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13.01.2012

12:30 Uhr

Euro-Schuldenstaat

Zinsen für italienische Anleihen sinken weiter

Italien hat den zweiten Tag in Folge Anleihen auf den Markt gegeben und mit weiter sinkenden Zinsen den Erfolg von gestern bestätigt. Der Dax reagiert trotzdem nervös.

Italien hat Anleihen im Wert von 4,75 Milliarden Euro an den Markt gebracht. dapd

Italien hat Anleihen im Wert von 4,75 Milliarden Euro an den Markt gebracht.

Frankfurt/DüsseldorfItalien hat am Freitag Anleihen im Wert von 4,75 Milliarden Euro an den Markt gebracht. Bei der Aufstockung dreijähriger Papiere über drei Milliarden Euro lag die Rendite bei 4,83 Prozent und damit niedriger als die 5,62 Prozent bei der Emission im Dezember. Es war der niedrigste Wert seit September. Im November hatte die Rendite mit 7,89 Prozent noch den höchsten Wert seit Einführung des Euro erreicht. Das dreijährige Papier stieß aber auf vergleichsweise geringes Interesse bei Investoren, denn es war nur 1,2-fach überzeichnet.

Nach der sehr erfolgreichen Auktion kurzfristiger Papiere am Vortag sollte die heutige Auktion zeigen, ob die Anleger auch auf längere Sicht wieder mehr Vertrauen in den Schuldendienst Italiens haben. Doch die Stimmung ist mittlerweile wieder schlechter, die Konditionen konnten sich nicht so deutlich verbessern, wie am Vortag. Auch die Nachfrage lag unter der vom Donnerstag. Die Märkte reagierten leicht enttäuscht auf die Auktion. Der Eurokurs gab leicht nach. Am Sekundärmarkt lagen die Renditen der zehnjährigen italienischen Anleihen mit 6,5 Prozent allerdings weiterhin hoch. Die Rendite deutscher Papiere sank auf 1,79 Prozent. Der Dax verlor in den ersten Minuten nach Abschluss der Auktion plötzlich 40 Punkte, erholte sich aber genauso schnell wieder.

„Im kurzen Laufzeitbericht ist die zu zahlende Rendite deutlich gesunken, was positiv zu werten ist“, sagte HSH-Expertin Sintje Boie. In den längeren Laufzeiten seien die Renditen hingegen leicht gestiegen. „Nach den sehr guten Auktionen in Spanien und
Italien am Donnerstag hat man insgesamt wohl ein besseres Ergebnis erwartet.“

Die Vorzeichen für die heutige Auktion waren günstig: Gestern hatte Italien kurzlaufende Papiere über zwölf Milliarden Euro auf den Markt gegeben und im Vergleich zur letzten vergleichbaren Auktion dabei den Zinssatz, den es seinen Anlegern bieten muss, halbiert. 8,5 Milliarden Euro nahm Italien über einjährige Schatzanweisungen auf, für die eine Rendite von 2,735 Prozent bezahlt wurde. Das ist weniger als die Hälfte dessen, was Italien Gläubigern bei der letzten vergleichbaren Auktion hatte bieten müssen. Im Dezember lag die Rendite noch bei 5,952 Prozent. Weitere 3,5 Milliarden Euro nahm das Land mit dem Verkauf von Titeln mit 136 Tagen Laufzeit ein. Hier sank die Rendite von 3,25 auf 1,644 Prozent, den niedrigsten Stand seit einem halben Jahr.

Fragen und Antworten zu italienischen Anleihen

Warum sind die Anleihe-Renditen so entscheidend?

Um ihren Finanzierungsbedarf zu decken, nehmen Staaten durch Anleihen Geld an den Finanzmärkten auf. Die Renditen dieser Papiere entsprechen der effektiven Verzinsung. Je riskanter Investoren ein Engagement einschätzen, desto mehr Zinsen muss ein Land bieten.

Weshalb sehen Investoren Italien so kritisch?

Mit einem ausstehenden Volumen von rund 1,8 Billionen Euro ist der italienische Markt für Staatsanleihen einer der größten der Welt. Italien trägt gemessen an der Wirtschaftsleistung die zweitgrößte Staatsschuldenlast aller Euro-Länder und steht unter hohem Spardruck. Anders als Griechenland verfügt Italien allerdings über eine hohe Wirtschaftskraft. Die Finanzmärkte trauen der aktuellen politischen Führung jedoch nicht zu, die zur Haushaltskonsolidierung nötigen Reformen durchzusetzen.

Was passiert, wenn die Lage am italienischen Anleihemarkt sich weiter zuspitzt?

In Italien werden bis Ende 2012 Anleihen unterschiedlichster Laufzeiten mit einem Gesamtvolumen von mehr als 300 Milliarden Euro fällig. Da die Anleihen mit festen Laufzeiten ausgegeben werden, muss das Land in regelmäßigen Abständen neue Papiere am Markt platzieren, um seine Schulden zu finanzieren. Sollten die Renditen auf den zuletzt erreichten Höchstständen verharren, könnte es für Italien unmöglich werden, neue Schulden aufzunehmen, um alte zu begleichen. Italien wäre dann wie Griechenland, Portugal und Irland vom privaten Kapitalmarkt abgeschnitten und müsste unter den Euro-Rettungsschirm flüchten, um sich aus Hilfsgeldern zu refinanzieren.

Würde Italien unter den Euro-Rettungsschirm passen?

An diesem Punkt würde die Situation richtig kritisch. Experten stimmen überein, dass der Krisenfonds EFSF nicht ausreichen würde, um die Konsequenzen eines Ernstfalls in Italien zu bewältigen. Die zuletzt beschlossenen Modelle zur Hebelung des EFSF-Kreditvolumens sind noch nicht im Detail ausgestaltet und einsatzbereit. Sollte sich die Situation in Italien extrem zuspitzen, wäre außerdem davon auszugehen, dass auch der spanische Anleihemarkt kollabieren würde. Die Eurozone dürfte bei diesem Szenario endgültig auf die Zerreißprobe gestellt werden.

Wie kann eine Eskalation verhindert werden?

Um dauerhaft zu gewährleisten, dass Italien seine Schulden an den Märkten platzieren kann, müssten zwei Bedingungen erfüllt werden: Potenziellen Investoren muss die Furcht vor einem Zahlungsausfall genommen werden. Zweitens müsste das Rendite-Niveau auf einem für Italien tragbaren Niveau gehalten werden. Kurzfristig kann dies nach Einschätzung von Experten letztlich nur die Europäische Zentralbank (EZB) sicherstellen. Mittel- bis -langfristig kann jedoch nur Italien selbst durch entsprechende Reformen und Haushaltsdisziplin die Lage entschärfen.

Welche Rolle spielt die EZB?

Die EZB versucht bereits seit August, die Renditen für italienische Anleihen durch Ankäufe zu drücken. Die Zentralbank agiert jedoch nur auf dem Zweitmarkt. Sie beeinflusst so lediglich das Kursniveau von Papieren, die bereits in Umlauf sind. Direkte Anleihekäufe von Staaten sind für die EZB ein Tabu, anders als für ihre Pendants in den USA oder Großbritannien. Die EZB lehnt es strikt ab, als Kreditgeber der letzten Instanz Käuferstreiks am Erstmarkt zu verhindern.

Was muss nun geschehen?

Fest steht: Muss Italien länger wesentlich höhere Renditen als bisher üblich zahlen, wird die Haushaltslage stark belastet und der ohnehin hohe Schuldenstand letztlich weiter nach oben getrieben.

Solange der EFSF nicht ausreichend einsatzfähig ist und die EZB von ihren geldpolitischen Grundsätzen nicht abweicht, liegt es allein an der italienischen Politik, das Vertrauen der Finanzmärkte zurückzugewinnen. Das ist jedoch ein ungewisses Unterfangen und dürfte einiges an Überzeugungsarbeit erfordern.

Grund für den Kaufrausch war allerdings weniger eine veränderte Situation in Italien. Vielmehr hat die Europäische Zentralbank (EZB) nachgeholfen. Sie leiht den Banken der Euro-Zone drei Jahre lang Geld in unbegrenzter Höhe zum günstigen Leitzins. Zweck dieser Maßnahme: Die Banken sollen ihre neue Liquidität nutzen, um Staatspapiere von kriselnden Euro-Ländern zu kaufen. Die EZB bestätigte diesen Zusammenhang zwar nicht, jedoch zogen die Banken kurz vor der gestrigen Auktion große Summen aus ihren Zentralbankeinlagen ab. Die EZB gewinnt damit etwas Abstand zu ihrer umstrittenen Rolle als Staatsfinanzierer. Bisher hat sie 213 Milliarden Euro in europäische Bonds gesteckt.

Auch am Sekundärmarkt regierte im Vorfeld der Auktion die Zuversicht: Zehnjährige Rentenpapiere aus Rom legten mehr als einen Zähler auf 89,93 Punkte zu und rentierten noch mit 6,4 Prozent. Noch am Mittwochabend hatte die Rendite über sieben Prozent gelegen. Der Euro hat sich währenddessen gut behauptet: Die Gemeinschaftswährung notierte bei 1,2865 Dollar nach 1,2824 Dollar zum New Yorker Vortagesschluss.

Kommentare (6)

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Weltwaehrung

13.01.2012, 12:38 Uhr

Ende 2011 wurde der Bundeshaushalt öffentlich im Bundestag besprochen. Angela Merkel sprach ca. 45 Minuten. In einem Satz sagte Sie den entscheidenden Punkt: Die USA, China und andere Staaten arbeiten gemeinsam an einer Weltwährung!
Komisch das dies in keinen Medien erwähnt wurde.

Account gelöscht!

13.01.2012, 12:43 Uhr

Wer das Zeug kauft, kann nicht mehr 100% normal bei Trost sein.

Veritas

13.01.2012, 12:59 Uhr

mühsam ernährt sich die Bond-blase...

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