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11.01.2011

06:00 Uhr

Euro-Rettungsschirm

Spanien sieht Portugal auf Erholungskurs

VonAnne Grüttner , Thomas Sigm

Madrid weist Spekulationen zurück, dass sein Nachbar demnächst Hilfe aus dem EU-Rettungsschirm beantragen muss. Portugal steht dennoch weiterhin unter Druck, auch wenn sich die Südeuropäer bislang noch weigern, die Euro-Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ob sie mit ihrer Position bestehen können, ist fraglich.

José Socrates bekommt Rückenwind vom Nachbarland. Quelle: DAPD

José Socrates bekommt Rückenwind vom Nachbarland.

MADRID, BERLIN . Keine Erleichterung für Portugal. Zwar sanken die Zinsen für zehnjährige portugiesische Staatsanleihen gestern leicht auf rund sieben Prozent, nachdem bekannt wurde dass die Europäische Zentralbank solche Anleihen am Markt aufkaufte. Doch ein solches Zinsniveau ist für ein Land wie Portugal mit schwachem Wachstum und einer steigenden Verschuldung von derzeit rund 82 Prozent des BIP nicht tragbar, wie Analysten einstimmig anmerken.

Hilfestellung erhielt die sozialistische Regierung von Premier José Socrates gestern vom Nachbarn Spanien und aus Brüssel. "Die Kapazität von Spanien und Portugal, ihre Staatsschulden zu meistern und Wirtschaftswachstum zu stimulieren ist viel größer als die Märkte derzeit annehmen", sagte EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn. Die spanische Finanzministerin Elena Salgado erklärte, Portugal brauche keine externe Hilfe und sei dabei, das Haushaltsdefizit wie versprochen zu senken.

Auch Spanien wird schon von der erneuten Panik um Portugal in Mitleidenschaft gezogen. Das größere der beiden iberischen Länder gilt nach Portugal als nächstes auf der Liste der europäischen Problemstaaten, die Hilfe von außen benötigen könnten.

Hinzu kommt, dass Spanien nicht nur der wichtigste Handelspartner Portugals, sondern auch dessen größter Gläubiger ist. Spanische Banken sind mit rund 100 Milliarden Dollar gegenüber Portugal exponiert, allerdings zum großen Teil gegenüber privaten Nicht-Finanzunternehmen. Aber "wenn wir uns den Fall Griechenland anschauen, so haben die europäischen Banken mit hoher Exposition gegenüber Griechenland nicht unter der EU-Rettungsaktion gelitten", meint Jesús Martínez, Bankenexperte von Standard & Poor's in Madrid.

Seiner Ansicht nach dürfte es für spanische Banken im Fall eines Rettungsschirms für Portugal ähnlich glimpflich abgehen. Zumindest die Großbanken Santander und BBVA zeigten zudem gerade, dass sie auch in der aktuellen Paniksituation Finanzierung auf dem Markt finden.

Der Fall Spanien sei anders, da es eine sehr viel niedrigere Schuldenlast in Relation zum BIP habe, und außerdem sechsmal so groß sei wie Portugal, meint Juan José Toribio von der Managementschule IESE. Dennoch bestünde zweifellos eine Ansteckungsgefahr.

Unklar ist Toribios Meinung nach, wie die Märkte darauf reagieren werden, dass Spanien im Grunde eine Nummer zu groß für den bestehenden Rettungsschirm sei: "Entweder das wirkt abschreckend oder es schürt die Panik noch mehr."

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