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17.08.2016

12:37 Uhr

Eon-Tochter Uniper

Kondome statt Kraftwerke

VonJürgen Flauger

Uniper hat kurz vor dem Börsengang ein pikantes Problem: Investoren, die im Internet nach der Eon-Abspaltung suchen, landen leicht bei einem Namensvetter. Der verfolgt allerdings ein völlig anderes Geschäftsmodell.

Links die Website des Erotikhändlers, rechts die der Eon-Tochter. (Klicken zum Vergrößern) Screenshots

Zwei Mal Uniper

Links die Website des Erotikhändlers, rechts die der Eon-Tochter. (Klicken zum Vergrößern)

DüsseldorfSeit Anfang des Jahres ist Uniper am Markt, im September will die Eon-Tochter sogar an die Börse. Firmenchef Klaus Schäfer kämpft vom Start weg aber mit einem ebenso grundsätzlichen wie großen Problem: Er hat alle Mühe, den Charme seines neuen Unternehmens heraus zu stellen. Uniper hat von Eon eben vor allem die notleidenden Kohle- und Gaskraftwerke übernommen – und die werden schnöde von Windrädern und Solaranlagen aus dem Markt gefegt. Schäfers Portfolio wirkt fantasielos und langweilig. Eine „sexy Story“, wie sie Investoren gerne haben, sieht jedenfalls ganz anders aus.

Vielleicht mögen die potentiellen Anleger also im ersten Moment sogar angenehm überrascht sein, wenn sie sich im Internet auf der – für ein deutsches Unternehmen durchaus naheliegenden – Internetseite „www.uniper.de“ verirren. Dort erwartet den Besucher das „Home of Adult Pleasure“ – hier soll die Lustbefriedigung von Erwachsenen ein Zuhause haben. Er kann nicht nur unter einer Vielzahl an unterschiedlichen Kondomen wählen, sondern aus einem umfangreichen Sortiment vom Gleitmittel über Massageöl bis zur einfachen Batterie, die Kunden für diverse Spielzeuge benötigen.

Milliardenabschreibungen auf Uniper: Bombe in der Eon-Bilanz

Milliardenabschreibungen auf Uniper

Premium Bombe in der Eon-Bilanz

Mit dem Uniper-Börsengang will Eon seinen Strategieschwenk krönen. Doch die Spaltung hat Folgen: Der Konzern muss Milliarden abschreiben – wegen unrealistischer Kalkulationen. Anleger müssen erneut mit Verlusten rechnen.

Für Vibratoren gibt es eine eigene Rubrik mit nicht weniger als 1158 Angeboten – vom „Silicone Love Rider“ bis zum „wasserdichten Rabbit“. Und eine weitere Rubrik kümmert sich speziell um Sexspielzeug für Damen – zum Beispiel „zarte Nippelklemmen in Schwarz“ für 15,95 Euro. Alles in allem noch einmal 456 Angebote.

Der Name Uniper steht zwar nach Schäfers Erklärung für „unique performance“ – „einzigartige Leistungsfähigkeit“ – und das mag auch für das auf der Homepage erhältliche Sortiment gelten – aber selbstverständlich hat der Energiekonzern nicht sein Portfolio erweitert. Die Domain „.de“ gehört der Uniper UG mit Sitz im schwäbischen Asperg bei Stuttgart.

Die Börsengänge der Töchter von Eon und RWE

Energiewende sorgt für Veränderungen

Die von der Energiewende gebeutelten Energieriesen Eon und RWE treiben ihre Konzernumbauten voran. Eon hat die Kraftwerkstochter Uniper im September an die Börse gebracht, RWE brachte das Ökostromgeschäft Innogy im Oktober an den Aktienmarkt.

Die Unternehmen

Die Eon-Tochter Uniper hat ihren Sitz in Düsseldorf, beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter und erzielte nach Konzernangaben 2015 auf Pro-Forma-Basis ein Ebit von 0,8 Milliarden Euro und einen Nettoverlust von rund vier Milliarden Euro. Chef ist der ehemalige Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer.

Die RWE-Tochter Innogy hat ihren Sitz in Essen, beschäftigt knapp 40.000 Mitarbeiter und erzielte rein rechnerisch nach RWE-Angaben 2015 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro und einen Nettoergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Geführt wird das Unternehmen von RWE-Chef Peter Terium, der nach dem Börsengang den Chefposten des Mutterkonzerns abgegeben hat.

Das Geschäft

Uniper betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Europa und Russland mit rund 40 Gigawattt. Hinzu kommen Wasser- und Atomkraftwerke in Schweden sowie der Energiehandel.

RWE Innogy bündelt das Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb von Strom und Gas.

Die Börsengänge

Eon hat im Zuge eines Spin-Offs 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Börse gebracht und sie den eigenen Aktionären ins Depot gelegt. Einnahmen erzielt der Konzern dabei zunächst nicht. Eon will allerdings mittelfristig die restlichen Aktien versilbern, allerdings nicht vor 2018.

RWE und die neue Tochter Innogy brachten zunächst 23 Prozent der Anteile an die Börse. Später könnten weitere Anteile verkauft werden, RWE will aber die Mehrheit behalten.

Ausblick

Uniper steht von Beginn unter Druck. Der Konzern will bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro verkaufen und die Personalkosten senken.

Innogy erwartet stabile Geschäfte, da der größte Teil der Einnahmen, etwa für den Betrieb der Strom- und Gasnetze staatlich reguliert ist.

Das Unternehmen wurde am 18. September 2015 beim Amtsgericht Stuttgart von Geschäftsführer Tim Häußler als Unternehmergesellschaft eingetragen. Eine „UG“ ist haftungsbeschränkt und mit weniger Einsatz zu gründen wie eine „GmbH“. Als Unternehmensgegenstand gilt das „Handeln mit Kondomen“, das Stammkapital beträgt nicht mehr als 500 Euro. Die Homepage soll erst seit wenigen Wochen im Netz sein.

Der 35-jährige Häußler war auf Anfrage für Details seines Unternehmens nicht zu erreichen. Ein Sprecher der Uniper SE lehnte einen Kommentar ab.

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