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24.04.2015

08:48 Uhr

Euro

Euro vor Ifo-Index über 1,08 Dollar

Der Euro-Kurs hat sich am Freitag ruhig verhalten. Im Vorfeld des Ifo-Geschäftsklimas herrscht Zuversicht. Analysten rechnen mit einem Stimmungsaufheller für die deutsche Wirtschaft.

Kommt der Schub für die Wirtschaft? Es wäre der sechste in Folge und würde auf eine anhaltend robuste Wirtschaftsentwicklung hindeuten. dpa

Die Europa-Passage in Hamburg

Kommt der Schub für die Wirtschaft? Es wäre der sechste in Folge und würde auf eine anhaltend robuste Wirtschaftsentwicklung hindeuten.

FrankfurtDer Euro hat sich am Freitag vor Bekanntgabe des stark beachteten Ifo-Geschäftsklimas nur wenig bewegt. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,0810 US-Dollar und damit in etwa so viel wie am Vorabend. Ein Dollar war 0,9250 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagmittag auf 1,0772 Dollar festgesetzt.

Vor dem Wochenende blicken die Anleger nach München. Dort veröffentlicht das Ifo-Institut seine monatliche Unternehmensumfrage. Analysten rechnen mit einer erneuten Stimmungsaufhellung. Es wäre die sechste in Folge und würde auf eine anhaltend robuste Wirtschaftsentwicklung hindeuten. Andere Umfragen wie die ZEW-Konjunkturerwartungen waren zuletzt durchwachsen ausgefallen.

Worauf Anleger bei der EZB-Entscheidung achten sollten

Welche Zinssätze wird Draghi senken, und wie stark?

Alle bis auf zwei der 60 von Bloomberg befragten Ökonomen sagen eine Reduzierung des Hauptrefinanzierungssatzes von dem aktuellen Rekordtief bei 0,25 Prozent aus voraus. Sie sind allerdings geteilter Meinung, was das Ausmaß der Senkung angeht. Während 21 Volkswirte einen Schritt von 10 Basispunkten auf 0,15 Prozent erwarten, prognostizieren 34 Analysten eine Minderung um 15 Basispunkte auf 0,10 Prozent. Drei Experten sehen den Leitzins sogar noch tiefer fallen.

Die Mehrheit der Ökonomen aus einer separaten Umfrage geht davon aus, dass die EZB die erste große Zentralbank werden wird, die einen negativen Einlagensatz einführt. Hier rechnen 32 der 50 Umfrageteilnehmer mit einem Satz von dann minus 0,10 Prozent, während zwölf eine Reduzierung auf minus 0,15 Prozent erwarten. Solch ein Schritt würde den Euro schwächen, der in den vergangenen zwölf Monaten um vier Prozent zum Dollar aufgewertet hat. Nur sechs Ökonomen prognostizieren einen unveränderten Einlagensatz von null.

Über welche unkonventionellen Maßnahmen spricht Draghi?

Die Währungshüter erwägen ein Maßnahmenpaket, bei dem länger laufende und an Bedingungen geknüpfte Kredite an Banken im Mittelpunkt stehen könnten. Angelehnt an das „Funding for Lending“-Programm der Bank of England würden solche Kredite wohl unter der Auflage vergeben werden, dass die Banken ihre Kreditvergabe an Unternehmen erhöhen.

Auch das Aussetzen der Absorptionstender, mit denen die EZB die Liquidität ihrer Bondkäufe aus der Krisenära entzieht, Änderungen an den Reserveanforderungen und am Sicherheiten-Rahmen sowie eine Verlängerung des Vollzuteilungs-Modus bei den Refinanzierungsgeschäften zu einem Festzinssatz dürften diskutiert werden. Der Vollzuteilungs-Modus bleibt bislang nur bis Juli 2015 in Kraft.

Wie schwerwiegend ist die Deflationsgefahr im Euroraum?

Die Inflationsrate liegt seit Oktober unter der Marke von ein Prozent, während die EZB eine Jahresteuerung von knapp unter zwei Prozent anpeilt. Im vergangenen Monat schwächte sich der Preisauftrieb im Euroraum sogar auf 0,5 Prozent ab. Im März hatte die EZB prognostiziert, dass die Teuerung bis Ende 2016 nicht an ihr Ziel zurückkehren wird. Draghi wird die neuen Prognosen des EZB-Mitarbeiterstabs zu Preisen, Wachstum und Arbeitslosigkeit vorstellen. Diese könnten die EZB zwingen, weiter in unbekannte Gewässer vorzudringen.

Was kann die EZB tun, falls sich die Lage verschlechtert?

Draghi hatte am 24. April gesagt, dass breitgefächerte Asset-Käufe gerechtfertigt wären, wenn sich die Aussichten für die Inflation mittelfristig verschlechterten. Jegliche Programme würden eine Mischung von Assets avisieren, um die Term Premia über alle Märkte und Jurisdiktionen hinweg zu senken, so Direktoriumsmitglied Benoit Coeuré am 13. April.

Die EZB und die Bank of England haben die Aufseher dazu aufgefordert, die Regeln für forderungsbesicherte Wertpapiere in Europa zu lockern. Das würde Unternehmen eine breitere Palette an Finanzierungsmöglichkeiten bieten und einen Vermögenswert schaffen, den die EZB aufkaufen könnte, um Liquidität bereitzustellen.

Was steht sonst noch auf der EZB-Agenda?

Draghi könnte über die Fortschritte der EZB hinsichtlich der Einführung von Protokollen befragt werden. Die Währungshüter haben Anfang dieses Jahres damit begonnen, Versuchsversionen zu entwerfen. Zudem wird debattiert, die Häufigkeit der EZB-Ratssitzungen zur Bestimmung der Zinsen zu verringern.

Auch die Entwicklungen bei der umfassenden Bewertung des Bankensystems durch die EZB könnten bei der Pressekonferenz thematisiert werden, insbesondere wie den steigenden Kosten infolge von Rechtsstreitigkeiten Rechnung getragen werden könnte. Kreisen zufolge erwägt die US-Justiz, die französische BNP Paribas SA wegen des Bruchs von Handelssanktionen mit einer Strafe von 10 Milliarden Dollar zu belegen. Auch die Frage, warum das gerettete französisch-belgische Kreditinstitut Dexia vom Stresstest ausgenommen werden soll, könnte angesprochen werden.

Unterdessen treffen sich in der lettischen Hauptstadt Riga die Finanzminister der Eurozone, um über den Fortgang der griechischen Schuldenkrise zu beraten. Beschlüsse werden nicht erwartet, weil es zwischen Athen und seinen Europartnern nach wie vor große Differenzen gibt. Die Auszahlung dringend benötigter Kredite zieht sich seit Monaten hin, was Griechenland zunehmend in Zahlungsschwierigkeiten bringt.

Von

dpa

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