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23.03.2011

13:21 Uhr

Erneuter Kurseinbruch

Turbulenter Neustart an Ägyptens Börse

VonRalf Drescher

Fast zwei Monate konnten Anleger in Ägypten keine Aktien mehr handeln. Jetzt ist die Börse wieder offen. Und es geht so weiter wie vor dem politischen Umsturz: Die Kurse fallen, Verlustlimits begrenzen die Talfahrt.

Kurstafel der ägyptischen Börse (Archivbild). Nach fast zwei Monaten wird in Ägypten wieder gehandelt. Quelle: dpa

Kurstafel der ägyptischen Börse (Archivbild). Nach fast zwei Monaten wird in Ägypten wieder gehandelt.

Fast zwei Monate nach der Schließung wegen der Massenproteste in Ägypten hat die Börse in Kairo wieder geöffnet. Viele Investoren nutzten die Gelegenheit, um ihr Geld aus dem Land abzuziehen. Der EGX-Index stürzte um fast zehn Prozent ab, woraufhin der Handel vorübergehend ausgesetzt wurde.

Nach einer halbstündigen Pause kündigte die Börse an, den Handel wieder aufzunehmen und für den Rest des Tages nicht noch einmal zu stoppen. Das Tageslimit für Verluste legte sie auf zehn Prozent fest. In der Folge setzten ganz vorsichtige Käufe ein. Bei 5.143 Punkten lag der EGX zum Handelsschluss aber immer noch 8,9 Prozent im Minus.

Die Verluste waren von Investoren und Analysten erwartet worden. Zu groß ist die Sorge, dass die Unruhen das ägyptische Wirtschaftswachstum abgewürgt haben könnten. Außerdem verunsichern die anhaltenden Ermittlungen gegen Angehörige des früheren Regimes unter Präsident Husni Mubarak sowie einige führende Geschäftsleute des Landes die Investoren.

Die Börse in Kairo war am 27. Januar geschlossen worden, während die Demonstrationen gegen den damaligen Präsidenten Mubarak das öffentliche Leben lahmlegten. In den zwei Tagen vor der Schließung hatte der Aktienmarkt um rund Prozentpunkte verloren. Die Wiederaufnahme des Handels war mehrfach verschoben worden. Jetzt hatten die Offiziellen aber kaum noch eine Wahl: Wäre der Aktienhandel noch zwei Tage länger ausgesetzt gewesen, hätte ägyptischen Aktien der Ausschluss aus dem MSCI Emerging Markets gedroht.

Der EGX-Index hat seit Jahresbeginn knapp 30 Prozent an Wert eingebüßt. Damit ist er unter den globalen Aktienmärkten weltweit Schlusslicht. zum Vergleich: der Leitindex der Börse in Tunesien, wo die arabische Protestwelle ihren Ursprung hatte, verlor lediglich knapp zehn Prozent. Der globale Aktienindex MSCI World liegt 2011 trotz des jüngsten Rückschlags an vielen Börsen knapp drei Prozent im Plus.

Um panikartige Verkäufe zum Neustart zu verhindern, hattedie Egypt Stock Exchange den Händlern eine Reihe von Beschränkungen auferlegt: Neben der Begrenzung der Tagesverluste wurden die täglichen Handelszeiten um eine auf drei Stunden verkürzt. Außerdem darf die Regulierungsaufsicht bis zu 100 Millionen Euro aus einem Fonds abziehen, um den Markt zu stützen.

Nach Einschätzung von Analysten wird der Abwärtsdruck in Kairo vorerst anhalten. "Wir erwarten, dass der ägyptische Markt in den ersten Wochen nach Wiederaufnahme des Handels um 20 bis 30 Prozent fällt", schreibt Simon Kitchen, Aktienstratege bei EFG-Hermes, einer E-Mail, aus der die Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert. Die Erholung werde langsam vorangehen und von der Geschwindigkeit der politischen Entwicklung sowie dem Ausmaß der wirtschaftlichen Erholung abhängen.

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