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13.09.2011

12:42 Uhr

Euro-Retter

Warum sich China in Europa einkauft

VonJörg Hackhausen

Europa steckt tief in der Schuldenkrise. Unterstützung könnte nun aus China kommen. Das Land investiert gezielt in Anleihen europäischer Schuldenstaaten. Doch die Hilfe ist nicht selbstlos.

China investiert gezielt in europäische Staatsanleihen. Reuters

China investiert gezielt in europäische Staatsanleihen.

DüsseldorfChinesen kaufen unsere Autos, sie kaufen unsere Maschinen. Jetzt sollen sie Europas Schulden aufkaufen. Nach einem Bericht der „Financial Times“ hat der Finanzminister Italiens, Giulio Tremonti, China in der Schuldenkrise um Hilfe gebeten. Tremonti soll sich in Rom mit hochrangigen Vertretern der China Investment Corporation (CIC) getroffen haben. Gesprächsthema: der Ankauf von italienischen Staatsanleihen „in großem Stil“.

Italien braucht dringend Geld. Am 15. September muss das Land Anleihen im Volumen von 14,5 Milliarden Euro zurückzahlen. Bereits heute stand die Auktion fünfjähriger italienischer Anleihen an. Dabei musste der Schuldenstaat deutlich höhere Zinsen zahlen; die Rendite stieg im Vergleich zur vorherigen Auktion im Juli von 4,93 Prozent auf 5,6 Prozent. Immerhin lag der Erlös bei 3,9 Milliarden Euro und damit am oberen Ende der angepeilten Spanne von drei bis vier Milliarden Euro.

China - Retter des Euro?

Warum investiert China Milliarden in Europa?

Die Europäische Union ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner des Exportweltmeisters. Die 27 Ländern kauften 2010 chinesische Waren im Wert von 282 Milliarden Euro - 18,9 Prozent mehr als 2009. Die Volksrepublik hat deshalb ein großes Interesse an stabilen Verhältnissen bei seinem wichtigsten Kunden.

Welche Rolle spielen Chinas riesige Devisenreserve?

China hat einen Großteil seiner gigantischen Devisenreserven von gut drei Billionen Dollar in Euro-Wertpapiere wie Staatsanleihen gesteckt, um die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren. Peking veröffentlicht zwar keine Daten. Experten schätzen aber, dass inzwischen ein Viertel der Devisenreserven auf Euro lautet. Weitet sich die Schuldenkrise in der Währungsunion aus, droht auch der Euro erheblich an Wert zu verlieren - und damit auch Chinas Euro-Investitionen.

Steht China trotz der Krise zu den Investitionen in Europa?

Ja. China seit Ausbruch der Krise immer wieder sein Vertrauen in die Währungsunion betont. „China ist ein langfristig orientierter Investor“, betonte Ministerpräsident Wen Jiabao und machte damit klar, Europa in der Krise nicht fallen zu lassen. Bei Worten hat es Peking nicht belassen. Die Volksrepublik hat für viele Milliarden Euro Staatsanleihen von angeschlagenen Euro-Ländern gekauft, während sich private Investoren aus Sorge vor einem Zahlungsausfall entweder zurückhalten oder exorbitante Zinsen verlangen.

Kauft China nur Wertpapiere auf?

Nein, China sichert seine Interessen auf ganz unterschiedliche Weise. Griechischen Reedern wurde ein Kredit über zehn Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Hintergrund: Ein Großteil der internationalen Handelsflotte fährt unter griechischer Flagge, viele der Tanker und Schiffe werden in China gebaut. Auch in Ungarn - das zwar nicht zur Euro-Zone gehört, aber ebenfalls mit einer Schuldenkrise kämpft - engagieren sich die Chinesen. Der Technologiekonzern Huawei baut dort sein weltweit zweitgrößtes Logistikzentrum, während die chinesische Fluggesellschaft HNA Group nach der ungarischen Malev greift und die China Railway Construction Corporation das Schienennetz des südeuropäischen Landes modernisieren soll.

Gibt es Kritik an der Shoppingtour Chinas?

Amnesty International befürchtet, dass Menschenrechtsfragen in den Hintergrund gedrückt werden. „Es ist zu befürchten, dass Kritik an den Menschenrechten in Zukunft noch leiser geübt wird“, sagt deren China-Experte Dirk Pleiter. „Geraten einzelne EU-Länder in Abhängigkeit von China, wird es schwerer, innerhalb der EU eine einheitliche Linie gegenüber der Volksrepublik zu formulieren, Probleme klar anzusprechen und auch Konflikte auszutragen.“

Chinesische Politiker haben in den vergangenen Monaten immer wieder betont, dass sie Europa unterstützen werden. In Spanien, Portugal und Griechenland hat die Volksrepublik bereits investiert. Genaue Zahlen sind nicht bekannt. Nach Schätzungen soll ein Viertel der chinesischen Währungsreserven in Euro-Anleihen investiert sein.

Chinas Bedeutung für die Weltwirtschaft und für die Finanzmärkte ist kaum zu überschätzen. Während das Wachstum im Westen schwächelt, beeindruckt China mit starken Wirtschaftsdaten. China trägt mehr als ein Viertel zum globalen Wachstum bei. Durch seine enormen Handelsüberschüsse hat das Land Reserven in Höhe von 3,2 Billionen Dollar angehäuft, einen Teil davon verwaltet der Staatsfonds CIC. Das Geld will angelegt werden - es fließt nach Afrika in Agrarland, in Bodenschätze der arabischen Länder oder eben in Schulden der Industriestaaten.

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

13.09.2011, 13:00 Uhr

Nun gut, China will unsere Technologie und sich den europäischen Markt erhalten.
Wenn wir aber nun selbst die Druckmaschinen anwerfen und den Euro an den Yuan binden, sieht die Welt anders aus.

Pendler

13.09.2011, 13:36 Uhr

hhmmm, mein Dad sagt, das war damals mit Japan ähnlich

Erst wollten sie die ganze Welt aufkaufen
dann platzte die Blase

Nun sind sie seeeehr artig geworten
shit happens

Shithappens

13.09.2011, 13:47 Uhr

Na dann träumen Sie mal weiter.

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