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23.05.2011

11:26 Uhr

Ende einer Ära

Leise Parkettrevolution an der Frankfurter Börse

VonChristian Panster, Christian Schnell

Im Handelssaal der alten Frankfurter Börse ändert sich ab heute einiges. Die Deutsche Börse baut ihren Präsenzhandel um: Aus Kursmaklern werden künftig Spezialisten. Die Anleger dürften davon profitieren.

Parketthandel der Deutschen Börse: Das klassische Maklersystem hat ausgedient. Quelle: dapd

Parketthandel der Deutschen Börse: Das klassische Maklersystem hat ausgedient.

Frankfurt„Noch vor 20 Jahren hätte man hier keine Podium aufbauen können, da wurde der Platz gebraucht“, sagte Michael Best, Chef der ARD-Börsenredaktion, in seiner Laudatio, ehe es heute morgen auf dem Frankfurter Parkett erstmals nach über 425 Jahren nicht mehr mit Kursmakler, sondern mit dem Computersystem Xetra gehandelt wurde. Dass man jetzt also ein Podium aufbauen konnte, hängt schlicht mit der Situation zusammen, dass die Massen an Händlern früherer Jahre längst vom Frankfurter Parkett verschwunden sind. Der meiste Handel findet bei den Banken in Sälen statt, die teilweise die Größe von Fußballfeldern erreichen.

Fast unbemerkt hat die Deutsche Börse in den vergangenen Monaten die Reform ihres Parketthandels vorangetrieben. Während die Finanzwelt darüber rätselt, ob die geplante Fusion des Dax-Konzerns mit der New Yorker Börse (Nyse Euronext) tatsächlich klappen wird, scheint die kleine Parkettrevolution nur am Rande zu interessieren.

Das Parkett, das viele Deutsche noch immer als „die Börse“ kennen, gibt es seit Jahren schon vor allem für das Fernsehen. Um schöne Bilder in die Wohnzimmer der Republik zu senden, wurde der altwürdige Börsensaal erst vor vier Jahren in ein modernes Ambiente mit weißen Tresen und grauen Wandvertäfelungen umgestylt. Im nächsten Schritt sind jetzt die Händler selbst dran, sind an die neuen Zeiten anzupassen. Haben sie bisher Angebot und Nachfrage zu Kursen zusammengeführt, so macht die Kurse jetzt der Computer. Der Händler, der jetzt Spezialist heißt, kontrolliert nur noch, beispielsweise ob das auch plausibel ist, was da läuft. Außerdem hilft er mit eigenem Geld nach, wenn bei kleinen Aktien mal wieder kein Kurs zusammen zu kommen scheint.

Das alles ist vor allem Kulisse für die acht Fernsehsender, die darüber auf den Balkonen feste Studios haben und von Früh bis in die Nacht von dort berichten. Den Abschluss macht übrigens das ZDF Heute-Journal. Meist ist es schon nach 22 Uhr, wenn Franz Zink auf Sendung geht. Dabei ändert sich ab heute einiges im Handelssaal der alten Frankfurter Börse.

Jetzt hat die Börse den Parketthandel vollständig auf das vollelektronische System Xetra umgestellt. Während die Maklerfirmen zuletzt an einem durchschnittlichen Börsentag Wertpapiere im Gegenwert von 250 Millionen Euro vermittelten, bringt es Xetra auf mehr als fünf Milliarden Euro.

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