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10.09.2014

15:17 Uhr

Europäische Staatsanleihen

Zweifel an der EZB lassen die Kurse purzeln

Die Renditen spanischer Bonds steigen deutlich an. Marktteilnehmer fürchten, dass sich die von der EZB angekündigten Maßnahmen als zu schwach erweisen. Grund zur Sorge bereitet eine mögliche Abspaltung Kataloniens.

„Der Markt fragt sich noch immer, wie die Bilanz der EZB wieder den Stand von 2012 erreichen soll“, sorgt sich etwa Ioannis Sokos von BNP Paribas SA in London. dpa

„Der Markt fragt sich noch immer, wie die Bilanz der EZB wieder den Stand von 2012 erreichen soll“, sorgt sich etwa Ioannis Sokos von BNP Paribas SA in London.

Frankfurt am MainDie Rendite zehnjähriger spanischer Anleihen stieg um knapp zehn Basispunkte auf 2,29 Prozent. Entsprechende italienische Papiere rentierten mit 2,42 Prozent sechs Basispunkte höher als am Vortag.

Den Rückgang der Notierungen europäischer Staatsanleihen erklärten Marktteilnehmer mit der Sorge, dass sich die von der EZB angekündigten Maßnahmen als zu schwach erweisen könnten. Es gebe „eine Umkehrbewegung gegenüber dem vorherigen Enthusiasmus über die EZB“, sagte Ioannis Sokos von BNP Paribas SA in London. „Der Markt fragt sich noch immer, wie die Bilanz der EZB wieder den Stand von 2012 erreichen soll.“

Wie bereits am Vortag stiegen vor allem die spanischen Renditen deutlich an; Marktteilnehmer machten sich mit Blick auf die Umfrageerfolge der schottischen Separatisten Sorgen, dass sich auch Katalonien von seinem Mutterland abspalten könnte.

Die umstrittenen Staatsanleihen-Kaufprogramme der EZB

10. Mai 2010

Als die Schuldenkrise zum ersten Mal in Griechenland eskaliert, beschließt der EZB-Rat den Kauf von Staatsanleihen überschuldeter Euro-Länder. Damit wirft die EZB erstmals in ihrer Geschichte de facto die Notenpresse an, um Krisenländern zu helfen und das politische Projekt der Gemeinschaftswährung nicht zu gefährden. In der Folge kauft sie für mehr als 200 Milliarden Euro Papiere von Griechenland, Irland und Portugal.

8. August 2011

Die EZB dehnt unter dem Druck der sich verschärfenden Schuldenkrise ihre Staatsanleihen-Käufe auf Spanien und Italien aus. Zudem wird bekannt, dass der damalige Notenbankchef Jean-Claude Trichet Briefe an die Regierungschefs dieser Länder, Silvio Berlusconi und Jose Luis Zapatero, geschrieben hat, in denen er ihnen Ratschläge für eine nachhaltige Finanzpolitik und Haushaltsführung erteilt. Der Brief an Berlusconi, den auch Trichets designierter Nachfolger - Italiens Notenbankchef Mario Draghi - unterzeichnet, wird zum Politikum.

2. August 2012

Draghi, mittlerweile EZB-Präsident, kündigt angesichts der immer weiter eskalierenden Krise ein neues Anleihen-Kaufprogramm an. Wenige Tage zuvor hatte er in London völlig überraschend erklärt, die EZB werde alles tun, um den Euro zu retten. Heftiger Widerspruch kommt von Bundesbank-Chef Jens Weidmann.

6. September 2012

Der EZB-Rat beschließt das von Draghi einen Monat zuvor angekündigte Anleihe-Kaufprogramm OMT (Outright Monetary Transactions). Es ist an Bedingungen geknüpft, etwa dass ein Land, um in den Genuss der Hilfe durch die Notenpresse zu kommen, unter den permanenten Euro-Rettungsschirm ESM schlüpfen muss. Im Gegenzug erklärt sich die EZB bereit, theoretisch unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen. Begründet wird das Programm, das im EZB-Rat gegen den Widerstand Weidmanns durchgesetzt wurde, mit einer Störung der Geldpolitik in den 17 Euro-Ländern.

12. September 2012

Das Bundesverfassungsgericht gibt in einem Eilverfahren grünes Licht für den ESM. Das Gericht kündigt zudem an, bei der Hauptverhandlung auch die Rettungspolitik der EZB unter die Lupe zu nehmen - und damit vor allem das Anleihe-Kaufpogramm OMT.

Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries war mit 2,52 Prozent gut einen Basispunkt höher. Sie lag damit auf dem höchsten Stand seit mehr als einem Monat. Ökonomen erwarten für diese Woche stärkere Konjunkturdaten aus den USA, womit die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung durch die US-Notenbank im nächsten Jahr zunehmen würde. Anleihen aus dem Euroraum haben sich dagegen dieses Jahr besser entwickelt als die aus den USA. Die EZB hatte ihre geldpolitischen Stimuli weiter verstärkt.

„Wir sehen eine starke Divergenz bei der Geldpolitik, und ebenso im Konjunkturzyklus“, sagte Christoph Kind von Frankfurt Trust in Frankfurt. „Die EZB senkt die Zinsen, aber in den USA passiert nichts dergleichen. Es gibt sehr gute Argumente dafür, dass sich die Treasuries unterdurchschnittlich entwickeln werden.“

Deutschland begab am Vormittag zehnjährige Anleihen im Volumen von fünf Milliarden Euro. Die Durchschnittsrendite lag bei 1,05 Prozent nach 1,08 Prozent bei der vorherigen Auktion am 13. August.

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