Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.01.2011

12:27 Uhr

Erfolgreiche Anleiheauktion

Investoren geben Portugal Luft zum Atmen

VonRalf Drescher

Portugals Werben um das Vertrauen der Investoren hat sich gelohnt. Die erste Anleihauktion des Landes im Jahr 2011 verlief sehr erfolgreich. Portugal wurde die neuen Staatspapiere leicht los und musste deutlich weniger Zinsen zahlen als befürchtet. Der Debatte über eine Flucht des Landes unter den europäischen Rettungsschirm nimmt das etwas Schärfe - vorerst.

Portugals Premierminister Jose Socrates kann zunächst aufatmen. Quelle: dpa

Portugals Premierminister Jose Socrates kann zunächst aufatmen.

HB DÜSSELDORF. Portugal hat den Stresstest am Anleihemarkt bestanden und sich damit vorläufig etwas Luft verschafft. Das hoch verschuldete Land traf mit zwei Anleihen mit Laufzeiten von drei und knapp zehn Jahren auf eine hohe Nachfrage. Wichtiger noch: Die Investoren forderten weniger Zinsen, als zuvor befürchtet worden war.

Bei der Versteigerung von zehn- und vierjährigen Staatstiteln konnte das Land damit das angestrebte Volumen von 1,25 Mrd. Euro erreichen. Die Nachfrage übertraf die Ergebnisse der jüngsten Auktionen klar, was am Markt als positives Zeichen gewertet wurde. "Vom Volumen her waren die 1,25 Milliarden Euro ein Kleckerbetrag, so dass es niemanden ernsthaft erstaunt haben dürfte, dass die Emission gut gelaufen ist, zumal auch China, Japan und Brasilien sich beteiligt haben", kommentierte der Fondsberater Thilo Müller von MB Fund Advisory in Frankfurt.

Das 599 Millionen Euro schwere Papier mit Laufzeit bis 2020 war 3,2-fach überzeichnet, für den 2014 auslaufenden Bond im Volumen von 650 Millionen Euro war die Nachfrage 2,6 mal so hoch wie das Angebot.

Bei den Zinsen war das Ergebnis zweischneidig. Für die dreijährige Anleihe wurden Zinsen in Höhe von 5,396 Prozent fällig nach 4,041 Prozent im Oktober, für die bis 2020 laufende Anleihe mussten 6,716 Prozent gezahlt werden. Im November hatte Portugal für zehnjährige Papiere 6,806 Prozent Zinsen zahlen müssen.

Entscheidend war aber, dass die Rendite der zehnjährigen Anleihe unter unter der kritischen Sieben-Prozent-Marke blieb. Diese Marke hatte Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos bereits vor Monaten als Schmerzgrenze für die Refinanzierung des Landes bezeichnet. Ein Zins von sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen gilt auch unter Experten als Niveau, an dem sich eine Refinanzierung über den Kapitalmarkt für ein Land nicht mehr lohnt. Aus der Euro-Zone rentieren bisher griechische und irische Bonds oberhalb dieser Marke. Beide Länder mussten in den vergangenen Monaten externe Hilfe in Anspruch nehmen: Für Griechenland haben der Internationale Währungsfonds und die Euro-Staaten ein Hilfspaket geschnürt, aus dem das Land in drei Jahren 110 Milliarden Euro erhält. Irland erhält von IWF und EU insgesamt 85 Milliarden Euro.

Portugals Präsident Aníbal Cavaco Silva hat nach der erfolgreichen Emission von Staatsanleihen vor übertriebenen Hoffnungen gewarnt. "Dies ist nur ein Anfang", sagte der Staatschef am Mittwoch in der Kleinstadt Seia im Norden des Landes. Die Aufnahme von frischem Geld auf dem Kapitalmarkt sei "nicht schlecht" verlaufen. "Aber die Regierung hat noch sehr viel Arbeit vor sich." Portugal dürfe sich keinen Illusionen hingeben.

Ministerpräsident José Sócrates bekräftigte, das hochverschuldete Portugal lehnt weiterhin internationale Hilfe ab. "Wir brauchen diese Hilfe nicht", sagte er am Mittwoch in Frankfurt am Rande der Messe Heimtextil. "Alles was wir brauchen ist Vertrauen." Der Ministerpräsident besuchte auf der Textilmesse 58 portugiesische Aussteller.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht Portugal auf gutem Weg. Die Platzierung mehrerer Anleihen am Finanzmarkt am Mittwoch sei "recht ordentlich gelaufen", sagte Merkel nach einem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi in Berlin. "Ich glaube, das ist eine vernünftige Nachricht", erklärte sie und fügte hinzu, die Maßnahmen der portugiesischen Regierung zur Überwindung der Schuldenkrise seien beeindruckend.

Auch EU-Währungskommissar Olli Rehn hat sich optimistisch gezeigt, dass Portugal seine Finanzen in den Griff bekommt. "Portugal hat in letzter Zeit sehr mutige haushaltspolitische Maßnahmen ergriffen", sagte Rehn am Mittwoch in Brüssel. Das hoch verschuldete Land habe außerdem strukturelle Reformen angekündigt. "Portugal ist jetzt auf dem richtigen Weg." Bisher ist Irland als einziges Land unter den EU-Rettungsschirm geschlüpft. Rehn lobte auch Spanien für seine "sehr substanziellen haushaltspolitischen Maßnahmen".

Andere Staatsanleihen waren nach der Bond-Auktion Portugals weniger gefragt. Die Kurse fielen, die sich gegenläufig entwickelnden Renditen stiegen. Bei Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stieg die Rendite um vier Basispunkte auf 2,96 Prozent. Der Bund-Future fiel um 42 Basispunkte auf 125,37 Prozent.

Vor der Portugal-Auktion hatte an den Märkten große Anspannung geherrscht. Dabei ging es nur um einen vergleichsweise kleinen Betrag von 1,25 Milliarden Dollar - am Anleihemarkt eigentlich ein Routinegeschäft. Doch die Spekulationen, dass dass Portugal als dritter Euro-Staat auf Hilfe der anderen Mitgliedsstaaten angewiesen sein wird, machte die Emission zu einem Großereignis. In Kreisen der Euro-Länder hieß es im Vorfeld, ein Hilfspaket von 50 bis 100 Milliarden Euro Kreditgarantien werde schon vorbereitet.

Kommentare (16)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rainer Zufall

12.01.2011, 13:39 Uhr

Das ist in etwa so als würde man einen Obdachlosen zur "Tafel" schicken. Was hat sich danach verbessert?
RiCHTiG: nur das Gefühl im Magen

bauagent

12.01.2011, 13:55 Uhr

Schauen wir mal, wie die richtigen Summen im März bei Spanien und italien aufgenommen werden. Wenn die Sparer mit ihren Riester und Lv´s wissen würden, dass es ihr Geld ist, dass hier zur Disposition steht, wäre der Euro schon tot.

Gastkritiker

12.01.2011, 14:03 Uhr

Scheissegal! Solange jeden Tag eine Zeitung gefüllt werden muss wird weiterhin täglich die "Der-Euro-ist-so-gut-wie-pleite" Sau durchs Dorf getrieben werden. Das nennt man Pressefreiheit.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×