Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.07.2016

11:09 Uhr

Eon-Abspaltung

Freie Bahn für den Uniper-Börsengang

VonFranz Hubik

Gegen den Beschluss des Energiekonzerns Eon, sich in zwei Teile aufzuspalten, sind keine Klagen eingegangen. Für Uniper, die neu gegründete Kraftwerksfirma, ist nun der Weg frei für den Börsengang im September.

Das von Eon abgespaltene Kraftwerksgeschäft geht im September an die Börse. Reuters

Uniper

Das von Eon abgespaltene Kraftwerksgeschäft geht im September an die Börse.

DüsseldorfEs ist das wohl kühnste Experiment, das die deutsche Wirtschaft derzeit zu bieten hat. Eon, der größte Energiekonzern des Landes, spaltet sich in zwei Teile auf. Auf der Hauptversammlung im Juni haben die Aktionäre des kriselnden Stromriesen die Zäsur mit einer überwältigenden Mehrheit von 99,7 Prozent bereits beschlossen.

Mehr als ein Monat später ist nun endgültig klar: Die Aufspaltung wird vollzogen. Kein Anteilseigner hat die Entscheidung angefochten. Binnen der einmonatigen Frist, innerhalb derer die Aktionäre gegen den Beschluss der Hauptversammlung hätten rechtlich vorgehen können, sind keinerlei Klagen eingereicht worden. Das teilte Eon am Mittwoch in einer schriftlichen Erklärung mit.

„Wir haben unsere Aktionäre davon überzeugt, dass die Transformation von Eon die richtige Antwort auf die Herausforderungen und Chancen der neuen Energiewelt ist“, sagte Johannes Teyssen. Der Eon-Chef hatte bereits Ende 2014 angekündigt, dass sich Eon künftig voll auf das Geschäft mit der Energiewende (Sonne, Wind, Netze und Vertrieb) fokussieren will, während Uniper, die neue Gesellschaft, sich um das darbende Geschäft mit konventioneller Energie (Kohle, Gas, Energiehandel) kümmert.

Die Börsengänge der Töchter von Eon und RWE

Energiewende sorgt für Veränderungen

Die von der Energiewende gebeutelten Energieriesen Eon und RWE treiben ihre Konzernumbauten voran. Eon hat die Kraftwerkstochter Uniper im September an die Börse gebracht, RWE brachte das Ökostromgeschäft Innogy im Oktober an den Aktienmarkt.

Die Unternehmen

Die Eon-Tochter Uniper hat ihren Sitz in Düsseldorf, beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter und erzielte nach Konzernangaben 2015 auf Pro-Forma-Basis ein Ebit von 0,8 Milliarden Euro und einen Nettoverlust von rund vier Milliarden Euro. Chef ist der ehemalige Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer.

Die RWE-Tochter Innogy hat ihren Sitz in Essen, beschäftigt knapp 40.000 Mitarbeiter und erzielte rein rechnerisch nach RWE-Angaben 2015 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro und einen Nettoergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Geführt wird das Unternehmen von RWE-Chef Peter Terium, der nach dem Börsengang den Chefposten des Mutterkonzerns abgegeben hat.

Das Geschäft

Uniper betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Europa und Russland mit rund 40 Gigawattt. Hinzu kommen Wasser- und Atomkraftwerke in Schweden sowie der Energiehandel.

RWE Innogy bündelt das Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb von Strom und Gas.

Die Börsengänge

Eon hat im Zuge eines Spin-Offs 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Börse gebracht und sie den eigenen Aktionären ins Depot gelegt. Einnahmen erzielt der Konzern dabei zunächst nicht. Eon will allerdings mittelfristig die restlichen Aktien versilbern, allerdings nicht vor 2018.

RWE und die neue Tochter Innogy brachten zunächst 23 Prozent der Anteile an die Börse. Später könnten weitere Anteile verkauft werden, RWE will aber die Mehrheit behalten.

Ausblick

Uniper steht von Beginn unter Druck. Der Konzern will bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro verkaufen und die Personalkosten senken.

Innogy erwartet stabile Geschäfte, da der größte Teil der Einnahmen, etwa für den Betrieb der Strom- und Gasnetze staatlich reguliert ist.

Seit Anfang 2016 ist Uniper operativ am Start. Im Herbst soll nun endgültig die Trennung von Eon eingeleitet werden. Bereits im September soll Uniper an die Börse gebracht werden. Dabei will Eon zunächst gut 53 Prozent der Aktien abgeben. Jeder Eon-Aktionär wird dann zusätzlich für jeweils zehn Anteilscheine eine zusätzliche Aktie von Uniper bekommen.

„Für Uniper öffnet sich damit der Weg in eine eigene Zukunft als selbstständiges Unternehmen, das mit einer fokussierten Strategie seine Stärken im klassischen Energiegeschäft voll ausspielen kann“, erklärte Eon-Chef Teyssen. Er gehe davon aus, dass der Börsengang im September erfolgreich vollzogen werde.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×