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18.07.2013

11:34 Uhr

Emerging Markets

Warum China-Wetten oft nicht aufgehen

Chinas Wirtschaft wächst – und das seit 20 Jahren. Doch wer als ausländischer Anleger in China investiert, hat oft keine guten Karten: zu viel Staat und schlechte Unternehmensführung. Was Anleger wissen sollten.

Die Tsingtao-Brauerei gab 1993 als erstes chinesisches Unternehmen Aktien an internationale Investoren heraus. Sie zählt zu den chinesischen Unternehmen, in die zu investieren es für internationale Anleger gelohnt hat. ap

Die Tsingtao-Brauerei gab 1993 als erstes chinesisches Unternehmen Aktien an internationale Investoren heraus. Sie zählt zu den chinesischen Unternehmen, in die zu investieren es für internationale Anleger gelohnt hat.

Vor 20 Jahren ging die die Tsingtao-Brauerei als erstes chinesisches Unternehmen an die Börse. Seitdem ist ihr Kurs um über 1400 Prozent gestiegen - ein seltener Glücksfall für die Investoren, wie der Rückblick auf den chinesischen Aktienmarkt zeigt. Denn: Zwar profitieren Milliarden von Menschen von dem anhaltenden Boom der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Für die Anleger haben sich die Investments in Aktien chinesischer Unternehmen aber selten gelohnt.

In den vergangenen 20 Jahren haben Anleger mit Investments in chinesische Aktien Erträge von weniger als einem Prozent jährlich erzielt - ein Sechstel dessen, was sie mit US-Staatspapieren erhalten hätten. So entwickelte sich der MSCI China Index war alles andere als zur Freude der Investoren: Seit die Tsingtao Brauerei 1993 als erstes Unternehmen vom chinesischen Festland Aktien bei internationalen Anlegern in Hongkong platzierte, hat er nur 14 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: der Standard & Poor's 500 Index kommt im gleichen Zeitraum auf ein Plus von 452 Prozent, der MSCI Emerging Markets Index auf 322 Prozent und US-Treasuries auf 86 Prozent. Unter den zehn größten Märkten hat lediglich der MSCI Japan Index schlechter abgeschnitten. Er kommt auf ein Minus von rund einem Prozent.

Brics - die wichtigsten Fakten

Wirtschaftsmacht

Die fünf führenden Schwellenländer, das sind Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, stehen für 21 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Die Dynamik ist enorm: Sie haben ihren Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen 15 Jahren verdreifacht.

Bevölkerung

43 Prozent der Weltbevölkerung leben in den Brics-Staaten. Allein in China und Indien leben jeweils deutlich mehr als eine Milliarde Menschen.

Währungsreserven

Zusammen kommen die Staaten auf die gigantische Summe von 4,4 Billionen Dollar. China sitzt auf den mit Abstand größten Devisenreserven der Welt.

Handel

Der Handel zwischen den Brics-Staaten erreichte 2012 einen Wert von 282 Milliarden Dollar. Bis 2015 dürfte er auf 500 Milliarden Dollar steigen, sagen Experten voraus. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag das Volumen lediglich bei 27,3 Milliarden Dollar.

Wohlstandsgefälle

Obwohl alle Brics-Staaten kräftig wachsen, sind die Unterschiede sehr groß. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug im vergangenen Jahr in China 6094 Dollar, in Brasilien 12.340 Dollar, in Russland 13.765, in Indien 1592 Dollar und in Südafrika 7.636 Dollar.

Die Entwicklung Chinas hin zu einer Marktwirtschaft hat das Pro-Kopf-Einkommen der Einwohner um 1074 Prozent ansteigen lassen, die Unternehmen des Landes haben über Aktienplatzierungen in Hongkong mindestens 195 Mrd. Dollar eingenommen. Aber Anleger, die 695 Mrd. Dollar investiert haben, sehen ihre Erträge geschmälert. Grund: Sorgen wegen der Unternehmensführung, um den Wettbewerb und staatliche Eingriffe.

Zwar gewährt das Land derzeit den  Investoren wie noch nie zuvor Zugang zu seinen lokalen Kapitalmärkten. Für einige Investoren müssten die Bewertungen allerdings noch weiter sinken, damit sie chinesische Aktien wieder kaufen. „China ist ein typisches Beispiel dafür, dass ein gutes Bruttoinlandsprodukt noch keinen guten Aktienmarkt ausmacht“, sagt etwa der Fondsmanager Nicholas Yeo von Aberdeen Asset in Hongkong. „Die fehlende Qualität bei der Unternehmensführung ist einer der Hauptgründe für uns, warum Unternehmen sich langfristig nicht gut entwickeln.”

Das fehlende Vertrauen der Anleger in Unternehmen zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt zeigt auch die Entwicklung des MSCI China Index in diesem Jahr. Seit Jahresbeginn hat der Index in Hongkong 9,2 Prozent verloren. Dabei ist die chinesische im zweiten Quartal um 7,5 Prozent gewachsen. Nach einem Hoch im Januar büßte der Index, der mit Bank of China und dem Energieriesen PetroChina  eine der größten Unternehmen der Welt erfasst, 22 Prozent ein. Der MSCI China notiert beim 9,3-Fachen der berichteten Gewinne, verglichen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 für den S&P 500 Index  und von 11 für den MCSI Emerging Markets. Es  ist der größte Abschlag seit September 2003, wie Bloomberg-Daten belegen.

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