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10.05.2011

12:04 Uhr

Erfolgreiche Geldmarkt-Auktion

Investoren haben Griechenland noch nicht abgeschrieben

VonRalf Drescher

Einen Tag nach dem Misstrauensvotum der Ratingagenturen hat sich Athen neues Kapital am Geldmarkt besorgt - und zu erträglichen Zinsen mehr als erwartet eingenommen. Doch mehr als ein kleiner Lichtblick ist das nicht.

Griechenlands Finanzminister George Papaconstantinou kann sich über einen Mini-Vertrauensbeweis freuen. Quelle: dpa

Griechenlands Finanzminister George Papaconstantinou kann sich über einen Mini-Vertrauensbeweis freuen.

DüsseldorfDas Land verkaufte Schuldpapiere mit sechsmonatiger Laufzeit und nahm insgesamt 1,625 Milliarden Euro ein. In Athen wurde das Ergebnis mit großer Erleichterung aufgenommen. "Die Auktion hat unsere Erwartungen übertroffen", schrieb der Chef der griechischen Schuldenverwaltung, Petros Christodoulou, in einer E-Mail. Der Zins lag mit 4,88 Prozent nur geringfügig höher als bei der vergangenen Auktion vor Monatsfrist. Zudem konnte Griechenland mehr erlösen als erwartet. Ursprünglich wollte das Land Geldmarktpapiere im Wert von 1,25 Milliarden Euro am Markt platzieren. Auch die starke Überzeichnung der Emission - die Nachfrage übertraf das Angebot um das 3,5-fache - kann als Vertrauensbeweis des Marktes gewertet werden. Nach Informationen Christodoulous kauften ausländische Investoren 34 Prozent der Geldmarktpapiere.

Standard & Poor?s hatte die Bonitätsnote für Griechenland am Montag von "BB-" auf "B" zurückgenommen und den Schritt mit der wachsenden Wahrscheinlichkeit für eine Umschuldung der griechischen Verbindlichkeiten begründet. Mit der Note "B" liegt Griechenland jetzt nur noch zwei Stufen über der Grenze, ab der S&P Anleihen als "extrem spekulativ" bewertet. Und der Rating-Ausblick ist weiter negativ.

Auch die zweite große Ratingagentur Moody?s kündigte eine Überprüfung ihres Ratings an, der Konkurrent Fitch steht Medienberichten zufolge ebenfalls kurz vor einer Herabstufung Griechenlands.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Das Störfeuer durch die Ratingagenturen am Tag vor der Geldmarktauktion hatte Befürchtungen geschürt, dass Griechenland bei den Investoren auf geringes Interesse stoßen oder deutlich höhere Zinskosten werde zahlen müssen. Bei der vorangegangenen Auktion sechsmonatiger Papiere musste Griechenland Investoren 4,8 Prozent Zinsen zahlen. Am Sekundärmarkt lagen die Renditen für Sechsmonatspapiere zuletzt sogar bei 5,5 Prozent.

Gerüchte über ein neues Hilfspaket für Griechenland sorgten allerdings rechtzeitig für neues Vertrauen. Die Nachrichtenagentur Dow Jones berichtete am Morgen, im Juni werde ein zusätzliches Kreditpaket im Volumen von 60 Milliarden Euro beschlossen. Die griechische Zeitung Kathimerini schrieb, der IWF bereite einen Kredit über 80 bis 100 Milliarden Euro vor, das auch zusätzliche Mittel beinhalte, um Griechenlands Finanzbedarf bis 2013 zu decken. Allein in diesem Jahr fehlen Griechenland Expertenschätzungen zufolge sieben Milliarden Euro zur Deckung des Staatshaushalts.

Kommentare (5)

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Korrupte_EZB

10.05.2011, 12:30 Uhr

Naja, wenn man die EZB als Investor bezeichnen will....
Dort landet der ganze Schrott - das wird dann schön auf die dumme Bevölkerung aufgeteilt...

Verlogene_Politiker

10.05.2011, 12:35 Uhr

Hahaha....die Lüge stirbt zuletzt......
Auf Junckers Geheimtreffen beschlossen - weitere 60 Mrd. für die Pleite-Griechen.......
Das ist zusätzlich zu den bereits beschlossenen 110 Mrd. Wird einfach so rübergeschoben, ohne dass die Parlamente etwas beschliessen müssen, oder? von einigen Ministern heimlich beschlossen.......

EZB_und_dieFreieMarktwirtschaft

10.05.2011, 12:38 Uhr

"Investoren haben Griechenland noch nicht abgeschrieben"

Alles Märchen!!!

Und wenn die EZB die griechischen Schrott-Anleihen ( Die keiner mehr will ) versteckt gekauft hat???
Wie schon so oft in der Vergangenheit.

Wenn die "privaten" Investoren keine Schrott-Anleihen mehr kaufen springt versteckt die EZB ein!!!

Es wird einfach neues Geld gedruckt solange der Schwindel nicht auffliegt.

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