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05.06.2015

14:41 Uhr

Euro-Staatsanleihen

„Das erschreckt mich zu Tode“

Bundesanleihen droht der größte Wochenverlust seit Euro-Einführung. Gute US-Arbeitsmarktdaten drückten die Kurse weiter. Auch bei europäischen und US-Staatsanleihen geht es abwärts. Ein alter Hase bekommt Angst.

Der Starinvestor bekommt es mit der Angst zu tun. Reuters

Bill Gross

Der Starinvestor bekommt es mit der Angst zu tun.

FrankfurtEuropas Staatsanleihen sind am Freitag erneut zurückgefallen. Belastend wirkten sich gute Konjunkturdaten aus Deutschland aus, durch die die Nachfrage nach sicheren Anlagen etwas abnahm. Hinzu kamen die steigenden Inflationserwartungen in der Euro-Zone. Schließlich sprang die Rendite für Bundesanleihen nach oben als die USA die neueste Statistik zum Arbeitsmarkt bekannt gab. Statt 226.000 erwarteten konnten im Mai 280.000 neue Stellen geschaffen werden.

Die Rendite zehnjähriger deutscher Bunds legte rund acht Basispunkte zu auf 0,914 Prozent. Auf Wochensicht ergibt sich damit ein Plus von etwa 45 Basispunkten, was dem stärksten Anstieg in diesem Zeitraum seit Oktober 1998 gleichkäme. Der Terminkontrakt Bund-Future verliert 38 Basispunkte auf 150,52 Prozent.

Bonds aus Euro-Peripherie fielen ebenfalls zurück: Die Rendite zehnjähriger Anleihen aus Italien gewann fünf Basispunkte auf 2,19 Prozent, und für die Rendite zehnjähriger Bonds aus Spanien ging es vier Basispunkte auf 2,14 Prozent aufwärts. Die Rendite zehnjähriger Bonds aus Griechenland schnellte 31 Basispunkte hoch auf 10,84 Prozent. Am Primärmarkt sagte Island eine Bond-Auktion ab.

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Auch US-Anleihen werden durch den Ausverkauf in Europa und der Furcht vor zu wenig Liquidität am Anleihemarkt über die Sommermonate mit nach unten gezogen. Zehnjährige und länger laufende Anleihen haben seit Ende März 7,4 Prozent im Kurs verloren. Damit bahnt sich der größte Quartalsverlust seit 2010 an.

„Ich sehe die riesigen Liquiditätsprobleme und die täglichen – eigentlich minütlichen – Aufs- und Abs und das erschreckt mich zu Tode“, sagte Starinvestor Bill Gross in einem Interview am Dienstag. „Aber ich denke nicht, dass wir schon in einem Bärenmarkt angekommen sind.“

Die Bundesbank hat die Wachstumsprognose für Deutschland für 2015 auf 1,7 Prozent angehoben, verglichen mit einer Erwartung von einem Prozent im Dezember. Die BIP-Prognose für 2016 wurde von 1,6 Prozent auf 1,8 Prozent erhöht. Der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe in Europas größter Volkswirtschaft ist im April gegenüber dem Vormonat um 1,4 Prozent gestiegen – Ökonomen hatten eine Zunahme von 0,5 Prozent prognostiziert.

Ausstehende Staatsanleihen ausgewählter Euro-Staaten

Italien

Volumen: 2280 Milliarden Euro, Anteil an Euro-Zone gesamt (inklusive Luxemburg, Malta und Estland): 25,3 Prozent
(Quelle: Bloomberg)

Frankreich

1935 Milliarden Euro, 21,5 Prozent der Euro-Zone

Deutschland

1365 Milliarden Euro, 15,2 Prozent der Euro-Zone

Spanien

1192 Milliarden Euro, 13,2 Prozent der Euro-Zone

Belgien

465 Milliarden Euro, 5,2 Prozent der Euro-Zone

Niederlande

439 Milliarden Euro, 4,9 Prozent der Euro-Zone

Griechenland

331 Milliarden Euro, 3,7 Prozent der Euro-Zone

Österreich

272 Milliarden Euro, 3,0 Prozent der Euro-Zone

Irland

239 Milliarden Euro, 2,7 Prozent der Euro-Zone

Portugal

230 Milliarden Euro, 2,6 Prozent der Euro-Zone

Finnland

115 Milliarden Euro, 1,3 Prozent der Euro-Zone

Slowakei

45 Milliarden Euro, 0,5 Prozent der Euro-Zone

Slowenien

39 Milliarden Euro, 0,4 Prozent der Euro-Zone

Zypern

18 Milliarden Euro, 0,2 Prozent der Euro-Zone

Litauen

17 Milliarden Euro, 0,2 Prozent der Euro-Zone

„Der Anstieg bei den Renditen war sehr groß“, erklärte Luca Cazzulani, leitender Zinsstratege bei Unicredit. „Die Inflation war überraschend hoch, und es war erwartet worden, dass sich die EZB expansiver äußert. Draghi hingegen war eher neutral und sprach darüber, dass wir uns an die Volatilität gewöhnen müssten. Aber wenn wir über den jüngsten Anstieg der Renditen sprechen, sollten wir nicht vergessen, dass sie zuvor mehrere Monate in Folge gefallen waren.“

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

05.06.2015, 15:26 Uhr

Das Rentenpapiere Kursschwankungen unterliegen (wie jede andere Asset-Klasse übrigens auch), scheint noch niemanden aufgefallen zu sein.

Wo waren denn die Stimmen bei der jahrelangen Renten-Hausse (speziell der Megarun seit Herbst 2013) ?


Grüße aus Downtown-Mainhattan. Der schönsten Stadt Deutschlands. And the heartbeat of financial €urope and HQ of Super-Mario.


Ralph

Investmentbanker (CFA, Eurex- und Xetra-Lizenz)
- selbst. Börsenhändler -
Algo- und System-Trading

Handelsbuch mit 5,0 Mio. € Handelslimit, genehmigt durch die hinterlegte Sicherheit in physischen Gold auf dem Margin-Konto

Herr Peter Noack

05.06.2015, 17:02 Uhr

Wieso zu Tode erschrocken?

War es nicht im Juni 2014 als die Umlaufrendite bei 1,15 Prozent stand? Hat wirklich jemand enrnsthaft geglaubt, dass der Kurs von 0,05 Prozent von April nun 25 Jahre gelten würde?

Ist es doch schon 18 Monate her, dass die Umlaufrendite bei 1,75 Prozent im Dezember 2013 stand?

Ap prpos 25 Jahre! Wo stand die Umlaufrendite im Dezember 1990? Lag die fast das ganze Jahr bei 9 Prozent? Ist es unüblich, Vergleiche anzustellen? Will man Stimmungen mit willkürlichen, aus dem Zusammenhang gerissenen Zahlen schüren? Sind nicht einmal die 52 Wochen Hochs und Tiefs mehr Pflichtlektüre?

Wo liegt denn nun die Wahrheit? Liegt die beim Leser?

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