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12.07.2011

15:56 Uhr

Euro-Schuldenkrise

Pimco erwartet Zahlungsausfall Griechenlands

ExklusivIn der Schuldenkrise taumelt Europa von einer Panikattacke an den Börsen zur nächsten. Und es könnte noch schlimmer kommen: Der weltgrößte Anleiheverwalter erwartet eine Umschuldung Griechenlands im nächsten halben Jahr.

Pimco-Chef Mohamed El-Erian. Quelle: Reuters

Pimco-Chef Mohamed El-Erian.

Frankfurt Für Portugal und Irland sieht der Vorstandsprecher der Fondsgesellschaft Pimco, Mohamed El-Erian, zwar ein Umschuldungsrisiko. Eine Umstrukturierung ist seiner Meinung nach aber nicht unvermeidlich. Spanien ist laut El-Erian relativ stark. Der Pimco-Chef hält das Land aber ebenso wie Italien bei einer psychologischen Eskalation der Lage in der EU für anfällig. Das Übergreifen der Marktverwerfungen auf Italien hält er für beunruhigend. Pimco steuert über 900 Milliarden Euro und gehört zu Allianz Global Investors, der 1,5 Billionen Euro großen Vermögensverwaltungsgruppe der Allianz.

Das größte Risiko sieht El-Erian in einem Run auf die Banken in Griechenland und in den anderen anfälligen Staaten. Die Bankeinlagen in Griechenland sind seinen Angaben zufolge in Griechenland schon um zehn Prozent gesunken. „Das kann sehr schnell eskalieren“, sagt er. Solche Entwicklungen führten nach den Erfahrungen in anderen Ländern rasch zu einer massiven Wirtschafts- und Finanzkrise. Entscheidend ist seiner Meinung jetzt die Umsetzung des Sparprogramms, begleitet von Maßnahmen, die dem Schuldenüberhang begegnen und Wirtschaftswachstum ermöglichen.

El-Erian erkennt ein besonderes Risiko auch in den Aufkäufen griechischer Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank. Seiner Meinung nach müsste die EZB ab einem kritischen Punkt ihr Eigenkapital erhöhen. Das dürfte ihm zufolge in den nächsten drei Jahren der Fall sein. Der Kritik an den Ratingagenturen setzt er die Idee eines stärkeren Wettbewerbs auf diesem Feld durch Beteiligung weiterer Adressen entgegen. Außerdem sollten die Agenturen durch die Aufsichtsbehörden kontrolliert werden.

Nach den Worten von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wird es beim zweiten Rettungspaket für Griechenland eine Beteiligung privater Gläubiger geben. Das sagte er nach dem Treffen mit seinen EU-Amtskollegen in Brüssel. Alle Optionen dazu würden jetzt vorbehaltlos geprüft. Der CDU-Politiker führte aus, Griechenland müsse seine Finanzen dauerhaft unter Kontrolle bringen. Die von der Europäischen Union zugesagten längeren Laufzeiten und niedrigeren Zinsen für Hilfskredite seien ein Beitrag dazu.

Maßnahmen gegen die Schuldenkrise

Schäuble Vorschlag

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble beharrt auf seinem Vorschlag, alle griechischen Anleihen zu einem bestimmten Zeitpunkt - also während der Laufzeit - gegen neu Papiere mit längerer Laufzeit zu tauschen. Im Gespräch ist eine Verlängerung der Laufzeit der  Staatsanleihen privater Gläubiger um sieben Jahre. Dabei sollen die Gläubiger die vereinbarten Zinssätze erhalten.  

Damit die Rating-Agenturen dies nicht als Zahlungsausfall Griechenlands werten, sollen sich die privaten Gläubiger auf freiwilliger Basis beteiligen. Unklar ist jedoch, wie Schäuble genug Gläubiger dazu bewegen will, sich an einer solchen freiwilligen Lösung zu beteiligen.

Kauf von Anleihen durch den Euro-Rettungsfonds

Der Euro-Rettungsfonds (EFSF) könnte künftig auch Staatsanleihen von Privatgläubigern zum aktuellen Marktwert kaufen oder Schuldenländern den Rückkaufeigener Anleihen ermöglichen. Derzeit sind die Marktpreise für die Staatsanleihen der Schuldenländer deutlich unter den Ausgabekursen. Deshalb könnte auf diese Weise der Privatsektor indirekt an den Rettungskosten beteiligt werden.

Diskutiert werden zwei Varianten: Entweder der EFSF kauft die Schulden selbst auf oder er gibt Kredite an Griechenland, dessen Regierung dann den Rückkauf betreibt. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums wäre der EFSF rechtlich dazu in der Lage. Für Griechenland würde sich die Finanzlage stark verbessern. Doch die Geberländer müssten viel Geld in die Hand nehmen. Und: Die Ratingagenturen würden dies vermutlich als Kreditausfall werten.

Im vergangenen Jahr hat bereits die Europäische Zentralbank (EZB) massiv Anleihen gekauft. Sie will jedoch keine weiteren Risiken eingehen. Außerdem stellt sich die EZB gegen Vorschläge zur Beteiligung des Privatsektors an der Griechenland-Rettung, weil sie ansonsten auf ihre eigenen Anleihen Abschreibungen bilden müsste.

Der Ackermann-Plan

Der Plan des von Josef Ackermann geführten internationalen Bankenverbandes IIF sieht ein freiwilliges, von Griechenland selbst organisiertes Rückkaufangebot für Staatsanleihen vor.

Ein solcher Schritt würde lediglich solche Banken treffen, die die Papiere zu Einstiegspreisen im Bankbuch halten. Sie müssten bei einem Rückkauf Abschreibungen in Kauf nehmen. Nicht betroffen wären hingegen Institute, die ihre Griechenland-Anleihen zum derzeitigen Wert im Handelsbuch bilanziert haben.

Der Schuldenrückkauf  würde nach Überzeugung des IIF keinen begrenzten Zahlungsausfall auslösen. Offen ist wer Griechenland den Schuldenrückkauf finanzieren soll.  Hier käme neben der EZB nur der europäische Rettungsschirm EFSF in Frage.

Bankenabgabe

Die Gläubiger kaufen freiwillig neue Griechenlandanleihen. Das zweite Hilfspaket für Griechenland wird aus einer Bankenabgabe oder aus einer Finanzmarktsteuer finanziert. Vorteil: Der EFSF bekäme zusätzlich Geld, ohne dass die Haushalte der Euro-Länder dadurch belastet werden. Nachteil: Bankenabgabe und die Finanzmarktsteuer sind in der EU stark umstritten. Und die griechische Schuldentragfähigkeit würde kaum verbessert. Die Ratingagenturen sehen dies wohl nicht als Zahlungsausfall.

Französisches Modell

Die französischen Banken haben ein Modell in die Diskussion gebracht, bei dem Griechenland seine auslaufenden Anleihen vollständig tilgt. 30 Prozent der Tilgungssumme sollen die Investoren direkt ausgezahlt bekommen. Die restlichen 70 Prozent des zurückgezahlten Geldes müssen sie in neue Griechen-Bonds mit 30-jähriger Laufzeit anlegen.

Die Banken haben verschiedene Varianten des Modells ins Spiel gebracht. Sie unterscheiden sich darin, inwieweit die anderen Euro-Staaten das Ausfallrisiko der verbliebenen Anleihen übernehmen.  Außerdem geht es um die Frage, wie die verbliebenen Papiere verzinst werden sollen. Im Gespräch ist ein Zinsbonus, der sich nach dem griechischen Wirtschaftswachstum richtet.

Entscheidend dafür, welches Modell sich am Ende durchsetzt, ist vor allem das Urteil der Rating-Agenturen. Für das französische Modell hat die Rating-Agentur Standard & Poors bereits signalisiert, dass sie dies als teilweisen Zahlungsausfall werten könnte. Eine Bewertung als Zahlungsausfall wollen die Euro-Länder unbedingt verhindern. In diesem Fall müssten Banken und Versicherungen Abschreibungen bilden und die Kreditausfallversicherungen (CDS) würden fällig – mit unkalkulierbaren Risiken für das Finanzsystem.

Haircut

Die griechische Regierung erklärt sich für zahlungsunfähig und handelt mit ihren Gläubigern einen Forderungsverzicht (Haircut) aus. Für die Geldgeber kann das sehr teuer werden: Bei den vom Internationalen Währungsfonds (IWF) untersuchten Staatspleiten zwischen 1998 und 2005 musste sie zwischen 13 Prozent (Uruguay) und 73 Prozent (Argentinien) ihres Investments abschreiben. Griechenland könnte seine Schuldenlast von mehr als 340 Milliarden Euro auf diese Weise zwar mit einem Schlag deutlich reduzieren, würde aber seine Kreditwürdigkeit am Finanzmarkt auf Jahre verspielen und sich den Zugang zu frischem Geld verbauen. Auch andere Sorgenkinder wie Irland und Portugal würden dann noch größere Probleme haben, sich neues Geld am Markt zu leihen. Ein weiteres Problem: Die Gläubiger sind vor allem Banken aus Griechenland und anderen Euro-Ländern, denen milliardenschwere Verluste drohten, was wiederum eine neue Finanzkrise auslösen könnte.

Eurobonds

Dahinter steht die Idee, dass alle Euro-Länder gemeinsame Anleihen ausgeben - für die sie gemeinsam garantieren. Durch das geringere Ausfallrisiko würde die Zinslast für die Schuldenländer sinken. Unklar ist jedoch, was dies für die Euro-Länder mit hoher Kreditwürdigkeit bedeuten würde, wie zum Beispiel Deutschland. Unter Umständen müssten sie für ihre Anleihen dann höhere Zinsen zahlen. Befürworter argumentieren jedoch, dass durch die höhere Liquidität der Anleihe der durchschnittliche Zinssatz für alle beteiligten Länder sinken würde.  

Das Modell wird in verschiedenen Varianten diskutiert. Neben der vollständigen Umstellung auf Eurobonds gibt es auch den Vorschlag, nur solche Schulden in Eurobonds umzuwandeln,  die im Rahmen der Maastrichter-Kriterien liegen.

Brady-Bonds

Der US-Finanzminister Nicholas Brady entschärfte die Lateinamerika-Krise 1989 dadurch, dass ausstehende Anleihen südamerikanischer Länder in solche mit sehr langen Laufzeiten und niedrigen Zinsen umgetauscht wurden. Als Sicherheiten dienten US-Staatsanleihen.

Blessing-Vorschlag

Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing, hat sich für einen Forderungsverzicht der Banken von 30 Prozent ausgesprochen. Die übrigen 70 Prozent sollen die Institute in Anleihen mit 30-jähriger Laufzeit tauschen, die von EU-Institutionen garantiert würden. Der Zins soll für diese Bonds nur 3,5 Prozent betragen. Der Vorschlag folgt der Logik der Brady-Bonds.

Kommentare (10)

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12.07.2011, 16:01 Uhr

Auch heute war die EZB wieder zur Stützung der Märkte aktiv. „Die EZB hat mittlerweile Staatsanleihen im Wert von fast 450 Milliarden Euro aufgekauft, die völlig wertlos sind. Die EZB kaufte allein von Griechenland Schrottpapiere im Nennwert von mehr als 190 Milliarden Euro, für die sie (im Klartext: die Steuerzahler) nun haftet. Die EZB selbst geht intern davon aus, dass sie nur einen Bruchteil des Nennwertes der von ihr in vielen EU-Staaten aufgekauften Staatsanleihen wiedersehen wird. Damit ist klar, dass es eine reine Frage der Zeit ist, bis sie den Bankrott erklären muss. Denn die EZB hat nur noch 82 Milliarden Euro an Reserven.“

Account gelöscht!

12.07.2011, 16:01 Uhr

Wenn Pimco spricht, hoert der Markt zu.

Frau Merkel leider nicht.

Und Herr Reuss darf in Erwartung seines heute propagierten Italien bailouts auch auf seinen Tag der Erleuchtung hoffen.

Wir werden von Idioten regiert.

Merlin

12.07.2011, 16:07 Uhr

Na, daytrader wo steckst du? Sitz du immer noch auf deinem griechischen Schrott oder hast du es langsam kapiert?

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