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25.01.2013

11:42 Uhr

Euro-Krise

Kein Grund zur Beruhigung

VonJörg Hackhausen, Andrea Cünnen

Politiker reden das Ende der Euro-Krise herbei. Investoren greifen bei Anleihen der Krisenstaaten zu. Wird also alles wieder gut? Die Euphorie könnte ins Gegenteil umschlagen. Besonders im Fokus steht ein Land.

Freude bei Italiener und Spanier – hier ging es allerdings um Fußball. dpa

Freude bei Italiener und Spanier – hier ging es allerdings um Fußball.

FrankfurtWenn man nur fest genug an etwas glaubt, dann geht es eines Tages in Erfüllung. Das funktioniert im Märchen. Aber auch im echten Leben ist das Wunschdenken weit verbreitet. Das Märchen, das gerade am Finanzmarkt erzählt wird, heißt: Die Krise ist bald vorbei.

Politiker werden nicht müde, zu betonen, die Euro-Zone sei aus dem Gröbsten heraus. „Wir können nicht Entwarnung geben, aber haben Hoffnung zu sagen, vielleicht haben wir das Schlimmste überstanden“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bei einem Vortrag in Heidelberg. Auch die Europäische Zentralbank sieht deutliche Fortschritte. „Die dunkelsten Wolken über dem Euro-Raum haben sich verzogen“, erklärte Mario Draghi, Präsident der EZB, vor wenigen Tagen in Frankfurt. Und selbst die Ratingagenturen stimmen zaghaft ein. Noch äußern sie sich im Konjunktiv, aber immerhin: Standard & Poor’s erklärte kürzlich, das Jahr 2013 könne den Wendepunkt in der Schuldenkrise darstellen.

So viele Schulden kann sich ein Staat leisten

Der Ökonom

Im Oktober 1990 hat Olivier Blanchard, Professor der Volkswirtschaftslehre am Massachusetts Institute of Technology (MIT), eine alte Frage beantwortet. Wie viele Schulden kann sich ein Staat leisten? Grob unterscheidet er drei Szenarien.

Neutrales Szenario

Das Bruttoinlandsprodukt wächst in einem Jahr um zwei Prozent, ein Land muss auf alle Staatspapiere durchschnittlich zwei Prozent Zinsen zahlen. Das Staatsdefizit ist tragfähig, wenn das Land einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen kann, also Staatsausgaben gleich Steuereinnahmen sind.

Gutes Szenario

Das Bruttoinlandsprodukt wächst um zwei Prozent, der Staat kann sich günstig refinanzieren und zahlt auf Staatsanleihen weniger als zwei Prozent Zinsen. Das Staatsdefizit ist sogar dann tragfähig, wenn dem Staat weniger Steuern zufließen als er Geld ausgibt.

Schlechtes Szenario

Das Bruttoinlandsprodukt wächst wieder um zwei Prozent, allerdings wollen Investoren mehr als zwei Prozent Zinsen pro Jahr, um ihr Geld dem Staat zu leihen. Das Staatsdefizit ist nur dann tragfähig, wenn die höheren Zinszahlungen über erhöhte Steuereinnahmen in gleichem Umfang gedeckt sind.

Ist es also an der Zeit, die Euro-Krise abzuhaken? Auf den ersten Blick scheint es so, als werde der Wunsch zur sich selbsterfüllenden Prophezeiung. Die Märkte haben sich nicht nur beruhigt, nein, die Investoren greifen wieder beherzt bei Staatsanleihen der Krisenstaaten zu.

Als sich Spanien am Dienstag erstmals seit mehr als einem Jahr wieder mit einer zehnjährigen Anleihe an den Kapitalmarkt wagte, waren die Papiere gefragt wie nie. „Noch nie in der Geschichte des spanischen Finanzministeriums hat die Nachfrage ein so großes Volumen erreicht“, frohlockte Wirtschaftsminister Luis de Guindos. Die Investoren hätten Gebote im Volumen von 24 Milliarden Euro abgegeben. Zugeteilt wurden letztlich rund sieben Milliarden Euro, obwohl ursprünglich nur vier Milliarden geplant gewesen waren.

Portugal hat zum ersten Mal Investoren für eine neue Anleihe gefunden, seit das Land im April 2011 unter den Rettungsschirm der internationalen Staatengemeinschaft flüchtete. Lissabon stockte eine fünfjährige Anleihe um 2,5 Milliarden Euro zu einer Rendite von knapp fünf Prozent auf. Dafür gaben Investoren Kaufgebote über rund zwölf Milliarden Euro ab.

In Italien überlegt die Regierung nach geglückten Anleiheplatzierungen, den Markt mit einem 30-Jahre-Bond zu testen, und auch Irland ist wieder erfolgreich an den Markt zurückgekehrt.

Kommentare (53)

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yoski

25.01.2013, 11:58 Uhr

Die Krise ist vorbei, es koennen wieder kraeftig Schulden gemacht werden. Draghi kauft im Notfall unbegrenzt Schrottanleihen. Was kann schon schief gehen? In den USA, GB und Japan wird das genauso gehandhabt. Vor dem EURO lief das im Club-Med auch so. Nur der sparsame Michel schaut doof drein. Nicht immer nur sparen sondern sich auch mal was goennen. Freibier fuer alle, Rente mit 60 und 35 Stunden Woche, na wie waers? Keine Sorge Michel, Onkel Draghi hat eine Notenpresse.

AlterSchwede

25.01.2013, 12:02 Uhr

Die Krise ist vorbei! Oder nicht?
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Für die Dolce-Vita-Fraktion auf jeden Fall.
Jetzt kann die Sause weitergehen.

Brasil

25.01.2013, 12:12 Uhr

"....haben Hoffnung zu sagen, vielleicht haben wir das Schlimmste überstanden..."
Negativer kann man das wohl in diplomatischem sprech nicht ausdruecken?

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