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11.06.2014

14:27 Uhr

Euro-Zone

Verkehrte Zinswelt

VonJörg Hackhausen

Draghi hat ganze Arbeit geleistet: Spanien zahlt weniger Zinsen als die USA. Auch Italien und Portugal können sich billig wie nie verschulden. Warum das kein gutes Zeichen ist – und Investoren trotzdem kaufen.

Bald nur noch mit dem Mikroskop erkennbar: Die Zinsen werden immer kleiner. Getty Images

Bald nur noch mit dem Mikroskop erkennbar: Die Zinsen werden immer kleiner.

DüsseldorfEines muss man Mario Draghi lassen: Er versteht es, die Märkte zu bewegen. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag angekündigt, mehr billiges Geld bereitzustellen – seitdem fallen die Zinsen in der Euro-Zone noch weiter. Die fast schon kuriose Folge: Die Zinsen für Anleihen aus Spanien sind inzwischen niedriger als für jene der USA. Auch die Renditen für italienische und irische Papiere fallen immer weiter. Die Länder können sich so billig wie nie verschulden.

„Die Kreditwürdigkeit Spaniens ist schlechter als die der USA – aber das ist nicht entscheidend“, sagt Harald Preißler, Investmentchef des Anleihespezialisten Bantleon. Entscheidend ist die Geldpolitik: „Die EZB hat sich ganz klar festgelegt, dass sie die Zinsen noch lange sehr niedrig halten wird.“

In der vergangenen Wochen hat die EZB gleich mehrere denkwürdige Beschlüsse gefasst: Erstens sinken die Leitzinsen auf 0,15 Prozent. Zweitens erhalten Banken langfristige Kredite zum Nulltarif. Drittens müssen Banken künftig Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld über Nacht bei der Zentralbank parken wollen. Die Notenbank will so eine drohende Deflation in Südeuropa verhindern – tatsächlich befeuert sie den Run auf Anleihen aus Krisenstaaten.

Staatsanleihen: Renditen im Sinkflug

USA

Rendite (zehnjährige Anleihe): 2,61 Prozent
Renditeveränderung (in den vergangenen drei Monaten): - 17,1 Basispunkte
Quelle: Bloomberg, 10.06.2014

Deutschland

Rendite: 1,38 Prozent
Renditeveränderung: - 24,8 Basispunkte

Italien

Rendite: 2,74 Prozent
Renditeveränderung: - 62,4 Basispunkte

Spanien

Rendite: 2,57 Prozent
Renditeveränderung: - 72,9 Basispunkte

Portugal

Rendite: 3,32 Prozent
Renditeveränderung: - 110,6 Basispunkte

Irland

Rendite: 2,41 Prozent
Renditeveränderung: - 65,9 Basispunkte

Griechenland

Rendite: 5,47 Prozent
Renditeveränderung: - 132,4 Basispunkte

Frankreich

Rendite: 1,71 Prozent
Renditeveränderung: - 48,5 Basispunkte

Finnland

Rendite: 1,57 Prozent
Renditeveränderung: - 35,9 Basispunkte

Österreich

Rendite: 1,66 Prozent
Renditeveränderung: - 24,7 Basispunkte

Niederlande

Rendite: 1,60 Prozent
Renditeveränderung: - 24,6 Basispunkte

Belgien

Rendite: 1,81 Prozent
Renditeveränderung: -52,1 Basispunkte

Großbritannien

Rendite: 2,69 Prozent
Renditeveränderung: - 10,8 Basispunkte

Japan

Rendite: 0,59 Prozent
Renditeveränderung: - 2,5 Basispunkte

Schweiz

Rendite: 0,72 Prozent
Renditeveränderung: - 25,8 Basispunkte

Russland

Rendite: 4,26 Prozent
Renditeveränderung: - 89,3 Basispunkte

Türkei

Rendite: 8,67 Prozent
Renditeveränderung: - 187 Basispunkte

Die neuerliche Zinssenkung schlägt sich in steigenden Anleihekursen und sinkenden Renditen nieder. Die Rendite für zehnjährige spanische Anleihen fiel am Dienstag bis auf 2,58 Prozent. Die Rendite für italienische Papiere mit gleicher Laufzeit liegt nur noch bei 2,74 Prozent. Portugal liegt bei 3,22 Prozent. Selbst Griechenland kommt mit 5,47 Prozent gut weg. Zum Vergleich: Die Rendite von US-Staatsanleihen beträgt aktuell 2,6 Prozent.

Die Kreditwürdigkeit spielt für Investoren im Moment eine untergeordnete Rolle. Schließlich garantiert die EZB für alles. Noch vor zwei Jahren sah das ganz anders aus.

Kommentare (33)

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11.06.2014, 14:40 Uhr

"Schließlich garantiert die EZB für alles."

Und Deutschland in Form des deutschen Steuerzahlers und Sparers zaht letztendlich. Das nennt sich dann "Solidarität mit Europa".

Und wenn der böse, böse Deutsche nicht zahlen möchte, dann ist er ein Nazi....

Account gelöscht!

11.06.2014, 14:45 Uhr

Ich sach mal so...:
Wir haben es nicht anders verdient !
Also nicht meckern, sondern rein in die Herde - und Schnauze halten.
Die Wahl hat gezeigt was der geschulte Wähler will.
Also nicht meckern sondern....Määh .

Account gelöscht!

11.06.2014, 14:49 Uhr

Schulden gemacht leicht gemacht und dies auf Kosten der wirtschaftlichen EU-Länder wie Deutschland und den Niederlande (Steuerzahler) dank der Banken-Finanzmafia las Draghi und Schäuble!

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