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02.10.2014

11:51 Uhr

Erstnotiz

Rocket Internet rockt die Börse nur kurz

VonLisa Hegemann

Die Start-up-Schmiede startet an der Börse zum Emissionspreis von 42,50 Euro. Damit ist das Unternehmen höher bewertet als die Lufthansa. Doch schon kurz nach Handelsbeginn fällt der Preis drastisch.

Oliver Samwer packt den Bullen bei den Hörnern: Der Rocket-Internet-Geschäftsführer ist am Donnerstag mit seinem Unternehmen an die Börse gegangen. dpa

Oliver Samwer packt den Bullen bei den Hörnern: Der Rocket-Internet-Geschäftsführer ist am Donnerstag mit seinem Unternehmen an die Börse gegangen.

DüsseldorfFür genau einen Tag war Zalando der größte deutsche Börsengang des Jahres. Doch schon am Donnerstag musste der Onlinehändler den Titel wieder abgeben. Rocket Internet übertraf das Versandhaus mit seinem Börsengang um Längen – und darf sich nun nicht nur mit dem Titel des größten deutschen Börsengangs des Jahres schmücken, sondern sich auch als einen der größten in der deutschen Geschichte feiern.  

Die Start-up-Schmiede notierte am Donnerstag um 09.21 Uhr zu einem ersten Preis von 42,50 Euro. Das entsprach dem Emissionspreis. Zuvor hatte Rocket Internet die Preisspanne auf 35,50 bis 42,50 Euro festgelegt. Am Vortag war das Papier bei einigen Händlern mit 46 Euro gehandelt worden, kurz vor Börsenstart lag der Kurs bei 44 Euro. Schon kurz nach der Erstnotiz brach der Preis allerdings drastisch ein, zwischenzeitlich sank er um mehr als 13 Prozent auf 36,66 Euro.

Die ersten Reaktionen waren dementsprechend negativ. Der britische Journalist Peter Campbell von der „Daily Mail“ schrieb zum Börsenstart auf Twitter: „'Rocket' not the best way to describe shares so far...“ (zu deutsch: „'Rakete' ist nicht gerade der beste Weg, um die Aktien derzeit zu beschreiben.“). „Rocket“ ist das englische Wort für Rakete. Ein weiterer Nutzer drückte es so aus: „Rocket an der Börse keine Rocket.“

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Nach Angaben von Rocket Internet war das Angebot vor Handelsbeginn mehr als zehnfach überzeichnet. Roger Peeters, Vorstand bei Close Brothers Seydler Research, sieht sich an die Zeiten des Neuen Markts erinnert. „Dass es trotz der drastischen Überzeichnung, die in Teilen schon an den Neuen Markt erinnert hat, zu einem derartigen Abverkauf kam, illustriert meiner Ansicht nach, dass es sehr viele Zeichner auf „den schnellen“ Euro, sprich einen Zeichnungsgewinn abgesehen haben“, sagte er zu Handelsblatt Online. Er vermutet, dass die „zwischenzeitlichen sehr hohen Kurse im Graumarkt diese Tendenz noch verstärkt“ haben, da diese „Kurzfristanleger anzogen“.

„Da wurden jede Menge Aktien auf den Markt geworfen“, sagte ein Händler der Nachrichtenagentur Reuters. Selbst Stützungskäufe der Banken, die den Börsengang begleiteten, hätten kaum etwas gebracht: „Der Verkaufsdruck zur Eröffnung war so groß, dass die Emissionsbanken nicht dagegenhalten konnten.“

Der Geschäftsführer Oliver Samwer selbst zeigte sich gegenüber dem Fernsehsender N-tv gelassen. „Wir sind nicht enttäuscht“, sagte er dort. Das Unternehmen sei langfristig orientiert, genau wie die Investoren. Die Märkte stünden noch am Anfang. Gegenüber Reuters TV sagte er: „Man muss Aktien langfristig betrachten und nicht kurzfristig an einem Tag, einer Woche oder einem Monat.“

Der Preis erholte sich nach dem Kurssturz wieder und pendelte sich zwischen 40 und 41 Euro ein. Mit dem Schritt aufs Börsenparkett wollte das Unternehmen der Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer ursprünglich rund 750 Millionen Euro einnehmen. Am Ende war es mehr als das Doppelte: Rocket Internet kam auf ein Volumen von 1,6 Milliarden Euro. Bei Zalando waren es 600 Millionen Euro gewesen. Der Wert von Rocket Internet wurde damit mit rund 6,7 Milliarden Euro beziffert – mehr als die Lufthansa.

Aus Unternehmenssicht sei der Börsenstart gelungen, sagt der Vorstand von Close Brothers Seydler Research. Bei „aller Verwunderung über das Debüt“ müsse man konstatieren, „dass die Platzierung aus Unternehmenssicht optimal lief mit einer vollen Zuteilung am oberen Ende“. „In puncto Refinanzierung und Kapitalisierung sicher also ein voller Erfolg“, sagte der Vorstand.

Kommentare (9)

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Herr Theo Gantenbein

02.10.2014, 10:22 Uhr

Der erste Tag ist für Normalanleger eh uninteressant, da die Kurse von den Emissionsbanken extrem beeinflusst werden.

Ich investiere inzwischen nur noch in Dividenden-starke Werte, denn erst wenn ein Geschäftsmodell bewiesen hat, dass es funktioniert werden Divs ausgezahlt. Rocket & Zalando verbrennen momentan nur Geld

Herr Peter Spiegel

02.10.2014, 10:27 Uhr

Genau, der Rest ist Aktienkultur also Schwachsinn.

Herr Stubenkastl Johann

02.10.2014, 10:33 Uhr

Umsatzgewinne praktisch durch Verluste zu bezahlen ist eine heikle Strategie. Bei Amazon hat es zwar funktioniert, aber ich wuerde weder Rocket noch Zalando mit Amazon vergleichen. Rocket ist viel zu vielschichtig und Zalando beherrscht nicht die grossen Maerkte. Dazu noch die hohe Boersenbewertung bei den aktuellen EZB-Draghi-Kursen.

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