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29.07.2011

10:44 Uhr

EU-Schuldenkrise

Moody's will Spanien an den Kragen

Heute reiht sich auch Spanien bei den Ländern ein, die vor der Entscheidung einer Ratingagentur zittern müssen: Moody's hat am Morgen angedroht, die Bonität des Schuldensünders herabzustufen.

Das Schild vor dem New Yorker Büro der Ratingagentur Moody's. Quelle: dpa

Das Schild vor dem New Yorker Büro der Ratingagentur Moody's.

FrankfurtDie Ratingagentur Moody's hat dem Euro-Schuldensünder Spanien eine Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit angedroht. Die Bewertung der spanischen Bonität mit „Aa2“ werde überprüft, teilte Moody's am Freitag mit, eine neuerliche Herabstufung in den kommenden drei Monaten sei möglich. Je schlechter die Bonität eines Staates beurteilt wird, desto teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen.

Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero sagte am Freitag, einerseits kündige die US-Ratingagentur eine mögliche Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens an. Anderseits bescheinige sie der spanischen Regierung eine gute Arbeit bei der Bewältigung der wirtschaftlichen und finanziellen Probleme.

Zapatero äußerte sich zuversichtlich, dass Moody's ihre Drohung nicht in die Tat umsetzen werde. Die Reformen und Anstrengungen der Regierung zur Reduzierung des spanischen Staatsdefizits seien nämlich „glaubwürdig“. Außerdem sei die Finanzierungskapazität des südeuropäischen Landes „solide“.

Sollte es zu einer Herabstufung kommen, wäre eine Stufe wahrscheinlich. Vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise sieht Moody's „wachsende Risiken“ für die Besitzer von spanischen Staatsanleihen, hieß es als Begründung. Der Finanzierungsdruck auf die Südeuropäer dürfte nach dem neuen Rettungspaket für Griechenland wachsen. Außerdem sei die konjunkturelle Entwicklung des Mittelmeerlandes nach wie vor schwach. Der Euro gab in Reaktion auf die Moody's Mitteilung zum Dollar spürbar nach. Er fiel unter die Marke von 1,43 US-Dollar.

Hohe Arbeitslosigkeit und Zinsen

"Diese Nachricht ist ein Schlag für Europas Anstrengungen, die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen", sagte Kornelius Purps, Stratege für Festverzinsliche bei UniCredit SpA in München, gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Spanien kämpft weiter mit den Folgen des Zusammenbruchs des dortigen Immobilienmarktes und einer Arbeitslosigkeit über 20 Prozent. Am Freitag gab die Regierung in Madrid bekannt, dass die Arbeitslosigkeit von 21,3 auf 20,9 auf rückläufig sei. Dennoch bleibt es der höchste Prozentsatz in der EU. Die Staatsverschuldung Spaniens ist zwar nicht so hoch wie die Griechenlands. Dennoch sind die Zinsen für Staatsanleihen, mit deren Verkauf sich Madrid neues Geld auf dem Kapitalmarkt besorgt, in den vergangenen Wochen stark gestiegen.

Für ihre Einstufungen verwendet Moody's einen Buchstabencode: Die Skala beginnt mit der Bestnote Aaa (Englisch: „Triple A“). Es folgen Aa, A, Baa, Ba, B, Caa, Ca, C. Zudem werden die Ratings jeweils mit Zahlen von eins bis drei unterteilt. Aa1 ist also besser als Aa2. Ab der Note Ba1 beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis C - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Die beiden anderen Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch verwenden leicht abgewandelte Buchstabencodes.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Als Reaktion starteten die deutschen Staatsanleihen mit starken Gewinnen in den Handel. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future stieg am Morgen um 0,36 Prozent auf 129,90 Punkte und knüpfte damit an den Höhenflug der vergangenen Handelstage an. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 2,636 Prozent.

Kommentare (17)

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hamp

29.07.2011, 08:08 Uhr

zuzeit sieht es aus als ob es ein währungs krieg geben wird..aber nicht US gegen europa..sondern 'irgentwas' gegen beider währungen..erst geht der dollar runter..dann der euro usw..

kann es sein das ein neue weltwährung kommen soll?

Account gelöscht!

29.07.2011, 08:18 Uhr

Spanien ist nur einer der nächsten logischen Kandidaten. Den Spaniern brechen die Steuereinnahmen weg, die Leute verlieren ihren Job und ihre Häuser. Die Refinanzierung liegt bei knapp über 6%. Nicht zu vergessen, dass die Spanier auch Geld und Verbindlichkeiten zum EFSF und ESM dazugeben müssen, was sie zusätzlich belastet. Von daher sieht es wirklich schlecht aus. Der Boom der vergangenen Jahre beruhte - wie wir jetzt sehen können - fast ausschließlich auf Kredit der Nordländer.

Querdenker

29.07.2011, 08:27 Uhr

Es wird keine neue Weltwährung kommen! Dafür sorgen schon die Chinesen, die 1,2 Billionen US-Dollars in die USA gepumpt haben. Die ganze Herabstufung durch parteiische Ratdingagenturen ist ein einziges Schmierentheater und soll vom eigentlichen Problem (USA) nur ablenken. Jeder weis, dass die USA pleite sind aber die Agenturen halten sie mit AAA über Wasser. Was für ein Wahnsinn gegenüber der restlichen Welt.

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