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07.01.2011

10:34 Uhr

Euro-Krise

Die nächste Anleihe für die Irland-Hilfe kommt

VonAndrea Cünnen

Banken bewerben sich ab Montag als Konsortialführer für den ersten Bond der Europäischen Gesellschaft EFSF. Überraschenderweise greifen gerade asiatische Anleger verstärkt zu, aber auch britische und deutsche Investoren beteiligen sich zu hohen Anteilen.

Die Irland-Hilfe läuft an. Quelle: dpa

Die Irland-Hilfe läuft an.

FRANKFURT . Nach der Emission ist vor der Emission: Nachdem am Mittwoch die EU-Kommission die erste Anleihe zur Refinanzierung eines Teils der Kredite an Irland erfolgreich platziert hat, nimmt jetzt die Kapitalaufnahme der EFSF - der Gesellschaft der Euro-Länder für die Irland-Hilfen - konkrete Züge an. Dem Vernehmen nach werden Banken ab Montag bei der Finanzagentur des Bundes vorstellig, um sich um die Mandate als Konsortialführer für die Anleihe zu bewerben. Die Finanzagentur ist Deutschlands oberster Schuldenmanager und organisiert auch die Begebung der EFSF-Anleihen.

Beide Institutionen bestätigten dem Handelsblatt, dass die erste Anleihe der Gesellschaft noch im Januar über ein Bankenkonsortium platziert wird. EU-Kommission und die EFSF gewähren Irland Kredite über 45 Milliarden Euro und damit mehr als die Hälfte der internationalen Hilfen. Dafür will die EU-Kommission in diesem Jahr Anleihen über bis zu 17,6 Milliarden Euro begeben, die Gesellschaft der Euro-Länder plant zusätzlich Bondemissionen über bis zu 16,5 Milliarden Euro.

Die Aussichten dafür, dass auch die erste EFSF-Anleihe ein Erfolg wird, stehen gut. Der fünf Milliarden Euro schwere Bond der EU-Kommission am Mittwoch war bei Investoren extrem begehrt und vierfach überzeichnet. Auch gestern im Handel war die Nachfrage noch groß. Die Folge: Der Kurs der Anleihe mit einer Laufzeit von fünf Jahren stieg, und die Rendite fiel von knapp 2,6 auf 2,5 Prozent.

Gestern veröffentlichte die EU-Kommission eine grobe Statistik über die Nachfrage. Sie förderte Überraschendes zutage: Asiatische Investoren stellten mit 21,5 Prozent die größte Käufergruppe. "Das ist ungewöhnlich viel", sagt dazu Ralph Berlowitz. Er kann das beurteilen, denn er ist bei der Deutschen Bank für die Anleiheplatzierungen von Staaten und staatsnahen Institutionen verantwortlich. Und üblicherweise gehen von diesen Emittenten "auf Euro lautende Anleihen mit mittlerer Laufzeit nur zu fünf bis zehn Prozent an institutionelle Anleger aus Asien".

Ebenfalls stark vertreten waren britische Investoren mit einem Anteil von 16,5 und deutsche mit 15,5 Prozent. An US-Anleger gingen sechs Prozent. Als positiv gilt zudem, dass 78 Prozent der Anleihe an langfristig orientierte Anleger wie Zentralbanken, Fonds, Versicherer, Pensionskassen und Privatbanken verkauft wurden.

Wie am Vortag schon Deutschland spürte gestern auch Frankreich keine Konkurrenz durch die neue Anleihe der EU-Kommission und konnte problemlos drei Anleihen über insgesamt knapp neun Milliarden Euro platzieren. Berlowitz meint, dass die Anleihen der EU-Kommission und der EFSF wegen des sehr ähnlichen Profils allenfalls den Bonds der Europäischen Investitionsbank etwas Nachfrage streitig machen könnten.

Kommentare (3)

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bolle

07.01.2011, 12:33 Uhr

"...
konnte problemlos drei Anleihen über insgesamt knapp neun Milliarden Euro platzieren
..."

Ja und, was heißt das schon?

Die Zeichner haben ja kein Risiko, die Papiere zu kaufen - wenn's nicht läuft, dann wird der Ramsch eben bei der EZb abgeliefert.
ich würde fast soweit gehen, daß sämtliche Staatsanleihen seit einigen Monaten von den Primary Dealers im Tag der Emmission in ihre bücher genommen und innerhalb von Stunden (max. ein Tag) an die EZb weitergereicht werden?

Warum?
Um den Schein zu wahren, daß an den bondmärkten alles in bester Ordnung sei.

ist es aber nicht. bei den aktuellen Risiken und der Real-inflation der letzten drei Jahre (Wirtschaftswachstum minus Geldmengenwachstum) müßte die bond-Verzinsung bei mindestens 10%, eher bei 20% p.a. liegen, um eine adäquate Rendite zu erwirtschaften. Das sehen immer mehr Anleger so, deshalb haben wir die Probleme bei bonds, Jumbos und Co. bei Zinssätzen größer 5% kollabiert aber Alles ...

Mal schauen, wie's weitergeht - auf jeden Fall ist NiCHTS in bester Ordnung; das Problem ist derzeit nur aufgeschoben.

Libor

07.01.2011, 13:27 Uhr

Jesus, Maria, Johannes ...
ist 10% bis 20% für eine fünf-Jährige nicht ein bisschen hoch gegriffen ? Da würde die Anleihe ja zweimal zurück gezahlt.

Die Argumentation klingt ja sonst plausibel, aber was ist das Motiv der bänker, den Schein zu wahren - um am Ende dann an den Pranger gestellt zu werden ?

flyingfridge

07.01.2011, 14:06 Uhr

Das verstehe ich nicht. Die EU-Kommission produziert nichts, nimmt keine Steuern ein, und hat auch keine demokratische Legitimierung, das in Zukunft zu tun. Wie kann man so jemandem mehrere Milliarden Euro zu niedrigen Zinsen leihen?

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