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02.09.2016

12:28 Uhr

Eon-Tochter vor Börsengang

Für Uniper läuft der Countdown

VonJürgen Flauger

Das neue Energieunternehmen Uniper, in das Eon die notleidenden Kohle- und Gaskraftwerke abgespalten hat, wird vermutlich am 12. September sein Debüt an der Börse geben. Die große Sause in Frankfurt bleibt aber wohl aus.

Die Eon-Tochter soll am 12. September ihr Börsendebüt geben. dpa

Uniper

Die Eon-Tochter soll am 12. September ihr Börsendebüt geben.

DüsseldorfAm 12. September bekommt der Deutsche Aktien-Index (Dax) Zuwachs: Für einen Tag wird der Index der wichtigsten deutschen Unternehmen aus 31 Werten bestehen. Dann will das neue Energieunternehmen Uniper sein Debüt an der Börse geben. Und weil Uniper eine Abspaltung des Dax-Konzerns Eon ist, wird die neue Aktie kurzzeitig aus technischen Gründen auch zum wichtigsten Börsenbarometer zählen. Am Abend ist der kurze Ruhm aber schon wieder vorbei: Uniper fällt aus dem Dax, rutscht in den regulierten Markt – und muss sich zudem auf kräftige Abschläge einrichten.

Für die Chefs von Uniper, Klaus Schäfer, und Eon, Johannes Teyssen, ist alleine der Börsengang aber schon ein Erfolg. „Der Spin-off von Uniper geht auf die Zielgerade“, freute sich Teyssen am Freitag. Zuvor hatte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) den Börsenzulassungsprospekt gebilligt.

Uniper-Chef Klaus Schäfer: Werbetour mit ungewissem Ausgang

Uniper-Chef Klaus Schäfer

Premium Werbetour mit ungewissem Ausgang

Uniper-Chef Klaus Schäfer muss die Anleger überzeugen, dass die Kraftwerkssparte von Eon eine Zukunft hat. Schon zuvor hatte ihn Teyssen mit Spezialaufgaben betraut. Doch diesmal kämpft er mit einem bösen Vorurteil.

Damit kommt die Aufspaltung, mit der Teyssen die Öffentlichkeit Ende 2014 überrascht hatte, zum Abschluss. Eon hat in Uniper das Geschäft mit der alten Energiewelt gebündelt, die konventionellen Kraftwerke, den Großhandel und die Gasproduktion. Eon selbst konzentriert sich inzwischen auf das Geschäft mit der Energiewende, also die erneuerbaren Energien, Vertrieb und Netze. Operativ hatte Uniper die Arbeit bereits zum Jahresanfang aufgenommen. Nachdem die Aktionäre von Eon Anfang Juni die Trennung auch formell bestätigt hat, kann Eon nun wie geplant die Mehrheit abgegeben.

In einem ersten Schritt gibt Eon 53,35 Prozent der Aktien ab. Dabei erhält jeder Eon-Aktionär für jeweils zehn Anteilsscheine eine Aktie von Uniper. Die depotführende Bank wird die zugeteilten Aktien dem Depot des Aktionärs gutschreiben, nachdem die Abspaltung ins Handelsregister eingetragen ist. Das ist für den 9. September geplant – ab dem darauffolgenden Montag sollen die Aktionäre dann die Uniper-Aktien handeln können.

Mit Spannung wird der erste Kurs von Uniper erwartet. In Kreisen der beiden Unternehmen wird erwartet, dass der Titel von Beginn an unter starkem Druck steht. Da Uniper aus dem Dax fällt, dürften indexorientierte Fonds, die in Eon investiert haben, sich von der neuen Aktie direkt wieder trennen.

Die Börsengänge der Töchter von Eon und RWE

Energiewende sorgt für Veränderungen

Die von der Energiewende gebeutelten Energieriesen Eon und RWE treiben ihre Konzernumbauten voran. Eon hat die Kraftwerkstochter Uniper im September an die Börse gebracht, RWE brachte das Ökostromgeschäft Innogy im Oktober an den Aktienmarkt.

Die Unternehmen

Die Eon-Tochter Uniper hat ihren Sitz in Düsseldorf, beschäftigt knapp 14.000 Mitarbeiter und erzielte nach Konzernangaben 2015 auf Pro-Forma-Basis ein Ebit von 0,8 Milliarden Euro und einen Nettoverlust von rund vier Milliarden Euro. Chef ist der ehemalige Eon-Finanzvorstand Klaus Schäfer.

Die RWE-Tochter Innogy hat ihren Sitz in Essen, beschäftigt knapp 40.000 Mitarbeiter und erzielte rein rechnerisch nach RWE-Angaben 2015 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro und einen Nettoergebnis von 1,6 Milliarden Euro. Geführt wird das Unternehmen von RWE-Chef Peter Terium, der nach dem Börsengang den Chefposten des Mutterkonzerns abgegeben hat.

Das Geschäft

Uniper betreibt Kohle- und Gaskraftwerke in Europa und Russland mit rund 40 Gigawattt. Hinzu kommen Wasser- und Atomkraftwerke in Schweden sowie der Energiehandel.

RWE Innogy bündelt das Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen sowie den Vertrieb von Strom und Gas.

Die Börsengänge

Eon hat im Zuge eines Spin-Offs 53 Prozent der Uniper-Anteile an die Börse gebracht und sie den eigenen Aktionären ins Depot gelegt. Einnahmen erzielt der Konzern dabei zunächst nicht. Eon will allerdings mittelfristig die restlichen Aktien versilbern, allerdings nicht vor 2018.

RWE und die neue Tochter Innogy brachten zunächst 23 Prozent der Anteile an die Börse. Später könnten weitere Anteile verkauft werden, RWE will aber die Mehrheit behalten.

Ausblick

Uniper steht von Beginn unter Druck. Der Konzern will bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro verkaufen und die Personalkosten senken.

Innogy erwartet stabile Geschäfte, da der größte Teil der Einnahmen, etwa für den Betrieb der Strom- und Gasnetze staatlich reguliert ist.

Aber auch für Eon ist die Kursentwicklung von großem Interesse. Der Energiekonzern wird zum Ende des dritten Quartals, Ende September, den Buchwert der verbliebenen Uniper-Aktien an den Marktwert anpassen müssen. Da das 46,65-Prozent-Aktien-Paket derzeit noch mit 5,6 Milliarden Euro in den Büchern steht und Analysten den Marktwert auf maximal 2,5 Milliarden Euro taxieren, dürfte eine weitere Milliarden schwere Abschreibung fällig sein.

Eon-Chef Teyssen verteidigte trotzdem noch einmal die Abspaltung: „Unsere Strategie ist für Eon, für Uniper, unsere Kunden, unsere Eigentümer und unsere Mitarbeiter der richtige Weg. Die neue und die klassische Energiewelt unterscheiden sich so sehr voneinander, dass sie nach vollkommen unterschiedlichen unternehmerischen Ansätzen verlangen.“

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