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23.03.2006

07:00 Uhr

Energiekonzerne

Linke Tasche, rechte Tasche

VonUlf Sommer

Sind auch Ihnen die Stromrechnungen zu hoch? Senken können wir sie nicht. Aber es lohnt sich, über ein attraktives Gegengeschäft an der Börse – Hedging genannt – nachzudenken.

Die hohen Rechnungen sind auch deshalb ärgerlich, weil die Gewinne der Energiekonzerne ebenso rasant zulegen. Das erscheint ungerecht. Schließlich kann auch der Einzelhandel oder die Automobilindustrie bei teurerer Rohware ihre Endproduktpreise nicht eins zu eins erhöhen. Sofort wäre ein billigerer Konkurrent zur Stelle.

Und doch gibt es eine Möglichkeit, sein Gemüt zu kühlen: Als Teilhaber eben jener Unternehmen, die prächtig an der teureren Energie verdienen, kann man sich einen Teil der Mehrkosten beim Strom zurückholen.

Am geeignetsten scheint Eon. Nicht nur, weil der größte deutsche Versorger mit mehr als sieben Milliarden Euro im letzten Jahr mehr verdiente als jeder andere börsennotierte deutsche Konzern. Nein, wenn schon nicht seine Kunden, so beschenkt er seine Anteilseigner reichlich. Nach der Hauptversammlung am 4. Mai gibt es für jeden Aktionär sieben Euro pro Aktie. Das ist eine Rendite von mehr als sieben Prozent.

Auch wenn die Ausschüttung in diesem Jahr durch eine Sonderausschüttung nach dem Verkauf der Degussa-Beteiligung überdurchschnittlich ausfällt: Wer eine Schwäche für die Börsenweisheit hat, wonach sich dividendenträchtige Aktien besser als der Gesamtmarkt entwickeln – in den vergangenen Jahrzehnten war es immer so –, ist bei Eon gut bedient. Traditionell verteilt der Düsseldorfer Energieriese viel Geld. Und die Aktie hat den Dax zuletzt stets abgehängt, egal ob kurzfristig oder auf Sicht von drei, fünf oder zehn Jahren.

Doch nicht nur die Vergangenheit und die üppigen Dividenden sprechen für den Versorger. Auch die prall gefüllte Kasse und die Absicht, das Geld in lukrative Geschäftsfelder zu investieren, machen ihn interessant. 15 Milliarden Bares, üppige Kreditlinien und niedrige Zinsverpflichtungen angesichts erstklassiger Bonität bei den Ratingagenturen setzen Eon in die Lage, den großen Wettbewerber Endesa zu schlucken. Gelingt der Deal, erhalten die Deutschen Zugang zu Spanien und Lateinamerika. In beiden Märkten steigt der Stromverbrauch Jahr für Jahr kräftig an.

Doch selbst wenn der Deal am politischen Widerstand der Regierung in Madrid scheitert, braucht Aktionären nicht bange zu werden. Im Zweifel wird Eon seine Fühler nach einem Wettbewerber ausstrecken, um das viele Geld sinnvoll anzulegen. Das sorgt für neue Kursphantasie. Vor Endesa versuchte sich Eon bereits an Scottish Power, erlag dabei aber nicht der Verlockung, das Angebot von 16 Milliarden Euro weiter aufzustocken.

Eon ist also ein heißer Kandidat für moderne Schmerzbewältigung des gebeutelten Stromkunden. Ganz im Sinne der Umverteilung von der rechten in die linke Tasche.

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