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06.08.2014

13:29 Uhr

Espirito Santo

Der heilige Geist kann Anlegern nicht helfen

Es ist wieder soweit: Manch ein Investor wacht auf und stellt fest, dass er auf einem Risiko sitzt, das er gar nicht kannte. So jedenfalls geht es Anlegern von Portugals Krisenbank. Droht ihnen der Totalverlust?

Das Logo der Banco Espirito Santo auf einer ihrer Filialen: Die Pleitebank könnte Anleger schädigen. ap

Das Logo der Banco Espirito Santo auf einer ihrer Filialen: Die Pleitebank könnte Anleger schädigen.

Einige Investoren wachen dieser Tage mal wieder auf und stellen fest, dass sie gar nicht genau wissen, welche Risiken sie eingegangen sind. Genauer gesagt geht es um Wertpapiere, die im vergangenen Jahr von der Banco Espirito Santo geschaffen wurden und die auf Krediten basieren. Investoren stimmten mit dem Kauf dieser Papiere zu, Verluste aus einem zwei Milliarden Euro schweren Portfolio von Gewerbe-Krediten abzusichern, welche die portugiesische Bank vergeben hatte.

Gekauft hatten die Investoren die Papiere ursprünglich in der Annahme, dass sie ihnen jährliche Erträge von mehr als zehn Prozent einbringen würden. Jetzt, wo Banco Espirito Santo in eine Schieflage geraten ist, macht sich bei den Investoren der Lusitano Synthetic Kreditverbriefungen Nervosität breit. Es geht dabei vor allem um die Frage, für welche Kredite genau sie im Zweifel einstehen müssten. Im Juli fragten sie nach Details, was der Emittent jedoch ablehnte.

Die plötzliche Schieflage der Bank aus Lissabon könnte ein böses Erwachen für die Anleiheinvestoren bedeuten, die in dem vergangenen fünf Jahren in aller Regel für den Kauf der risikoreichsten und am wenigsten liquiden Wertpapiere belohnt worden waren. Die lockere Geldpolitik der Notenbanken in aller Welt hatte die Anleihe-Kurse angetrieben und die Finanzierungs-Kosten derart gedrückt, dass Investoren für das Erreichen ihrer Ertragsziele immer mehr Risiken auf sich nahmen.

Ein Vertreter von Banco Espirito Santo wollte zunächst keinen Kommentar abgeben. Sogenannte Credit-Linked-Notes funktionieren wie herkömmliche Anleihen mit Zinszahlungen – allerdings mit der Einschränkung, dass das Kapital ausgelöscht wird, wenn es bei den zu Grunde liegenden Verbindlichkeiten zu größeren Verlusten kommt. Derartige Transaktionen, die Credit-Default-Swaps nutzen, wurden von Banken als Möglichkeit genutzt, Kapital einzusammeln und gleichzeitig einen Teil der Risiken aus selbst vergebenen Krediten weiterzureichen.
Im Fall von Banco Espirito Santo verpflichteten sich die Investoren, welche die 184 Millionen Euro an Wertpapieren kauften, mögliche Verluste aus mehreren Tausend Krediten zu absorbieren, wie die Marketing-Dokumente zeigen. Informierten Kreisen zufolge wurden die Papiere oft in der Erwartung erworben, dass sie mehr als zehn Prozent Ertrag einbringen. Portugals Notenbank übernahm am dritten August die Kontrolle über die angeschlagene Bank. Banco Espirito Santo hatte mögliche Verluste aus Krediten an andere Firmen innerhalb der Espirito-Santo-Gruppe entdeckt.

Diese Banken haben die beste Kernkapitalquote

Platz 8

Crédit Agricole (Frankreich) – 9,0 Prozent

Kernkapitalquote nach Basel III ausgewählter Banken, 1. Quartal 2014, Quellen: Bloomberg, Thomson Reuters

Platz 7

Deutsche Bank – 9,5 Prozent

Platz 4

Bank of America (USA) – 9,6 Prozent

Platz 4

JP Morgan (USA) – 9,6 Prozent

Platz 4

Barclays (Großbritannien) – 9,6 Prozent

Platz 3

BNP Paribas (Frankreich) – 10,6 Prozent

Platz 2

HSBC (Großbritannien) – 10,8 Prozent

Platz 1

UBS (Schweiz) – 13,2 Prozent

Die Anfrage der Investoren zu den Credit-Linked-Notes erfolgte laut Mitteilung an den Cayman Islands Stock Exchange am vierten Juli. Im Kern wollten die Anleger wissen, ob ihre Investments mit Krediten an die Grupo Espirito Santo oder verbundenen Gesellschaften zu tun haben. Den Investoren wurde den Angaben zufolge mitgeteilt, dass die Transaktion so angelegt worden war, dass sie einen „blinden Pool” an Verpflichtungen enthält und dass die Bank nicht verpflichtet sei, deren Identität preiszugeben. Es ist für einen Investor nicht angenehm, wenn er zu hören bekommt, dass er kein Recht hat, Einzelheiten über seine Investments zu erfahren – und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem es plötzlich wichtig wäre.

Je länger die Renditen niedrig bleiben, desto mehr werden Anleger bei ihrer Suche nach Extraerträgen Risiken eingehen, die sie nicht völlig verstehen. Es könnte noch mehr böse Überraschungen geben, wenn die Zentralbanken den Stecker ziehen und ihre lockere Geldpolitik aufgeben.

Kommentare (2)

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Herr Walter Schwede

06.08.2014, 15:03 Uhr

Aus dem Artikel:
"Es ist für einen Investor nicht angenehm, wenn er zu hören bekommt, dass er kein Recht hat, Einzelheiten über seine Investments zu erfahren".

Solche Fragen sollte man doch wohl vor dem Investment abklären !
Totalverlust ? Mir egal !

G. Nampf

06.08.2014, 15:05 Uhr


Aber keine Angst:
"Gekauft hatten die Investoren die Papiere ursprünglich in der Annahme, dass sie ihnen jährliche Erträge von mehr als zehn Prozent einbringen würden."

Bei 10% Ertrag sollten bei jedem die Alarmglocken klingeln. Bei wem das nicht der Fall ist, hat sich den Totalverlust redlich verdient.

Die Bank wird - völlig alternativlos- gerettet werden. Und der europäische Steuerzahler wird letztendlich die Zeche zahlen (wie immer, sei es direkt oder via ESM/Bankenunion/etc.).

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