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04.03.2014

14:53 Uhr

Erholung nach Absturz

Wankelmütige Börsen

Der Absturz war gestern. Heute legt der Dax um 200 Punkte zu. Die Investoren hoffen eine friedliche Lösung im Konflikt um die Krim. Anlass ist eine Ansprache von Putin. Die Stimmung könnte schnell wieder umschlagen.

Händler an der Börse in Frankfurt: "Unsere Blicke bleiben fest auf den News-Ticker gerichtet." dpa

Händler an der Börse in Frankfurt: "Unsere Blicke bleiben fest auf den News-Ticker gerichtet."

DüsseldorfInvestoren haben ein feines Gespür für Risiken. Als sich der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine am Montag zuspitzte, reagierten die Finanzmärkte schnell. Weltweit stürzten die Kurse ab – am heftigsten erwischte es die Moskauer Börse. Die Preise für Öl und Gas zogen deutlich an. Aus dem neuen Kalten Krieg drohte ein heißer zu werden. Heute scheint sich die Lage etwas entspannt zu haben – jedenfalls wenn die Börse tatsächlich als Gradmesser taugt.

„Es kehrt etwas Ruhe am Markt ein, da es Hoffnung auf eine diplomatische Lösung des Konflikts gibt“, sagte ein Händler in Frankfurt. Von Erleichterung kann allerdings keine Rede sein, dafür ist die Lage noch zu unübersichtlich. Auch sind die Kursverluste vom Montag noch nicht ausgeglichen.

Konflikte auf dem Gebiet der Ex-Sowjetunion

Südossetien und Abchasien

1990 spaltete sich das an Russland grenzende Südossetien faktisch von der Kaukasusrepublik Georgien ab. Auf bewaffnete Auseinandersetzungen folgte 1994 eine brüchige Waffenruhe. Nach dem Einmarsch georgischer Truppen im August 2008 begann eine russische Offensive zum Schutz eigener Bürger. Im Zuge des Krieges verlor Georgien auch endgültig die Kontrolle über die Schwarzmeer-Region Abchasien, die sich ebenfalls zuvor von der Zentralregierung losgesagt hatte. Die Georgier mussten sich zurückziehen, und die weitgehend von Russland abhängigen Gebiete erklärten ihre Souveränität. Moskau erkennt Südossetien und Abchasien als Staaten an, EU und USA betrachten sie als Teile Georgiens.

Berg-Karabach

Der Streit um das vorwiegend von Armeniern besiedelte, aber von Aserbaidschan verwaltete Gebiet weitete sich 1992 zu einem Krieg mit Zehntausenden Toten aus. Armenien eroberte Berg-Karabach und weite Teile an der Grenze zum Iran. Die Region erklärte sich für unabhängig. 1994 wurde ein brüchiger Waffenstillstand vereinbart. Armenien will das völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehörende Berg-Karabach nicht wieder abtreten und verlässt sich dabei auch auf die Schutzmacht Russland, die dort Stützpunkte unterhält.

Transnistrien

Der Landstreifen am Fluss Dnjestr mit mehrheitlich russischer Bevölkerung spaltete sich 1990 von der Republik Moldau ab und erklärte sich für unabhängig - aus Angst vor einem Anschluss der Ex-Sowjetrepublik an Rumänien. In einem Krieg 1992 konnte Moldau das eng mit Russland verbundene Gebiet nicht erobern. Russische Truppen sind bis heute dort stationiert.

Fergana-Tal

Das extrem fruchtbare Gebiet in Zentralasien mit in der Sowjetzeit willkürlich gezogenen Grenzen ist seit langem ein Konfliktherd für Kirgistan, Usbekistan und Tadschikistan. Im usbekischen Teil schlug das Militär 2005 einen Aufstand nieder, Hunderte Menschen wurden getötet. 2010 forderte ein Konflikt zwischen Kirgisen und Usbeken in Kirgistan 2000 Tote. Im kirgisischen Teil des Fergana-Tals stellen Usbeken die stärkste Bevölkerungsgruppe und fordern Usbekisch als Amtssprache. Kirgistans Führung befürchtet, dass bei einem Entgegenkommen Autonomiewünsche folgen und auch die Tadschiken Rechte einfordern.

Der Dax kletterte am Dienstag um 2,5 Prozent oder 230 Punkte auf 9589 Zähler. Am Vortag hatte der Index mehr als 300 Punkte verloren. In Moskau legte der Aktienindex Micex um mehr als fünf Prozent auf 3000 Zähler zu, nachdem er am Montag um fast 400 Punkte gefallen war. Zu den größten Gewinnern in Moskau zählten Gazprom -Aktien, die mit einem Plus von neun Prozent einen Teil der massiven Vortagesverluste wettmachten. Auch der Rubel legte zu. Am Montag hatte die russische Zentralbank zur Stützung der Landeswährung kurzfristig den Leitzins um 1,5 Prozentpunkte angehoben.

Anlass für die Erholung an der Börse: Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte in einem Fernsehinterview, er sehe derzeit keine Notwendigkeit für die Entsendung russischer Truppen in das Nachbarland. Russland habe nicht die Absicht, die Halbinsel Krim zu annektieren. Allerdings behalte sich Russland „alle Mittel“ zum Schutz seiner Bürger in der Ukraine vor. Gleichzeitig warnte er den Westen: Wer über Sanktionen nachdenke, müsse sich auch der Konsequenzen bewusst sein.

„Höchstwahrscheinlich wird es nicht zu einer Invasion Russlands auf dem ukrainischen Festland kommen“, vermutet Asoka Wöhrmann, Co-Investmentchef der Deutschen Asset & Wealth Management. Gleichwohl bestehe jederzeit die Gefahr einer Verschärfung der Krise. „In diesem Fall stellt sie ein globales Risikoszenario dar“, sagt der Investor.

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