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25.09.2012

16:09 Uhr

Eurokrise sei Dank

Der Bund spart 67 Milliarden Euro

Investoren aus aller Welt kaufen Bundesanleihen statt Spanien-Bonds. Die Renditen sinken, Deutschland kann sich immer günstiger verschulden. Kein schlechtes Geschäft für Finanzminister Schäuble.

Finanzminister Schäuble. Die guten Seiten der Krise. dapd

Finanzminister Schäuble. Die guten Seiten der Krise.

Die starken Verwerfungen an den europäischen Märkten für Staatsanleihen im Zuge der Euro-Schuldenkrise haben Deutschland nach Berechnungen des Allianz-Konzerns eine massive Zinsersparnis beschert. Der deutsche Staat profitiere derzeit mit „reichlich zehn Milliarden Euro jährlich“, sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise am Dienstag in Frankfurt. Bezogen auf alle Laufzeiten der bundesdeutschen Wertpapiere schätzte Heise die Zinsersparnis im Laufe der Jahre auf insgesamt 67 Milliarden Euro.
Während sich die Bundesregierung über günstige Zinsen freuen darf, wurde die Schuldenaufnahme für die Euro-Krisenstaaten immer teurer. Sie können sich nur zu hohen Zinsen Geld leihen.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Andererseits investierten viel Anleger auf der Suche nach einer sicheren Anlageform ihr Geld seit Ausbruch der Krise in deutsche Staatsanleihen, die als besonders sicher gelten. Die Folge waren rekordtiefe Zinsen. Darunter leidet der deutsche Sparer. Die Verbraucher können sich zwar in der Krise so günstig Kredite besorgen wie nie. Auf der anderen Seite gibt es aber immer weniger Rendite auf das Ersparte.
Die Allianz schätzt die Verluste an Zinseinkommen, die die privaten Haushalte durch die Schuldenkrise inzwischen erlitten haben, auf „reichlich zwölf Milliarden Euro“ pro Jahr. Der Sparer trage damit indirekt „zur Konsolidierung des Staatshaushaltes“ bei, kommentierte Chefvolkswirt Heise.
„Neben den Verlusten bei den Zinseinkommen haben die privaten Haushalte auch bei anderen Anlageformen mit verminderten Vermögenseinkommen zu rechnen“, hieß es weiter von der Allianz. Dies gelte beispielsweise für Erträge bei der Auszahlung von Lebensversicherungen, bei den Erträgen aus Pensionskassen und Versorgungswerken. Allerdings dürften die negativen Auswirkungen der Krise durch die langfristige Anlagepolitik der Versicherungsunternehmen gedämpft und zeitlich verzögert eintreten.

Aufgrund der enormen Summen, die deutschen Versicherungskunden zur Altersversorgung angelegt haben, rechnen die Allianz-Experten aber auch bei den Erträgen aus Versicherungen oder Pensionskassen mit starken Einbußen für die Sparer. Mittelfristig sei eine „Minderung der hieraus resultierenden Vermögenseinkommen von mindestens zehn Milliarden Euro jährlich zu erwarten“, hieß es weiter.

Kommentare (19)

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EuroHangover

25.09.2012, 16:31 Uhr

wir haben Steuereinnahmen in Rekordhoehe und das Defizit wird trotzdem groesser?
Was passiert wenn die Rezession nach Deutschland kommt?

little_TIGER

25.09.2012, 16:34 Uhr

Diese "Ersparnisse" durch das geringe Zinsniveau sind nicht in Stein gemeiselt!
Sollte sich der Markt wieder drehen, dann hat die Bundesregierung schlagartig wieder höhere Belastungen durch die unverantwortliche Schuldenpolitik auch des deutschen Staates.
M.E. hätte man das "Zinsgeschenk" nehmen müssen, um die Staatsverschuldung zu reduzieren. Stattdesen wurden wieder die Ausgaben für teilweise sinnfreie Vorhaben verschwendet.

Thomas

25.09.2012, 16:36 Uhr

Bund Spart ?
Das ist ahnbetracht von Euro Rettung und Energiewende eine Lüge Punkt

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