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18.06.2015

17:03 Uhr

Elumeo

Billigschmuck aus dem Werbe-TV für die Börse

VonMiriam Schröder

Ein Schmuck-Start-up aus Berlin will zum Börsen-Juwel werden. Das von Elumeo verkaufte Geschmeide kommt aus Thailand, der Vertrieb erfolgt über Internet und TV-Sender. Und der Boss ist nicht der typische Firmengründer.

Elumeo betreibt zum Vertrieb auch einen eigenen TV-Kanal. PR

Werbe-TV von Elumeo

Elumeo betreibt zum Vertrieb auch einen eigenen TV-Kanal.

BerlinEin Edelstein muss nicht groß sein, um als wertvoll zu gelten. Erst im Mai versteigerte das Auktionshaus Sotheby’s in Genf einen Rubin, eingefasst in einen Cartier-Ring, für umgerechnet 27 Millionen Euro.

Mehr als doppelt so viel Geld will ein kleines Unternehmen aus Berlin-Kreuzberg in den nächsten zwei Wochen an der Frankfurter Börse einsammeln. Die Elumeo SE macht gerade mal 70 Millionen Euro Umsatz – mit Edelsteinschmuck, verkauft über die Webseite Juwelo.de und im Fernsehen – über einen eigenen Verkaufskanal namens Juwelo TV. Es sind allerdings keine Cartier-Ringe, die dort verkauft werden. Einen einkarätigen Rubin-Ring bekommt man schon für 49 Euro.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Der Kopf des Unternehmens heißt Wolfgang Boyé und sieht nicht aus wie der typische Berliner Start-up-Gründer. Der ist im Durchschnitt gerade Mitte 20, kommt frisch von der Elite-Uni, trägt Gel in den Haaren und einen Plan in der Tasche, mit dem er schnurstracks die Welt erobern will. Boyé ist 45, hat eine wuschelige Frisur und in seinem Leben schon so Einiges gemacht. BWL-Studium, Berater-Karriere, ein paar Jahre in Moskau, dann in die Werbeagentur Scholz & Friends. Elumeo ist nicht am Reißbrett entstanden. „Wir hatten nicht die eine, große Idee“, sagt Boyé. „Wir haben viel ausprobiert und das, was wir jetzt machen, für gut befunden.“

Es war um die Jahrtausendwende, als alle Welt sich fragte, ob und wie mit der Digitalisierung jemals Geld zu verdienen sei. Bei Scholz&Friends hatten sie einen Fernsehsender, den Spreekanal, der TV und Internet zusammenbringen sollte. Geld brachte das nicht ein, also verkaufte das Unternehmen den Kanal. Der Käufer hieß Wolfgang Boyé. Mit zum Team gehörte Thomas Jarmuske, der Leiter des Senders. Dann stieß noch Boris Kirn dazu, der für HP im Silicon Valley gearbeitet hatte und Start-up-Luft geschnuppert hatte.

Gründer Wolfgang Boyé (M.) im Kreise seiner Mitstreiter. PR

Elumeo-Führungscrew

Gründer Wolfgang Boyé (M.) im Kreise seiner Mitstreiter.

Jetzt hatten die drei ein Start-up in einem Kreuzberger Hinterhof, genauer gesagt, einen Vertriebskanal, über den sie dies und das verkauften, aber noch kein margenstarkes Produkt. Durch Zufall stießen sie auf einen Schmuckhändler, Don Kogen, der Edelsteine aus Thailand zu günstigen Preisen in die westliche Welt verkaufte. Und nach und nach wurde alles klar.

Eine reine Verkaufsplattform wollten sie nicht sein. „Das Internet erhöht die Transparenz für den Kunden. Und je höher die Transparenz wird, desto wichtiger wird die Bedeutung des Herstellers“, erklärt Boyé. Sie gründeten ein Joint Venture. Die thailändische Familie von Don Kogen brachte vier Millionen Euro in das Unternehmen ein, damit bauten sie eine Schmuckproduktion in Chanthaburi im Norden von Thailand auf, einem Zentrum für den Edelsteinhandel.

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