hatte klar gemacht, dass sie den Geldhahn so schnell nicht zudrehen wird.

Hatte die Fed nicht die Drosselung ihrer Anleihenkäufe angekündigt?

Notenbankchef Ben Bernanke hatte im Juni in Aussicht gestellt, die Anleihenkäufe noch in diesem Jahr zurückzufahren und Mitte 2014 eventuell auslaufen zu lassen - vorausgesetzt, die Konjunktur zieht an. Doch die Fed kauft weiter jeden Monat Anleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar (63,6 Milliarden Euro). Da Etatstreit und Verwaltungsstillstand das Wachstum bremsen dürften, könnte der Einstieg in den Ausstieg auch in den USA noch auf sich warten lassen. „Wenn die Etatschlacht Wirtschaft und Finanzmärkte zu hart trifft, dürfte die Drosselung der Anleihenkäufe auf März verschoben werden“, schätzt Unicredit-Ökonomin Chiara Silvestre.

Was passiert, wenn es keine Einigung gibt?

Je länger die Hängepartie dauert, umso nervöser dürften die Märkte werden. Sobald ernsthafte Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der USA aufkämen, sei mit schwersten Erschütterungen zu rechnen, sagen Experten. Ökonom Brian Horrigan von Natixis Global Asset Management warnt vor einem Absturz: „Die Kombination aus einer Panik im Finanzsektor mit plötzlichen, tiefen Einschnitten bei den Staatsausgaben und steigender Unsicherheit könnten leicht zu einer Rezession führen.“ Die Ratingagentur Fitch droht den USA mit dem Verlust ihres Spitzenratings. Fitch fürchtet, dass die Regierung ihre Angestellten im schlimmsten Fall nicht mehr bezahlen kann und Sozialleistungen ausbleiben: „All das würde die Wahrnehmung der US-Kreditwürdigkeit sowie die Wirtschaft beschädigen.“ Für die Ratingexperten wäre aber am schlimmsten, wenn das Vertrauen in das System und in den Dollar als weltweite Reservewährung verloren ginge.

Wie lange kann die Hängepartie dauern?

An diesem Donnerstag ist die Schuldengrenze erreicht: Wenn sich die politischen Lager nicht auf eine Anhebung verständigen, dürfen sich die Vereinigten Staaten kein neues Geld mehr am Kapitalmarkt leihen. Mit dem Stichtag ist aber nicht automatisch Schluss: Dem Staat bleiben dann noch rund 30 Milliarden Dollar an Barreserven, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Das ist allerdings zu wenig, um zum Beispiel bald anstehende 60 Milliarden Dollar an Rentenzahlungen zu leisten. Ohne neue Kredite würde es danach richtig ernst, auch um die Zinsen und Tilgungen für US-Staatspapiere zu zahlen.

Ist bei einer Einigung alles im Lot ?

Das Image der USA als Weltmacht ist bereits angekratzt. Die Streitereien untergraben das Vertrauen in das Funktionieren des politischen Systems. Hinzu kommen ökonomische Folgen. „Untersuchungen zeigen, dass die Konjunktur durch einen Anstieg der politischen Unsicherheit zumindest vorübergehend erheblich gedämpft werden kann“, erklärt Ökonom Nils Jannsen vom Institut für Weltwirtschaft (IfW). Unternehmen hielten sich mit Investitionen zurück, Verbraucher zögerten größeren Anschaffungen hinaus. Erste Ökonomen haben bereits ihre Prognosen für die weltgrößte Volkswirtschaft gesenkt.

Was bedeutet das für die Anleger?

Die Börsen sind nervös. Am Dienstag sorgte die Hoffnung auf eine Einigung im Haushaltsstreit für einen Höhenflug. Doch die Luft ist dünn. Weil sich der Poker am Mittwoch hinzog, erstarrten die Börsianer wie das Kaninchen vor der Schlange. Privatanleger sollten sich derzeit also gut überlegen, ob sie ein- oder aussteigen wollen. Doch alternative Anlagen sind weiter unattraktiv. Das Sparbuch wirft so gut wie nichts mehr ab, Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität wie Deutschland bringen mickrige Erträge, meist unter der Inflationsrate.

In Asien reagierten die Anleger zunächst erleichtert, im Handelsverlauf bröckelten die Kurse dann aber wieder etwas ab. In Japan weiteten die Börsen den siebten Tag in Folge ihre Gewinne aus. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss 0,83 Prozent im Plus bei 14.586 Punkten. Der Index für die asiatischen Märkte außerhalb Japans erreichte den höchsten Wert seit fünf Monaten und gewann 0,56 Prozent auf rund 477 Punkte.

Am Devisenmarkt währte die Freude über einem Kompromiss im US-Haushaltsstreit nur kurz: Der Dollar verlor am Donnerstag 0,3 Prozent gegenüber der japanischen Währung, nachdem er zunächst auf ein Drei-Wochen-Hoch gestiegen war. Auch zum Euro verlor der Greenback an Boden - die Gemeinschaftswährung lag mit 1,3547 Dollar über ihrem New Yorker Vortagesschluss von 1,3534 Dollar.

Experten räumten zwar ein, dass es sich nur um eine vorläufige Lösung des Konflikts handle und die eigentlichen Streitpunkte zwischen Demokraten und Republikanern nicht beigelegt seien. Allerdings dürfte in den kommenden Tagen erst einmal wieder die anlaufende Bilanzsaison in den Vordergrund rücken, sagte Evan Lucas von IG in Melbourne. Helaba-Analyst Christian Schmidt erklärte, am Aktienmarkt habe man mehrheitlich auf die Vernunft der Streithähne gesetzt. Das habe sich als richtig erwiesen.


Kommentare (5)

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notmachterfinderisch

17.10.2013, 10:24 Uhr

Wenn schon ein Aufschub der Zwangsvollsteckung eine Entwarnung bedeutet, dann ist die Überschrift wohl rchtig gewählt. Ansonsten ist eigentlich gar nichts geregelt. Natürlich ist es wichtig, weiter zu verhandeln, aber ganau das machen die da ja schon seit mehreren Jahren! Ohne das bisher ein glaubwürdiges Konzept vorgelegt und abgenickt wurde. Das einzige woauf sich alle verständigen konnten ist der nackte Fakt, weiterhin Schulden zu machen wie bisher. Nur so kann man Amerika und den Rest der Welt am Leben halten. Wertschöpfung in den USA versteht sich in erster Linie darin, Geld zu drucken und das meine ich nicht einmal nur so als Spaß! Die ganze Welt hängt an diesem Tropf, weil es nur in den USA möglich und gesetzlich erlaubt ist, einfach nur Geld zu drucken, ohne Gegenwert! Den erhofft man sich später ausschließlich durch Konsum und damit auch hoffentlich nachlaufenden Investitionen. Die USA und alle Beteiligten und Sympatisanten dieser Verschuldungspolitik wissen genau, das Sparen nicht möglich ist! Deshalb wird gedruckt, weil die Wirtschaft angeblich ja den Schmierstoff benötigt. Aber ein Finanzierungsmittel der Wirtschaft ist das Sparen der Sparer. Wenn die nichts mehr bekommen für das Ersparte, dann wird das Geld verkonsumiert und zukünftige Generationen können sich dann ausschließlich nur noch über Gelddrucken Zuwachs erkaufen. Wir leben von einer Substanz, die absehbar gar nicht so vorhanden ist, wie man uns glauben machen will. Das ist tendenziell nicht überlebensfähig, auch wenn es im Moment die akute Not der Finanzmärkte lindert.

JJJ

17.10.2013, 11:42 Uhr

Das ganze Finanzsystem wird immer mehr aufgepumpt und irgendwann wird alles in sich zusammenbrechen. Die Fallhöhe wird bis dahin immer höher und der folgende Absturz umso heftiger werden.

Doch das wird noch ein paar Jahre dauern. Aber dann...

Account gelöscht!

17.10.2013, 14:36 Uhr

Ich werde wohl nie begreifen, wie man überhaupt in Partystimmung geraten sollte, nur weil die Schuldenlasten weiter aufgehäuft werden, bis zum unvermeidlichen Urknall und Zusammenbruch dieser nur künstlich geschaffenen Stabilitätsblase, welche immer noch jederzeit explodieren kann, vielleicht sogar sollte.

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