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16.09.2013

20:59 Uhr

Einsparungen

Irlands Anleiheinvestoren bleiben cool

Irland war bei der Umsetzung der Sparmaßnahmen im Rahmen seines Rettungspakets bislang ein Vorzeigeschüler. Nun droht eine kleine Rebellion in der Haushaltspolitik – Anleiheinvestoren stört das aber nicht.

Der stellvertretende irische Ministerpräsident Eamon Gilmore fordert Abweichungen des Defizitreduzierungplans. Anleiheinvestoren nehmen das gelassen. ddp images/Sascha Schuermann

Der stellvertretende irische Ministerpräsident Eamon Gilmore fordert Abweichungen des Defizitreduzierungplans. Anleiheinvestoren nehmen das gelassen.

Frankfurt/ MainDie für den Haushalt 2014 im Rettungspaket von 2010 festgelegten Einsparungen und Steuererhöhungen im Volumen von 3,1 Milliarden Euro sollten von der Regierung zurückgestutzt werden. Das forderte der stellvertretende Ministerpräsident Eamon Gilmore in der vergangenen Woche in einem Interview mit dem Radiosender RTE. Das wäre die erste Abweichung vom Plan für die Defizitreduzierung. Bondinvestoren nehmen es gelassen.

„So lange es weiterhin Fortschritte beim Defizitabbau gibt, steht vom Standpunkt des Marktes aus die Glaubwürdigkeit der Regierung nicht in Frage“, sagt Dermot O'Leary, Ökonom bei Goodbody Stockbrokers in Dublin. Aus Sicht der Iren könnten Signale, dass die Einsparungen nach fünf Jahren etwas gelockert werden, das Vertrauen ein bisschen stärken.

Irische Staatsanleihen haben innerhalb der Euro-Zone für die vergangenen zwölf Monate die drittbeste Entwicklung hinter Spanien und Griechenland vorzuweisen. Die irischen Finanzierungskosten liegen auf Basis der zehnjährigen Rendite bei 3,98 Prozent. Das sind 54 Basispunkte weniger als Italien bezahlen muss, das ein Rettungspaket vermeiden konnte.

Die Risikoprämie Irlands gegenüber zehnjährigen deutschen Bundesanleihen ist inzwischen auf 2,03 Prozentpunkte gesunken, nach einem Hoch bei 11,4 Prozentpunkten im Juli 2011. Griechenland und Portugal, die ebenfalls Rettungspakete benötigten, zahlen Risikoprämien von 8,30 Prozentpunkten und 5,25 Prozentpunkten, wie Daten von Bloomberg zeigen.

Irland plant zum Jahresende wieder den vollständigen Zugang zum Kapitalmarkt an, dann läuft das Rettungspaket im Volumen von 67,5 Milliarden Euro aus. Daher sei es nun vielleicht nicht gerade der richtige Zeitpunkt, um mit den Sparanstrengungen nachzulassen, sagt Philip O'Sullivan, Ökonom bei Investec. „Wir stimmen mit den jüngsten Forderungen nach einem veränderten Tempo beim Konsolidierungskurs nicht überein“, weil eine Veränderung der Haushaltsstrategie zu dem Zeitpunkt, da das Land das Troika-Programm hinter sich lassen will, die Stimmung am Markt beeinträchtigen könnte.

Finanzminister Michael Noonan wird den Haushalt 2014 im Oktober dem Parlament vorlegen. Bis Ende 2015 sind Einsparungen von 33,4 Milliarden Euro geplant und die Regierung hat dreiviertel davon bereits vollbracht. Weitere 3,1 Milliarden Euro sollen laut Plan 2014 eingespart werden und nochmals 2,0 Milliarden Euro 2015.

Kommentare (3)

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Alle-Zahlungsziele-versaeumt

16.09.2013, 21:45 Uhr

Der angebliche "Musterschüler" Irland versäumte selbst die Mindestzahlungsziele und erpresste weitere volle 25 Jahre Tilgungsfreiheit bei der EZB...

... während die ESM-Drückerkolonne von einer Rückkehr an den Kapitalmarkt fabuliert.

Irlands Staatsverschuldung vervierfachte sich, als eine korrupte Regierung die Spielschulden des Bankensektors kurzerhand auf die Staatskasse abwälzte.
Die irische Bevölkerung wurde dabei ruhig gehalten mit der augenzwinkendernden Zusage, die Lasten anschließend auf die EU abzwälzen.
Seither wird in ESM-Europa das Märchen vom Musterschüler Irland verbreitet, um die Bürger der Zahlstaaten bei Laune zu halten.

Die Realitätsverleugnung der ESM-Handlanger in Bundestag und Regierung übertrifft mittlerweile die Elendsliga (zu Recht) untergegangener Ostblockstaaten.

Entlarvende-Telefonmitschnitte

16.09.2013, 21:52 Uhr

Im Artikel "Irische Pleitebanker haben den Staat betrogen" zitierte die FAZ am 25.06.2013 aus den Telefonmitschnitten zwischen Irlands Betrugsbankern.

Zitat:

" Der Leiter des Kapitalmarktgeschäfts der Bank, John Bowe, sagte einem Kollegen, ANGLO IRISH habe der Zentralbank einen Bedarf für einen Überbrückungskredit von 7 Milliarden Euro gemeldet, um die Pleite abzuwenden. Diese Summe sei frei erfunden: Er habe sie sich „aus dem Arsch gezogen“, sagte Bowe. Tatsächlich brauche ANGLO IRISH mehr Geld...

Als Kapitalmarktchef Bowe in einem Telefonat ... erwähnte, dass man der Zentralbank versprochen habe, den Überbrückungskredit sob ald wie möglich zurückzuzahlen, brach er in Gelächter aus: „Ich muss mir gleich die Unterwäsche wechseln!“ ...

... „Deutschland, Deutschland über alles“ fing Bowe zu singen an und lachte herzhaft. Am anderen Ende der Leitung saß Vorstandschef David Drumm. Er witzelte darüber, wie seine Bank die staatliche Garantieerklärung „missbrauche“." ...

(Zitat Ende)

Irlands Eurorettung ist ein Betrugsmodell ...

Bankenstrich-statt-Politik

16.09.2013, 22:00 Uhr

Irland:

Bisher 85 Mrd. "Eurorettung" für die Briefkastenökonomie von US-Steuernomaden:

70% der Direktinvestitionen in Irland stammen von US-Unternehmen wie Pfizer, Microsoft oder Apple.

Irlands Geschäft besteht darin, durch Lizenzakrobatik +Scheinaktivitäten Gewinne von realen Konzern- und Leistungsorten wegzuverlagern:
Hin zu Steueroasen wie den Caymans (Facebook) oder den Bermudas (Google).
Irland dient dabei als "Zwischenlager" solcher Gewinne, da eine Verlagerung auf direktem Weg regulatorisch unterbunden ist.
Die Konstruktion ist als "Double Irish" bekannt. Fährt das Geld einen weiteren Umweg über die Niederlande, spricht man von einem "Dutch Sandwich".

Der jährl.Schaden für den US-Fiskus übersteigt 60 Mrd USD. Google dagegen erfreut sich an Steuerquoten um 2,4%. Das Modell ist so legal, wie es eine gekaufte Gesetzgebung nur sein kann.

Irlands Steuerschieber lösten einen Ansiedlungsboom mit Immobienblase aus. Diese detonierte in den Bilanzen der Banken dort.
In Irland wird nun mit 85 Mrd."Eurorettung" ein parasitärer Steuerschieberbahnhof gerettet.

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