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24.10.2012

15:16 Uhr

Euro-Krise

Buffett warnt vor Konjunkturabschwung

Warren Buffett sorgt sich um die Weltwirtschaft. Das Wachstum werde deutlich schwächer ausfallen, sagte er in einem Interview, vor allem in Europa. Aktien hat der weltbekannte Investor zuletzt trotzdem gekauft.

Das Orakel von Omaha: Erholung in den USA. AFP

Das Orakel von Omaha: Erholung in den USA.

DüsseldorfWarren Buffett sorgt sich um die Weltwirtschaft. In einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC sagte der US-Milliardär, es bestünde keinerlei Zweifel, dass sich die Konjunktur in den kommenden Monaten weltweit abkühlen werde; wobei die USA, anders als Europa, vergleichsweise gut dastünden.

Positive Signale kämen in seiner Heimat etwa vom Immobilienmarkt. Berkshire Hathaway, Buffetts Investmentgesellschaft, ist an zahlreichen Unternehmen beteiligt, die von der Immobilienbranche in den USA profitieren. „Wir verkaufen derzeit viele Möbel und Teppiche“, sagte Buffett.

Diese Aktien hat Buffett im Depot

Aktien im Depot

Berkshire Hathaway, die Holding von Warren Buffett, ist verpflichtet das so genannte Formular 13F zu getätigten Investments bei der US-Börsenaufsicht einzureichen.
Die Mitteilung soll immer innerhalb von 45 Tagen nach Quartalsende erfolgen und alle in den USA gehandelten Aktien, Optionen und Wandelanleihen enthalten.
Nicht ersichtlich wird aus den Aufstellungen, in welche Papiere außerhalb der USA investiert wurde oder wie groß die Barreserven sind. Ebenfalls nicht aufgeführt in der Tabelle sind Optionen, Warrants und Anleihen.

Stand: 30.06.2014, Quelle: Pflichtmitteilung (13F) an US-Börsenaufsicht, Bloomberg

Wells Fargo

Marktwert: 24,3 Milliarden Dollar

Coca Cola

Marktwert: 16,9 Milliarden Dollar

American Express

Marktwert: 14,4 Milliarden Dollar

International Business Mach

Marktwert: 12,7 Milliarden Dollar

Wal Mart

Marktwert: 4,4 Milliarden Dollar

Procter & Gamble

Marktwert: 4,2 Milliarden Dollar

Exxon Mobil

Marktwert: 4,1 Milliarden Dollar

US Bancorp

Marktwert: 3,5 Milliarden Dollar

Moody's

Marktwert: 2,2 Milliarden Dollar

Zuletzt war der 82-Jährige auch wieder als Investor aktiv. Er habe sehr viel Geld in erneuerbare Energie gesteckt, in Solarunternehmen und Windkraftbetreiber. Zahlen nannte das Orakel aus Omaha allerdings nicht. Konkreter wurde er bei einer anderen Branche: den Banken. Seine Beteiligung an Wells Fargo habe er weiter aufgestockt, sagte er. Die kalifornische Bank entwickelte sich prächtig.

Insgesamt, meinte Buffett, könne man nach wie vor gute Geschäfte mit Finanz-Aktien machen. Allerdings glaube er nicht, dass die Banken jemals wieder so profitabel sein werden, wie sie das zu der Zeit vor Ausbruch der Finanzkrise in den USA waren.

Was die nähere Zukunft betrifft, will sich der Investor mit Zuläufen erst einmal zurückhalten. Die Preise seien zum Teil ambitioniert. Und Berkshire Hathaway werde sich auf keine Preiskämpfe einlassen. Aus Investorenseicht sei der Aktienmarkt langfristig allerdings weiterhin attraktiv. In diesem Zusammenhang lobte ausdrücklich den Technologiekonzern IBM, an dem er in diesem Jahr eine größere Beteiligung erworben hatte.   

Ihm persönliche gehe es sehr gut, sagte Buffett. Er habe keine Schmerzen und spüre auch sonst keine Einschränkungen. Vor kurzem war bei einer Untersuchung festgestellt worden, dass der berühmte Investor aus Omaha an Prostata-Krebs leidet. In den vergangenen Wochen hatte er sich verschiedener Untersuchungen unterzogen und eine Hormon-Therapie begonnen. Nun bekomme er desöfteren Hitzewallungen, sagte Buffett.  Die fühlten sich an wie Stromstöße. In Rente wolle er noch lange nicht gehen.

Wer ist Warren Buffett?

Die Grundlagen

Warren Buffett, geboren am 30. August 1930 in Omaha, Nebraska, war seit frühester Kindheit von Zahlen fasziniert. Sein Vater besaß ein Lebensmittelgeschäft und war Aktienhändler. Mit acht Jahren las er Bücher über die Börse, mit elf arbeitete er in einem Brokerhaus.

Der Förderer

Buffett verschlang das Buch von Professor Benjamin Graham „Intelligent Investieren“ und ging zu ihm an die Columbia Business School. Graham gefiel der junge Mann auch und er lud ihn ein, mit in seinem Unternehmen zu arbeiten. Als sich Graham 1956 zur Ruhe setzte, ging Buffett mit dem verdienten Geld sowie geliehenem zurück nach Omaha und gründete mit 25 Jahren eine Investment-Beteiligungsgesellschaft.

Buffett Partnership , LTD

Die Gesellschaft hatte sieben Teilhaber, die zusammen gut 100.000 Dollar einzahlten. Sie bekamen jährlich sechs Prozent ihrer Anlagesumme und 75 Prozent des Gewinns. Die übrigen 25 Prozent gingen an Buffett.

Der Aufstieg

Obwohl der Dow Jones in fünf der nächsten 13 Jahre fiel, vermehrte er das Geld um knapp 30 Prozent jährlich. Kein Wunder, dass immer mehr bei ihm investieren wollten. 1962 begann er außerdem, Aktien von Not leidenden Firmen zu kaufen. So auch die einer Textilfirma namens Berkshire Hathaway.

Berkshires Umwandlung

Nachdem sich die Buffett Partnership aufgelöst hatte und alle Gesellschafter ausgezahlt worden waren, übernahm Buffett Berkshire Hathaway mit seinem Anteil von 25 Millionen Dollar. Damit begann eine Erfolgsgeschichte, die inzwischen 40 Jahre währt und legendär geworden ist. Berkshire wurde von der Textilfirma zur Beteiligungsgesellschaft.

Buffetts Bilanz

Buffetts wesentliches Ziel war lange Jahre, den Buchwert von Berkshire Hathaway um jährlich 15 Prozent zu steigern. Doch das übertraf er bei weitem. Innerhalb von 40 Jahren steigerte sich das Eigenkapital zudem von 22 Millionen Dollar auf 69 Milliarden Dollar, der Buchwert pro Aktie von 19 auf knapp 60.000 Dollar. Dabei unterliegt Berkshire Hathaway der Einkommen- wie auch der Kapitelertragsteuer.

Das Prinzip

Buffett mag es, „Gewissheiten mit Abschlag“ zu kaufen, wie er es formuliert. Ihm liegt also viel daran, dass die Vorhersehbarkeit der Entwicklung eines Unternehmens vorhanden ist. Und Buffett kauft nur dort, wo er das Geschäftsmodell vollkommen versteht. Das nennt er „Kompetenzradius“. Ihm liegt viel an geringen Schulden, hoher Kapitalrendite und einer guten Führungsmannschaft.

Das Dilemma

Buffett hat sehr oft ein Problem: Die Aktien, die er kaufen will, werden nur selten mit Preisabschlägen gehandelt. Zumindest in den Branchen, wo sein „Kompetenzradius“ liegt. So viel Glück wie bei Amex hat man eben nur selten.

American Express

Das erste und wichtigste Investment war American Express (Amex). 1962 fiel die Aktie der Kreditkartenfirma nach einem Skandal über Nacht von 65 auf 33 Dollar. Buffett hielt Amex grundsätzlich aber für stark und handelte zielstrebig. Er nahm 13 Millionen Dollar in die Hand – immerhin 40 Prozent des Gesamtvermögens seiner Gesellschaft. Der Börsenkurs stieg und Buffett sackte allein in den ersten beiden Jahren einen Profit von 20 Millionen Dollar ein.

Das Versicherungsgeschäft

Im März 1967 kauft Berkshire Hathaway für 8,6 Millionen Dollar Aktien von zwei Versicherern: National Indemnity Company und National Fire and Marine Insurance Company. Es war der Beginn einer phänomenalen Erfolgsstory in dieser Branche. Sie passte perfekt zu Buffetts Anlagestrategie. Es folgten weitere Zukäufe, unter anderem auch bei Rückversichern wie General Re. 

Washington Post

Buffetts Geschichte mit dem Medienkonzern ist in zweifacher Hinsicht eine besondere: Zum einen half er der Geschäftsführung in schwierigen Zeiten entscheidend weiter, zum anderen mehrte der spätere Erfolg sein Vermögen. Die Investition hat sich ungefähr verfünfzigfacht. Aber vor allem „zementierte“ die Post laut Finanzjournalisten Buffetts Ruf als „Meister-Investor“ in den 70er-Jahren.

Coca-Cola

Buffett liebte Coca-Cola seit Leben lang. Doch die ersten Aktien kaufte er erst 1988. Das Unternehmen passt perfekt zu Buffetts Vorliebe, große Kapitalmengen mit hoher Investitionsrendite einsetzen zu können. Die bekannteste Marke der Welt ist für Bufett auch das wertvollste Geschäftskonzept der Welt. Cherry Coke ist heute übrigens das offizielle Getränk der Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway.

Gillette

Rasierklingen brauchen die Menschen auch in Krisenzeiten. Buffetts Interesse an Gillette erwachte in den 80er-Jahren. Damals galt das Unternehmen an der Wall Street als reifes, langsam, aber stetig wachsendes Unternehmen – also perfekt für eine Übernahme durch Berkshire Hathaway. Als Gillette 1991 einen Aktiensplit vornahm, bekam Berkshire Hathaway für seine Vorzugsaktien elf Prozent der Stammaktien. Der Wert der Investition stieg innerhalb von zwei Jahren von 600 Millionen auf 875 Millionen Dollar.

Fruit of the Loom

Fruit of the Loom gehört seit 2002 zu Berkshire Hathaway. Das Unternehmen stellt rund ein Drittel der Herren- und Jugendwäsche her, die in den USA verkauft wird. Buffett gab 835 Millionen Dollar für Fruit of the Loom aus.

Clayton Homes

Ebenfalls im Jahr 2002 entschied sich Buffett, Clayton Homes zu übernehmen. 1966 durch den Sohn eines Farmpächters gegründet, ist das Unternehmen heute der größte Fertighaushersteller der USA. Die Idee entstand übrigens auch, weil sich Buffett über die „fürchterlichen Verbraucherfinanzierungs-Praktiken“ aufregte.

Wells Fargo

Im Oktober 1990 hat Berkshire Hathaway für 289 Millionen Dollar Aktien an Wells Fargo erworben. Das war damals sehr mutig, denn viele „Bären“ an der Wall Street wetteten auf den Niedergang der kriselnden Bank aus San Francisco. Doch Wells Fargo überstand die kritische Phase und war 2003 die einzige US-Bank mit dem Top-Kreditrating AAA.

Von

pan

Kommentare (3)

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Sebastian

24.10.2012, 15:38 Uhr

Den USA geht es so gut weil sie noch gar nicht angefangen zu sparen oder über Dinge wie "Fiskalpakt" oder "Schuldenbremsen" nachzudenken.
Wenn die "PIIFGS " jetzt das Gleiche tun können,hätten sie auch keine Probleme.ABER das Problem ist,bedingt und angetrieben durch die vielen negativen Urteile der Ratingagenturen müssen diese Länder eisern sparen,während die USA sich ungeniert in aller Welt weiter und weiter verschulden,bis zum bitteren Ende.

Excel

24.10.2012, 17:48 Uhr

Warren Buffett, einer der aggressivsten Investoren schlechthin. Er hat Kreide gefressen, ist bigott und scheinbar lammfromm. Aeussert sich chronisch patriotisch positiv über die Wirtschaftlage in den USa. Seine Tipps, solange Sie pauschal sind, gehen in Ordnung, weil ökonomisches Allgemeingut. Spezielle Anlageempfehlungen nehme ich von einen Orakel nicht entgegen. Meine Aktienquote habe ich kürzlich auf 33% gesenkt und die durch Puts abgesichert.

Es ist aber klar, Europa übertreibt es, auf Druck Deutschlands, mit der austerity und den Steuererhöhungen. Auch sind die Regulierungen, speziell der Finanzindustrie ein weiterer Klotz für die Konjunktur. Erst wurde mit den Deregulierungen seitens der Politik übertrieben jetzt geht es zu expansiv in die andere Richtung. Vom schwierigen Austritt aus der expansiven Geldpolitik ganz zu schweigen. Populistisch und ohne vernünftig Mass typisch Politiker.

Machiavelli

25.10.2012, 01:06 Uhr

Der größte Unterschied zwischen den USA und der Europäische Währungsunion ist dass die USA über eine zentrale Steuerbehörde verfügen die für Umverteilung der Steuereinnahmen sorgt und damit eine gewisse Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse innerhalb der USA erreicht.
Der Internal Revenue Service (Abkürzung IRS) ist die Bundessteuerbehörde der Vereinigten Staaten und ist dem Finanzministerium unterstellt.
Die Aufgabe der Behörde ist die Erhebung aller Bundessteuern sowie Ermittlungen in Steuerstrafsachen und der Forderungseinzug.
Eine solche Behörde für die Europäische Währungsunion fehlt noch, das mühsam ausgehandelter Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz ist ein Beispiel dafür. Er gilt nur für Deutschland und hätte vernünftigerweise für die gesamte Währungsunion gelten sollen.

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