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25.02.2014

16:07 Uhr

Europäischer Anleihemarkt

Anleiherenditen sinken

Die Notierungen liegen am europäischen Anleihemarkt mehrheitlich im Plus. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen notierte einen Basispunkt niedriger. Derweil wirft die anstehende EZB-Ratssitzung ihre Schatten voraus.

Die Euro-Skulptur vor der Europäischen Zentralbank. Das Geschäft am Anleihemarkt ist wegen der unterschiedlich dynamisch verlaufenden konjunkturellen Erholung im Euroraum von Unsicherheit geprägt. dpa

Die Euro-Skulptur vor der Europäischen Zentralbank. Das Geschäft am Anleihemarkt ist wegen der unterschiedlich dynamisch verlaufenden konjunkturellen Erholung im Euroraum von Unsicherheit geprägt.

Am europäischen Anleihemarkt haben die Notierungen am Dienstagnachmittag mehrheitlich im Plus gelegen. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen notierte zuletzt mit knapp 1,67 Prozent einen Basispunkt niedriger. Der Bund-Future stieg um fünf Basispunkte auf 143,72 Prozent. US-Treasuries rentierten mit 2,72 Prozent zwei Basispunkte niedriger.

Das Geschäft war von Unsicherheit geprägt. „Die in der kommenden Woche anstehende Ratssitzung der Europäischen Zentralbank wirft ihre Schatten weit voraus“, hielten die Volkswirte Johannes Jander und Ulrich Wortberg von der Helaba in ihrem Morgenkommentar fest. „Es stellt sich die Frage, ob die Währungshüter weitere Lockerungsmaßnahmen beschließen werden oder nicht.“

Angesichts der unterschiedlich dynamisch verlaufenden konjunkturellen Erholung im Euroraum dürfte die Unsicherheit bis zur nächsten EZB-Sitzung am 6. März erhalten bleiben. So war das französische Geschäftsklima im Februar mit einem Stand von 94 unter den erwarteten 95 geblieben und enttäuschte damit - im Gegensatz zu dem überraschend starken deutschen ifo-Index vom Dienstag.

Die umstrittenen Staatsanleihen-Kaufprogramme der EZB

10. Mai 2010

Als die Schuldenkrise zum ersten Mal in Griechenland eskaliert, beschließt der EZB-Rat den Kauf von Staatsanleihen überschuldeter Euro-Länder. Damit wirft die EZB erstmals in ihrer Geschichte de facto die Notenpresse an, um Krisenländern zu helfen und das politische Projekt der Gemeinschaftswährung nicht zu gefährden. In der Folge kauft sie für mehr als 200 Milliarden Euro Papiere von Griechenland, Irland und Portugal.

8. August 2011

Die EZB dehnt unter dem Druck der sich verschärfenden Schuldenkrise ihre Staatsanleihen-Käufe auf Spanien und Italien aus. Zudem wird bekannt, dass der damalige Notenbankchef Jean-Claude Trichet Briefe an die Regierungschefs dieser Länder, Silvio Berlusconi und Jose Luis Zapatero, geschrieben hat, in denen er ihnen Ratschläge für eine nachhaltige Finanzpolitik und Haushaltsführung erteilt. Der Brief an Berlusconi, den auch Trichets designierter Nachfolger - Italiens Notenbankchef Mario Draghi - unterzeichnet, wird zum Politikum.

2. August 2012

Draghi, mittlerweile EZB-Präsident, kündigt angesichts der immer weiter eskalierenden Krise ein neues Anleihen-Kaufprogramm an. Wenige Tage zuvor hatte er in London völlig überraschend erklärt, die EZB werde alles tun, um den Euro zu retten. Heftiger Widerspruch kommt von Bundesbank-Chef Jens Weidmann.

6. September 2012

Der EZB-Rat beschließt das von Draghi einen Monat zuvor angekündigte Anleihe-Kaufprogramm OMT (Outright Monetary Transactions). Es ist an Bedingungen geknüpft, etwa dass ein Land, um in den Genuss der Hilfe durch die Notenpresse zu kommen, unter den permanenten Euro-Rettungsschirm ESM schlüpfen muss. Im Gegenzug erklärt sich die EZB bereit, theoretisch unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen. Begründet wird das Programm, das im EZB-Rat gegen den Widerstand Weidmanns durchgesetzt wurde, mit einer Störung der Geldpolitik in den 17 Euro-Ländern.

12. September 2012

Das Bundesverfassungsgericht gibt in einem Eilverfahren grünes Licht für den ESM. Das Gericht kündigt zudem an, bei der Hauptverhandlung auch die Rettungspolitik der EZB unter die Lupe zu nehmen - und damit vor allem das Anleihe-Kaufpogramm OMT.

Italien platzierte inflationsgeschützte Staatsanleihen mit Laufzeit bis 2018 und Nullkuponpapiere, die im Dezember 2015 fällig werden. Letztere erreichten bei der Rendite ein Rekordtief von 0,822 Prozent, während die Inflationslinker auf 1,2 Prozent kamen. Die Rendite der zehnjährigen italienischen Referenzanleihe sank um zwei Basispunkte auf 3,6 Prozent.

In Portugal ging es um ebenfalls zwei Basispunkte auf 4,83 Prozent nach unten. Damit setzte sich der Rückgang den dritten Handelstag in Folge fort. Das Land hatte am Vortag den Plan eines Rückkaufs von Papieren mit einer Laufzeit bis Oktober 2014 und Oktober 2015 mitgeteilt. Portugal versucht, mit dem Auslaufen des Rettungsprogramms am 17. Mai wieder vollen Zugang zu den Anleihemärkten zu erlangen.

Die portugiesische Schuldenagentur hatte am Montag mitgeteilt, sie plane am Donnerstag Bonds, deren Laufzeit im Oktober diesen und nächsten Jahres ende, zurückzukaufen. Die Kupons der Papiere liegen bei 3,6 und 3,35 Prozent. Portugal will noch im Mai das Rettungsprogramm seiner Euro-Partner und des IWF im Volumen von 78 Milliarden Euro verlassen und finanziell wieder auf eigenen Beinen stehen. In diesem und nächsten Jahr muss das Land Anleihen im Volumen von rund 19,6 Milliarden Euro tilgen.

ICAP-Stratege Philip Tyson sagte, die Rückkauf-Pläne machten Sinn. „Portugal profitiert derzeit von einer guten Stimmung am Markt.“ Das Land habe eine Reihe von Auktionen erfolgreich hinter sich gebracht und man habe den Eindruck, Portugal arbeite konsequent daran, dass Rettungsprogramm zu verlassen.

Zuletzt kam Portugal bei der Ausgabe kurzfristiger Anleihen günstiger an Geld. In der vergangenen Woche hatte die Notenbank zudem die erste positive Leistungsbilanz seit 1993 bekannt gegeben.

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