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29.01.2013

13:35 Uhr

Euro-Zone

Schuldenschnitt? Nicht schon wieder!

Der Schuldenschnitt für Griechenland sollte eine einmalige Ausnahme bleiben. Jetzt steht mit Zypern der nächste Kandidat vor einer Umschuldung. Das Land ist klein. Doch der Schuldenschnitt könnte ein fatales Signal sein.

Unerfreulich: Ein Schuldenschnitt, auch Haircut genannt, kommt bei Investoren nie gut an. Reuters

Unerfreulich: Ein Schuldenschnitt, auch Haircut genannt, kommt bei Investoren nie gut an.

Düsseldorf/NikosiaSchuldenschnitt – bei vielen Anlegern weckt dieses Wörtchen immer noch unschöne Erinnerungen. Spätestens seit dem Drama um Griechenland ist klar: Bei einem Schuldenschnitt sehen Privatanleger kaum etwas von ihrem Geld wieder. Im Falle Griechenlands handelte es sich um nichts anderes als eine Enteignung, auch wenn in der offiziellen Diktion immer vom „freiwilligen Schuldenschnitt“ die Rede war.

Was sich Anfang 2012 in Griechenland abgespielt hat, könnte sich in Zypern wiederholen. Die zypriotischen Banken drohen, den Staat in den Abgrund zu reißen. Der Inselstaat steht vor der Pleite, falls keine Hilfe von außen kommt. Die Regierung in Nikosia hat 17,5 Milliarden Euro beim Euro-Rettungsschirm beantragt.

Die Ratings der Euro-Länder

Belgien

S&P Rating: AA
Ausblick: Negativ
Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Negativ
Fitch Rating: AA
Ausblick: Stabil

Deutschland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Estland

S&P Rating: AA-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Finnland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Frankreich

S&P Rating: AA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Griechenland

S&P Rating: B-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Caa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: B
Ausblick: Stabil

Irland

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Italien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Luxemburg

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Malta

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A3
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Niederlande

S&P Rating: AA+
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Österreich

S&P Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Portugal

S&P Rating: BB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba2
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: BB+
Ausblick: Negativ

Slowakei

S&P Rating: A
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Slowenien

S&P Rating: A-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Negativ

Spanien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Zypern

S&P Rating: B
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Caa3

Ausblick: Negativ

Fitch Rating: B-

Ausblick: Stabil

Noch ist nicht klar, ob ein Hilfspaket bewilligt wird. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble stellte die Frage, ob Zypern für die Euro-Zone systemrelevant sei - denn das ist eine der formalen Voraussetzungen für Finanzhilfen des ESM. Kritiker werfen dem Land vor, dass es mit laxen Geldwäschekontrollen enorme Summen aus Russland angezogen habe – und wollen deshalb nicht helfen.

Doch selbst wenn der ESM einspringen würde, wäre Zypern nicht gerettet. Denn das Land könnte die Kredite kaum zurückzahlen. Die geforderten Milliarden entsprechen fast dem Bruttoinlandsprodukt eines Jahres. Der Schuldenstand würde von jetzt 70 Prozent des BIP auf rund 170 Prozent hochschnellen, fast drei Mal so viel wie in der EU eigentlich erlaubt ist. Nach Ansicht von Experten ist deshalb ein Schuldenschnitt unvermeidlich; diesen fordert unter anderem der Internationale Währungsfonds (IWF).

Wie eine Zypern-Lösung aussehen könnte

EU-Zugeständnisse bei Steuersystem

Die Euro-Finanzminister werden bei ihren Forderungen zurückstecken. Wie schon im Fall Irlands wird die Politik auch Zypern erlauben, weiterhin mit niedrigen Steuersätzen Unternehmen auf die Insel zu locken.

Zypern-Zugeständnisse bei Geldwäsche

Bei der Bekämpfung der Geldwäsche wird die EU hart bleiben, um die Zustimmung des deutschen Bundestages zu bekommen. Zypern wird alle verlangten Maßnahmen zur Bekämpfung der Geldwäsche beschließen müssen. Ob diese dann auch in der Praxis 1:1 umgesetzt und kontrolliert werden, steht auf einem anderen Blatt.

Zugeständnisse an den IWF

Dem IWF dürfte signalisiert werden, dass die Bankenhilfen zu einem späteren Zeitpunkt vom ESM übernommen werden. Damit blieben die Staatsschulden für Zypern tragbar, zumal sich das Land verpflichten dürfte, die potenziellen Einnahmen aus Gasverkäufen vorrangig zur Tilgung seiner Schulden zu verwenden.

Russland mit ins Boot holen

Russland dürfte sich zur Sicherung seines Einflusses an einer Rettung beteiligen. So könnten die Zinsen für den russischen Staatskredit gesenkt werden. Auch neue Kredite, die mit zukünftigen Einnahmen aus den Gasverkäufen abgesichert werden, sind gut möglich.

Das Volumen der zypriotischen Anleihen wird auf 14 Milliarden Euro beziffert, von denen der russische Staat 2,5 Milliarden hält. Das klingt zunächst einmal verkraftbar. Beim griechischen Schuldenschnitt mussten die privaten Gläubiger auf mehr als 100 Milliarden Euro verzichten.

Auch ein Kollaps des Bankensystems könnte wohl kaum eine Kettenreaktion auslösen. Die Commerzbank errechnet unter Bezug auf die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), dass sich die Forderungen ausländischer Banken gegen Zypern auf gut 50 Milliarden Euro belaufen. Das sind nur 0,17 Prozent aller grenzüberschreitenden Forderungen von Banken weltweit. Am stärksten betroffen wären griechische Banken, deren Forderungen bei 15,3 Milliarden Euro liegen. Diese müssten erneut rekapitalisiert werden, das Geld dafür steht aber schon bereit.

Kommentare (3)

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Neumann

29.01.2013, 16:44 Uhr

Schiedsgerichtsverfahren
Erfreuliche Nachrichten gibt es derweil bezüglich des geplanten
Schiedsgerichtsverfahrens gegen Griechenland zu berichten. Wir sind mittlerweile
mit einer renommierten international tätigen Kanzlei in Gesprächen über das
Schiedsverfahren und stehen kurz vor der Fertigstellung des Klagemodells. Wir
erwarten hier spätestens bis Ende Januar 2013 eine endgültige Entscheidung.
Nachdem zuvor die von uns angesprochenen Kanzleien zwar hohe
Erfolgsaussichten gesehen haben, aber aufgrund interner Richtlinien das Mandat
nicht annehmen durften, da europäische Kollegen der Kanzleien für die Gegenseite
(EFSF, Banken) aktiv waren, konnten wir in den letzten Tagen deutliche
Fortschritte in der Angelegenheit verzeichnen.
Wir betrachten eine Klage vor dem Schiedsgericht als sehr interessant, da wir dieser
sehr hohe Erfolgsaussichten zubilligen. Für die Betroffenen ist hierbei wichtig zu
wissen: Es ist nicht möglich, an der Schiedsgerichtsklage teilzunehmen, wenn Sie
gleichzeitig ein juristisches Verfahren gegen Griechenland vor einem ordentlichem
Gericht anstrengen!
Sollten Sie noch Fragen zu unseren aktuellen Newsletter oder generell zur
Griechenlandproblematik haben, können Sie uns gerne per E-Mail unter
info@sdk.org oder telefonisch unter 089 / 2020846-0 erreichen.
München, 4.12.2012
Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V.
Hinweis: Die SdK und an der Erstellung des Newsletters beteiligte Personen halten
Anleihen Griechenlands!

r-tiroch@t-online.de

29.01.2013, 16:46 Uhr

da wird Zypern aber kleingeredet. alles halb so wild? komisch ist nur, dass das der Draghi aber ganz anders sieht, gell?

Mazi

29.01.2013, 16:59 Uhr

Wenn die Krise eines gezeigt hat, dann dies:

Es gibt keinen Grund zu sparen, zu konsolidieren!

Der Schuldenschnitt ist allemal effizienter und geschenkt!

Und geht es daneben, sind andere verantwortlich. Das lässt sich gegenüber der eigenen Bevölkerung auch besser verkaufen.

Seitens des ESM wurde es versäumt harte Ziele zu definieren. Anders kann die letzte Aussage der Troika nicht interpretiert werden. Sie hatte "gesagt", dass Griechenland alle Auflagen der EU erfüllt habe.

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