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24.05.2012

15:49 Uhr

Euro-Krise

Anleger kalkulieren mit Rückkehr der D-Mark

Null-Zinsen und trotzdem ein gefragtes Finanzprodukt - das schafft der Bund mit seiner Anleihe. Doch hinter dem Wunder verbirgt sich ein Drama: Investoren suchen Sicherheit. Manche glauben, dass die D-Mark zurückkehrt.

Der deutsche Staat kann sich günstig wie nie verschulden. Das birgt Gefahren. dpa

Der deutsche Staat kann sich günstig wie nie verschulden. Das birgt Gefahren.

FrankfurtWo ist der Zins geblieben, fragen sich derzeit viele Anleger. Deutschland hat erstmals eine Anleihe mit offiziellem "0"-Zins begeben. Der Bund bekommt also Geld von den Investoren, ohne dafür zahlen zu müssen. Und viele geben ihre Euro dennoch her. Was früher als undenkbar galt, ist heute Realität. Aber warum ist das so, warum verschenken Investoren ihr Geld?

Die Ursachen liegen in der Finanz- und Schuldenkrise, also tief. Deutschland gilt für viele Investoren als die sicherste Anlage, in denen man seine Euro parken kann. Die Folge: Anleger leihen Deutschland für immer weniger Zinsen Geld - der Bund genießt einen "Free Lunch" an den Märkten.

Doch ein Grund zum Jubeln ist das nicht: Die Attraktivität der Bundesanleihen ohne Zins zeigt nämlich auch, wie sehr die Spekulationen gegen den Euro zunehmen. Die Spekulation auf ein Auseinanderbrechen des Euro-Raums könnte ein Motiv sein, Bundesanleihen zu kaufen, meint Oliver Eichmann, Fondsmanager bei der DWS. Auch Peter Merl, Volkswirt bei der Landesbank Baden-Württemberg vermutet, dass hinter dem neuen Run auf Bundesanleihen auch Wetten auf die Aufwertung einer wie auch immer gearteten neuen deutschen Währung stecken.

Zumindest einige Investoren dürften die Bundespapiere kaufen, um Anlagen in einer Währung zu halten, die bei einem Ende des Euros steigen dürfte; gewissermaßen als Wette auf einer Rückkehr der D-Mark.

Fest steht, dass sich die Flucht in die Bundespapiere nochmals verstärkt hat, seit die Diskussionen um ein mögliches Austreten Griechenlands aus dem Euro-Raum zunehmen. In der vergangenen Woche erreichte deshalb die Rendite der zweijährigen Bundesanleihe im Handel ein Allzeittief von 0,02 Prozent, die der zehnjährigen Bundesanleihe war gestern auf 1,37 Prozent gefallen.

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Nur wer sind die Investoren, die Anleihen kaufen, für die es keine Zinsen gibt? Wer genau dahintersteckt, wird bei den Versteigerungen von Bundesanleihen immer erst mit Zeitverzögerung klar. "Allgemein lässt sich aber sagen, dass Geschäftsbanken und Zentralbanken zum Beispiel in Japan oder China zu den Käufern von Bundesanleihen gehören", sagt Eichmann bei der DWS. Die Banken brauchen Bundesanleihen vor allem zur Sicherstellung der Liquidität. Die Zentralbanken speziell in Asien nutzen Bundesanleihen unter anderem, um ihre Euro-Währungsreserven zu steuern.

Für institutionelle Investoren gibt es kaum eine Alternative zu Bundesanleihen. Das Volumen, das diese Investoren anlegen, lässt sich nicht einfach auf ein Tages- oder Festgeldkonto packen. Zumal die Zinsen für Großanleger auch dort äußerst mager ausfallen. "Die Konditionen guter Adressen liegen bei 0,1 bis 0,2 Prozentpunkten und sind nicht vergleichbar mit den Lockangeboten für private Anleger", sagt Eichmann von der DWS.

Kommentare (60)

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Zero

24.05.2012, 16:14 Uhr

Investoren suchen Sicherheit?!!

Im Umkehrschluss heißt dieser aber auch, dass die
Lebensversicherer, Pensionsfonds usw. dann den
Leuten sagen müssen: Sorry, aber es gibt keine
Steigerung Ihrer Rentenansprüche oder
"Der Wert Ihrer Lebensversicherung fällt."

Schöne Zukunft!!

Leopold

24.05.2012, 16:35 Uhr

Es wäre das sinnvollste. Die EU existiert doch nur weiter als Transferunion mit Deutschland als Zahler und allen anderen als Nehmern. Das ist keine Union in meinem Sinne. Die EU-Leitung hat mit ihrer Politik des billigen Geldes und der darauf folgen Verschuldungsspirale ihre Chancen verspielt!

PRAWDA

24.05.2012, 16:39 Uhr

Die Deutschen haben zwei Möglichkeiten:

Entweder verlassen sie die Eurozone und helfen später den anderen Europäern als starker, nicht ausgelaugter Partner. Das ist das Europa der Solidarität!!!

Oder die deutsche politische Klasse verzockt das gesamte deutsche Volksvermögen für ein "politisches Projekt"! Damit ist zu rechnen - willensfanatisch, ideologiegetrieben, realitätsverweigernd UND unfähig, Fehler einzugestehen gehen sie genau diesen Weg. Aber: Das ist nicht solidarisch! Das endet mit dem DEUTSCHEN STAATSBANKROTT. Und wer hat etwas davon? So zu tun, als könne Deutschland für die Schulden der anderen Europäer einstehen, ist lächerlich. Und an Selbstüberschätzung und Größenwahn kaum zu überbieten!

Die sogenannten Euroskeptiker der ersten Stunde sind die Eurorealisten. Die aktuellen Politiker Wunschdenker, Tagträumer, Visionäre, die dringend psychiatrisch behandelt werden müssen, damit diese selbstinduzierte Gehirnwäsche rückgängig gemacht wird.

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